Forschungsfahrrad

Salzburg Research setzt seit dem Jahr 2021 speziell entwickelte Forschungsfahrräder zur Erfassung und Analyse von Interaktionen von Radfahrenden mit anderen Verkehrsteilnehmer:innen im öffentlichen Straßenraum ein. Ziel ist die objektive Erfassung realer Verkehrssituationen, um evidenzbasierte Aussagen zur Sicherheit von Radfahrenden zu ermöglichen.
Seit dem Frühjahr 2026 kommt ein neu entwickeltes Fahrrad zum Einsatz, das den bisherigen Aufbau technologisch weiterentwickelt. Die Systemarchitektur vom Bikealyze NEXUS umfasst einen Embedded-Hochleistungsrechner, ein hochgenaues GNSS-System, zwei LiDAR-Sensoren (3D-Laser-Scanner) zur dreidimensionalen Erfassung der Umgebung, drei Kameras sowie eine C-ITS On-Board Unit. Diese Komponenten ermöglichen eine hochgenaue Erfassung von Positions-, Bewegungs- und Umgebungsdaten im Realverkehr.
Datenschutzhinweis
Mit dem Forschungsfahrrad werden Videoaufnahmen für die Untersuchung von Sicherheitsrisiken im Fahrradverkehr sowie zur Bewertung der Qualität der Radfahrinfrastruktur erstellt. Die Datenaufzeichnung ist bei der österreichischen Datenschutzbehörde gemeldet.
Rückfragen an: Salzburg Research Forschungsgesellschaft mbH
Cornelia Zankl, cornelia.zankl@salzburgresearch.at, T 0662.2288-317
Dreidimensionales Abbild der Umgebung
Die erfassten LiDAR-Daten ergeben sogenannte Punktwolken – ein dreidimensionales Abbild der Umgebung. Auf dieser Basis können Position und Ausdehnung von Fahrzeugen bestimmt und somit relevante Kennwerte wie Abstände und Geschwindigkeiten berechnet werden. Die gewonnenen Daten bilden eine fundierte Grundlage für wissenschaftliche Auswertungen und die Entwicklung gezielter Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit für Radfahrende.

Vielfältige Einsatzmöglichkeiten für mehr Verkehrssicherheit
Das Forschungsfahrrad kommt in unterschiedlichen Forschungsprojekten zum Einsatz, um die Sicherheit von Radfahrenden im Straßenverkehr zu erhöhen. Zwei zentrale Anwendungsfälle zeigen das Potenzial der Technologie:
Vernetzung mit automatisierten Fahrzeugen
In einem ersten Anwendungsfall wurde die erste Version des Forschungsfahrrades mit ITS-Kommunikationstechnologien ausgestattet, um seine Position und Bewegungsrichtung in Echtzeit über einen speziellen Funkstandard an umliegende Fahrzeuge und die Verkehrsinfrastruktur zu übermitteln. Ziel war es, insbesondere automatisierten Fahrzeugen eine frühzeitige Erkennung des Fahrrads zu ermöglichen – selbst dann, wenn es sich noch außerhalb der Reichweite ihrer eigenen Sensorik befand. Gleichzeitig erhielten Radfahrende Warnmeldungen, wenn potenzielle Kollisionen erkannt wurden. Diese Lösung wurde im Rahmen des Projekts Bike2CAV – Vermeidung von Kollisionen mit RadfahrerInnen durch Fahrzeug-zu-X-Kommunikation entwickelt und erprobt.
Messung von Überholvorgängen zur objektiven Beurteilung der Radverkehrssicherheit
Ein weiterer zentraler Anwendungsfall ist die Analyse von Überholvorgängen zwischen Kraftfahrzeugen und Radfahrenden – insbesondere bei beengten Straßenverhältnissen. Salzburg Research hat eine Methode entwickelt, mit der mithilfe des Forschungsfahrrades Überholvorgänge systematisch erfasst und ausgewertet werden können. Die Grundlage dafür bilden die durch die LiDAR-Sensorik erzeugten Punktwolken, in denen Fahrzeuge identifiziert und deren Abstand zum Fahrrad bei Überholmanövern präzise gemessen werden kann. Die Analyse der Überholabstände liefert wichtige Erkenntnisse über die objektiv messbare Sicherheit von Radfahrenden und unterstützt die Entwicklung gezielter Maßnahmen zur Verbesserung der Radinfrastruktur. Diese Methode wurde in diesen Forschungsprojekten angewandt:
- RADBEST – Radverkehrsführung bei beengten Straßenverhältnissen
- MZSFreiland – Optimierung der Radinfrastruktur: Studie zu Mehrzweckstreifen mit schmaler Kernfahrbahn auf Österreichs Freilandstraßen
- Reallabor Nußdorferstraße: Markierungen wirken: Überholabstände erhöht
Das neue Forschungsfahrrad (ab 2026) wurde gemeinsam von Salzburg Research mit ALP.Lab entwickelt und auf einem Kompakt-Lastenrad von Kalkhoff aufgebaut.