
Markierungen wirken: Überholabstände erhöht
Die Stadt Salzburg veröffentlichte die Ergebnisse aus dem Reallabor Nußdorferstraße: Die getesteten Bodenmarkierungen erhöhen messbar den Überholabstand zwischen Kfz und Radfahrenden. Insbesondere breite Mehrzweckstreifen verbessern die Verkehrssicherheit.
Mehr Abstand durch klare Markierungen
Im Reallabor Nußdorferstraße wurden im zweiten Halbjahr 2025 zwei Varianten von Bodenmarkierungen getestet, um die Sicherheit für Radfahrer:innen zu erhöhen. Die Befahrungen mit dem Forschungsfahrrad durch Salzburg Research zeigen Wirkung: Autofahrende halten beim Überholen mehr Abstand, zudem berichten viele Radfahrer:innen von einem gesteigerten Sicherheitsgefühl.
Untersucht wurden zwei Abschnitte mit unterschiedlichen Markierungen:
- Breite Mehrzweckstreifen mit zwei Metern Breite und enger Kernfahrbahn mit drei Metern Breite
- Große Rad-Piktogramme mit sogenannten Sharrows
Die Messfahrten erfolgten in zwei Phasen im Juni sowie im September und Oktober 2025. Nach Rückmeldungen aus der ersten Phase wurden zusätzliche Hinweisschilder zum korrekten Überholen angebracht.
356 Überholvorgänge wissenschaftlich analysiert
Insgesamt wurden 356 Überholvorgänge erfasst und ausgewertet. In der zweiten Phase lag der Median-Überholabstand bei:
- 1,12 Metern im Abschnitt mit breiten Mehrzweckstreifen mit enger Kernfahrbahn
- 1,05 Metern im Abschnitt mit großen Rad-Piktogrammen und Sharrows
Damit erhöhte sich der Abstand in beiden Varianten. Bei Überholgeschwindigkeiten von über 30 km/h wird der gesetzlich vorgeschriebene Mindestabstand von 1,50 Metern jedoch weiterhin nicht erreicht.
Die Analyse zeigt zudem: Gegenverkehr beeinflusst das Überholverhalten. Positiv ist, dass ein Teil der Kfz-Lenkenden den Überholvorgang nachweislich verzögert, bis ein sicheres Überholen möglich ist. Zusätzlich trägt die im Reallabor eingeführte Tempo-30-Beschränkung zur Verbesserung der Verkehrssicherheit bei.
Breite Mehrzweckstreifen besonders wirksam
Auch die Rückmeldungen aus der Bevölkerung bestätigen die Ergebnisse. Insgesamt 442 Personen beteiligten sich am Feedbackprozess. 60 Prozent der Radfahrer:innen fühlen sich bei breiten Mehrzweckstreifen sicherer, bei großen Rad-Piktogrammen und Sharrows sind es 53 Prozent.
Die wissenschaftliche Auswertung zeigt, dass klare Markierungen die Aufmerksamkeit erhöhen und zu größeren Überholabständen beitragen können. Auf dieser Basis will die Stadt Salzburg gezielt geeignete Stellen im Stadtgebiet identifizieren und diese Maßnahmen dort umsetzen, wo bauliche Lösungen nicht möglich sind.
Beide Varianten werden als sinnvoll bewertet, die breiten Mehrzweckstreifen zeigen jedoch die höhere Wirksamkeit. Für die Nußdorferstraße wird daher empfohlen, künftig durchgehend breite Mehrzweckstreifen mit enger Kernfahrbahn umzusetzen und weitere geeignete Standorte im Stadtgebiet zu prüfen.
Das Reallabor wurde vom Mobilitätslabor zukunftswege.at gemeinsam mit Salzburg Research Forschungsgesellschaft und con.sens mobilitätsdesign im Auftrag von Stadt und Land Salzburg umgesetzt.
Mehr Informationen:
- Presseaussendung der Stadt Salzburg zu den Ergebnissen: stadt-salzburg.at
- Informationen zum Reallabor auf zukunftswege.at: zukunftswege.at/teststrecke
- Bericht zur Anbringung der neuen Markierungen: Reallabor für sicheres Radfahren in Salzburg: neue Markierungen
- Bericht zu den Testfahrten mit dem Forschungsfahrrad: Forschungsfahrrad überprüft Wirkung von neuen Bodenmarkierungen
