Der Dialog zwischen Öffentlichkeit und Wissenschaft ist uns ein großes Anliegen. Wir wollen Medienvertreter/-innen umfassend bei ihrer täglichen Arbeit unterstützen und bieten auf den folgenden Seiten aktuelle Informationen zu Unternehmen, Forschungstätigkeit, Projekten und Dienstleistungen.
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2025-12-02:
Der European Digital Innovation Hub (EDIH) „Crowd in Motion“ unterstützt Unternehmen und öffentliche Einrichtungen in den Bereichen Tourismus, Mobilität, Sport und Wellbeing bei ihrer digitalen Transformation. Für kleine und mittlere Unternehmen und öffentliche Einrichtungen sind die Services des EDIH durch niederschwellige EU-Förderung kostenlos. Nach einer erfolgreichen ersten Förderperiode (2023–2025) wird der Hub ab 2026 für weitere drei Jahre fortgesetzt. Mit der neuen EU-Förderzusage kann das Hub-Angebot auch inhaltlich erweitert werden.
Mit mehr als 80 maßgeschneiderten Services – von KI-Trainings über „Test before Invest“-Angebote bis zu innovativen Finanzierungsmodellen – eröffnet der European Digital Innovation Hub (EDIH) „Crowd in Motion“ einen einfachen Zugang zu modernster Technologie. Dank seiner starken Partnerstruktur und der Einbindung in das europäische EDIH-Netzwerk profitieren Betriebe und öffentliche Organisationen in den Bereichen Tourismus, Mobilität, Sport, und Wellbeingvon internationaler Expertise und praxisnaher Unterstützung, um digitale Innovationen rasch und erfolgreich umzusetzen. Mit der erfolgreichen Verlängerung entwickelt sich „Crowd in Motion“ weiter zu „Crowd in Motion – AI”. Das neue Konsortium bietet ein erweitertes Service-Portfolio, verstärktem KI-Fokus und noch stärkere internationale Vernetzung.
„Mit Crowd in Motion – AI geben wir dem Tourismus, einer der wichtigsten Branchen unseres Bundeslands, wissenschaftlich fundierte Impulse für die digitale Zukunft. Der European Digital Innovation Hub eröffnet Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen einen einfachen Zugang zu KI, modernster Technologie und europäischer Expertise und hilft ihnen, digitale Lösungen schneller und sicherer umzusetzen. Damit entsteht zusätzlicher Rückenwind für Wertschöpfung, Fachkräftequalifizierung und internationale Vernetzung in Salzburg, in ganz Österreich und international“, ist Daniela Gutschi, Landesrätin für Wissenschaft und Forschung in Salzburg, überzeugt.
„Mit der Weiterförderung von Crowd in Motion – AI setzen wir ein starkes Signal für die digitale und grüne Transformation in den Bereichen Tourismus, Mobilität, Sport und Wellbeing. Unternehmen und öffentliche Einrichtungen erhalten dadurch noch besseren Zugang zu KI, Datenräumen und Finanzierungsmöglichkeiten und können so ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit stärken“, sagt Olivia Zechner, Koordinatorin des EDIH und Forscherin bei Salzburg Research.
Wesentliche Neuerungen ab 2026 sind:
Bereits in der ersten Phase konnte der EDIH „Crowd in Motion“ eindrucksvoll zeigen, wie Digitalisierung und KI den Standort stärken. Beispiele sind:
European Digital Innovation Hubs (EDIHs) sind zentrale Anlaufstellen für Unternehmen und öffentliche Einrichtungen, die ihre digitale Transformation vorantreiben wollen. Sie bieten Zugang zu modernster Infrastruktur, Schulungen, Netzwerken sowie Testumgebungen nach dem Prinzip „Test before Invest“.
So können kleine und mittlere Unternehmen (KMU), Midcaps und öffentliche Organisationen neue Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI), Internet of Things (IoT) oder Datenräume risikoarm erproben, Mitarbeitende qualifizieren und Finanzierungsmöglichkeiten erschließen. Für heimische Betriebe bedeutet das u.a. kostengünstiger Zugang zu Spitzentechnologien, maßgeschneiderteTrainings, Netzwerkeffekte durch die europaweite Anbindung an andere Innovationshubs sowie Finanzierungshilfen durch Crowdfunding, Investor:innen-Matching oder innovative öffentliche Beschaffung.
Das Konsortium des European Digital Innovation Hub „Crowd in Motion – AI” vereint zehn starke Partnerorganisationen aus Forschung, Wirtschaft, Recht, Finanzierung und Innovationsförderung:
„Crowd in Motion – AI“ ist Teil des EU-Programms Digital Europe und wird von der Europäischen Kommission sowie dem Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus (BMWET) kofinanziert.
Weitere Informationen: www.crowd-in-motion.eu
Rückfragehinweis:
Olivia Zechner, Salzburg Research Forschungsgesellschaft mbH
Leiterin European Digital Innovation Hub (EDIH) „Crowd in Motion – AI“
+43 662 2288-402 | +43 664 8142009 | olivia.zechner@salzburgresearch.at

2025-11-19:
Forschung zum optimalen Carving-Schwung findet nicht nur im Labor oder auf der Skipiste statt. Auch ein Misthaufen im oberösterreichischen Mühlviertel spielt eine wichtige Rolle. Salzburger Forschende haben dort ein speziell entwickeltes Zentrifugalgerät aufgebaut, das sowohl perfekte Carving-Schwünge als auch fein abgestufte, gerutschte Schwünge realitätsgetreu simulieren kann.
Manche Hobby-Skifahrenden werden es kennen: Wird’s zu rasant beim Schwung, dann bremst ein Querstellen des Skis ganz hervorragend. Wenn es aber um Geschwindigkeit geht, dann wäre das kontraproduktiv. Darum sind Forschende auf der Suche nach dem idealen Carving-Schwung. Ein besonderes Augenmerk liegt hier am sogenannten „Angle of Attack“– zu Deutsch „Anstellwinkel“. Er definiert den Winkel zwischen Orientierung des Skis – wohin zeigt die Skispitze – und der tatsächlichen Bewegungsrichtung des Skis. Wird der Anstellwinkel zu groß, rutscht der Ski seitlich weg und die Geschwindigkeit nimmt ab.
Bisher wurde der Anstellwinkel mittels aufwändiger Videoanalyse untersucht. Forschende von Salzburg Research, der Universität Salzburg und Atomic Austria waren auf der Suche nach einer sensorbasierten Lösung zur Erkennung des Anstellwinkels im Feld – sprich: direkt auf der Piste. Und hier kommt der Misthaufen im Mühlviertel ins Spiel.
Die neu entwickelte Methode kombiniert Daten von Inertialmessgeräten (IMUs) und einem hochpräzisen RTK-GNSS-System (Real-Time Kinematic Global Navigation Satellite System), die direkt am Ski angebracht wurden. Die IMUs messen die Ski-Orientierung, der GNSS-Sensor liefert hochpräzise Geschwindigkeitsdaten.
„Bevor es auf die Piste ging, musste das Sensor-Setup intensiv auf seine Reliabilität und Validität getestet werden. Zu diesem Zweck haben wir ein speziell entwickeltes Zentrifugalgerät gebaut, das realistische Carvingschwünge sowie fein granular abgestufte gerutschte Schwünge simuliert“, sagt Christoph Thorwartl von Salzburg Research. Das Material für dieses Gerät wurde von der Firma Wöss Ladenbau Metalltechnik zur Verfügung gestellt und aus Platzgründen auf dem Misthaufen des elterlichen Bauernhofs im oberösterreichischen Mühlviertel aufgebaut.
Mit dem Zentrifugalgerät konnte die Sensorik und ihre Datenqualität unter realitätsnahen, jedoch standardisierten Bedingungen zuverlässig validiert werden. Das Gerät erlaubt eine präzise Steuerung und Wiederholbarkeit der Bedingungen, um Unterschiede im Anstellwinkel (θ) systematisch zu untersuchen. Die Konstruktion kann sowohl nahezu perfektes Carving (θ ≈ 0°) als auch starkes Rutschen (θ > 20°) simulieren. Und es lieferte stabile Bedingungen, um subtile Variationen des Winkels (1° bis 1,5°) präzise zu analysieren.
Mit dem am Misthaufen erfolgreich getesteten Sensor-Setup ging es dann auf die Piste. Die Testperson trug einen Rucksack mit einem Laptop, der direkt an den GNSS-Sensor angeschlossen war. Die gemessenen Anstellwinkel konnten die unterschiedlichen Techniken – paralleles Skisteuern, Carving und Übergang zwischen Parallelschwung und Carving – sehr genau unterscheiden.
Die Untersuchung zeigt vielversprechende Anwendungsfelder, insbesondere für die Optimierung von Skiausrüstung. Eine präzise Messung des Anstellwinkels könnte es ermöglichen, Ski individuell anzupassen auf die Bedürfnisse von Athlet:innen für Wettkampfbedingungen oder für Freizeitsportler:innen, die Wert auf Sicherheit und Komfort legen.
„Diese Technologie könnte nicht nur im Spitzensport, sondern auch bei der Produktentwicklung und der Auswahl des idealen Skis für Freizeitsportler:innen eingesetzt werden“, betont Dr. Christoph Thorwartl von Salzburg Research.
Die Forschungsarbeit wurde 2025 beim 10. International Congress on Science and Skiing in Val di Fiemme mit dem zweiten Platz des Young Investigator Award ausgezeichnet.
Die Forschungsarbeit und Publikation entstanden im Rahmen des Forschungsprojekts „DiMo-NEXT – Next Level of Digital Motion in Sports, Fitness and Well-being“, gefördert im Rahmen des Programms „COMET – Competence Centers for Excellent Technologies“ durch das österreichische Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI), das österreichische Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus (BMWET), der österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) sowie durch die Bundesländer Salzburg, Tirol und Oberösterreich.
Publikationen:
Christoph Thorwartl, Sebastian Schütz, Helmut Holzer, Bernd Resch (2025): Beyond the Carving-Skidding Dichotomy: Sensor-assisted Measurement of Angle of Attack in Skiing In: Proceedings of 10th International Congress on Science and Skiing.
Sebastian Schütz hat das Sensor-Setup im Rahmen seiner Masterarbeit an der Universität Salzburg sowohl im Labor als auch im Feld erfolgreich validiert:
Sebastian Schütz (2024): Sensor-based analysis of the local angle of attack in alpine skiing : from laboratory to the field. Masterarbeit: Universität Salzburg.
Rückfragehinweis:
Christoph Thorwartl, Salzburg Research Forschungsgesellschaft mbH
T: +43 662 2288-407 | M: +43 664 345 56 81 | E: christoph.thorwartl@salzburgresearch.at
Verwendung im Kontext der Berichterstattung über das Forschungsprojekt honorarfrei. Für hochauflösendes Bild auf die Vorschau klicken:




2025-10-24:
Am 24. April 2026 öffnet die Wissenschaft ihre Türen – zum 10. Mal in Salzburg
Seit 20 Jahren findet die biennale Veranstaltung Lange Nacht der Forschung statt. Sie entwickelte sich über die Jahre zur größten Veranstaltung für Wissenschaft und Forschung im deutschsprachigen Raum. In einem halben Jahr, am 24. April 2026 ist es wieder so weit. Zum 10. Mal in Salzburg laden insgesamt 11 Standorte dazu ein, Wissenschaft und Innovation hautnah zu erleben. Forschungseinrichtungen, Hochschulen und Unternehmen öffnen von 17 bis 23 Uhr ihre Türen und geben spannende Einblicke in aktuelle Projekte, Technologien und Zukunftsthemen.
mehr2025-10-21:
Die Digitalisierung der Medizin eröffnet neue Möglichkeiten in Prävention, Diagnose und Therapie. Gleichzeitig stellt sie Forschende vor große Herausforderungen: Daten aus Wearables, Gesundheits-Apps oder mobilen Sensoren sind oft hochkomplex, unvollständig und individuell verschieden. Eleonora Carrozzo, Forscherin bei der Salzburg Research Forschungsgesellschaft, entwickelt daher neue statistische Methoden, die gezielt auf digitale Gesundheitsdaten zugeschnitten sind. Der Fokus der Forschungsarbeit liegt auf kardiovaskulärer Versorgung, aber auch Forschung mit kleinen Fallzahlen, wie etwa im Fall von seltenen Erkrankungen, werden profitieren.
Digitale Technologien wie Wearables, Gesundheits-Apps oder mobile Sensoren helfen dabei, Daten von Patientinnen und Patienten zu sammeln, z. B. zu Herzfrequenz, Bewegung oder Blutdruck. Besonders in der Prävention und Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bieten sie großes Potenzial: durch kontinuierliche Datenerfassung ermöglichen sie eine individuellere, patientenzentrierte Betreuung.
Doch die Analyse dieser Daten stellt die Forschung vor enorme Herausforderungen: hohe Datenkomplexität, Ausreißer, fehlende Werte oder geringe Fallzahlen, wie sie etwa bei seltenen Krankheiten auftreten. Eleonora Carrozzo widmet sich deshalb der Entwicklung neuer statistischer Methoden, die speziell für solche herausfordernden Gesundheitsdaten ausgelegt sind.
„Ziel meiner Arbeit ist, mit kleinen Fallzahlen, hoher Datenkomplexität oder fehlerhaften Werten trotzdem zu statistisch fundierten und klinisch relevanten Aussagen zu kommen“, sagt Eleonora Carrozzo von Salzburg Research.
Ziel von Carrozzos Forschungsarbeit ist es, innovative Analyseverfahren zu schaffen, die auf sogenannten nichtparametrischen Methoden basieren. Diese kommen ohne strikte Annahmen über die Verteilung der Daten aus – und eignen sich daher besonders für digitale Gesundheitsdaten, die lückenhaft, hochdimensional, unregelmäßig oder stark individualisiert sind.
Carrozzo will damit bestehende methodische Lücken schließen und insbesondere medizinisches Fachpersonal unterstützen: Die neuen Werkzeuge sollen helfen, digitale Gesundheitsmaßnahmen fundiert zu bewerten und klinisch sinnvoll einzusetzen.
Ein besonderer Fokus liegt auf der praktischen Umsetzung: Die entwickelten Methoden werden in Form leicht nutzbarer Softwarepakete (R-Pakete) zur Verfügung gestellt. Diese sollen nicht nur in der Forschung, sondern auch in der klinischen Praxis oder in Evaluationsstudien zum Einsatz kommen. Auch komplexe Studiendesigns – etwa mit mehreren Gruppen oder sehr kleinen Stichproben, vielen Messzeitpunkten oder hochdimensionalen Daten – lassen sich mit den neuen Verfahren besser abbilden.
So werden fundierte Entscheidungen auch dann möglich, wenn klassische statistische Verfahren aufgrund einer dünnen Datenlage versagen würden.
Die Forschungsarbeit „Evaluating digital health interventions with complex designs“ wird im Programm Elise Richter vom österreichischen Wissenschaftsfonds FWF gefördert.
Anna Eleonora Carrozzo ist Postdoktorandin bei der Salzburg Research Forschungsgesellschaft und an der Paris Lodron Universität Salzburg im gemeinsamen Programm EXDIGIT (gefördert vom Land Salzburg im Rahmen des Programms WISS2030). Zuvor war sie am Ludwig Boltzmann Institut für Digitale Gesundheit und Prävention in Salzburg tätig. Anna Eleonora Carrozzo promovierte 2016 an der Universität Padua im Bereich Management und Ingenieurwesen. Zuvor erwarb sie dort einen Masterabschluss in Statistik. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Biostatistik, nichtparametrischen Statistik, statistischen Methoden in der medizinischen Forschung und der Datenwissenschaft im Bereich der digitalen Gesundheit.
Anna Eleonora Carrozzo, Salzburg Research Forschungsgesellschaft mbH
eleonora.carrozzo@salzburgresearch.at (Bitte um Kontaktaufnahme per Mail, da die Forscherin kein Deutsch spricht)
Verwendung des Bildmaterials unter Angabe des Urhebervermerks honorarfrei.


2025-10-14:
Ein neues Forschungsprojekt untersucht im Auftrag des Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur, ob sogenannte Mehrzweckstreifen mit schmaler Kernfahrbahn als Sonderlösung die Sicherheit für Radfahrende auch auf Freilandstraßen erhöhen und die Lücken im Radwegenetz schließen können. Im Burgenland, in Kärnten und in Vorarlberg starten erste Pilotuntersuchungen, begleitet von modernster Sensorik und sozialwissenschaftlichen Erhebungen. Ziel ist es, evidenzbasierte Grundlagen für künftige Planungen zu schaffen und einen wichtigen Schritt hin zu sicherer, klimafreundlicher Mobilität zu gehen.
Um die Klimaziele des Europäischen Green Deals zu erreichen, muss der Verkehr seine Treibhausgasemissionen drastisch senken. Österreich hat sich sogar vorgenommen, bereits 2040 klimaneutral zu sein. Ein zentraler Baustein dabei: die Stärkung aktiver Mobilität und vor allem des Radverkehrs – auch auf Freilandstraßen, wo bisherige Standardlösungen wie baulich getrennte Radwege nicht immer umsetzbar sind.
„Wir brauchen neue Ansätze, um Lücken im Radwegenetz abseits der Städte zu schließen, wo die örtlichen Gegebenheiten keine baulich getrennten Fahrradwege ermöglichen. Mehrzweckstreifen mit schmaler Kernfahrbahn sind ein vielversprechendes Modell, das wir nun wissenschaftlich prüfen“, erklärt Sven Leitinger, Projektleiter des Forschungsprojekts MZSFreiland und Forscher bei Salzburg Research.
Mehrzweckstreifen sind speziell markierte Teile der Fahrbahn, die in erster Linie für den Radverkehr vorgesehen sind, aber unter bestimmten Bedingungen auch von anderen Fahrzeugen genutzt werden dürfen. In Österreich ist der Einsatz von Mehrzweckstreifen mit einer schmalen Kernfahrbahn (< 4,5 Meter) bisher nur bis zu einer höchstzulässigen Geschwindigkeit von 30 km/h innerorts vorgesehen und auf Freilandstraßen derzeit nicht möglich.
In einem Verkehrsversuch mit drei Teststrecken im Burgenland, in Kärnten und in Vorarlberg wird der Einsatz von Mehrzweckstreifen auf Freilandstraßen nun geprüft. Ziel des Forschungsprojekts ist, den Einsatzbereich von Mehrzweckstreifen im Freiland klar zu definieren. Dabei soll untersucht werden, unter welchen Bedingungen diese Infrastrukturform sinnvoll und empfehlenswert ist und wo sie nicht eingesetzt werden sollte. Ebenso sollen Vor- und Nachteile für die Verkehrssicherheit, vor allem der Radfahrenden, und die Akzeptanz der Verkehrsteilnehmenden analysiert werden. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen in konkrete Handlungsempfehlungen für die Verkehrsplanung und in die Weiterentwicklung österreichischer Richtlinien ein.
„Unser Ziel ist es, eine evidenzbasierte Grundlage für Verkehrsplaner:innen zu schaffen, um Sonderlösungen umsetzen zu können. Damit können Radverkehrsanlagen künftig auch dort entstehen, wo bisher keine Lösungen möglich waren“, sagt Michael Szeiler von con.sens verkehrsplanung.
Auf den Teststrecken werden modernste Messverfahren eingesetzt: Mit dem Forschungsfahrrad Holoscene Bike, ausgestattet mit LiDAR- und Videosensorik, dokumentiert Salzburg Research präzise Überholvorgänge zwischen Kfz und Radfahrenden. Ergänzend dazu erfassen Open Bike Sensoren zusätzliche Überholvorgänge und Seitenradare die Verkehrsstärken, Geschwindigkeiten und Fahrzeugtypen.
Neben den technischen Messungen werden auch sozialwissenschaftliche Methoden eingesetzt: Proband:innen befahren die Teststrecken und bewerten ihr Sicherheitsgefühl und ihre Erfahrungen. Zusätzlich werden Umfragen in den jeweiligen Regionen durchgeführt. „Uns interessiert nicht nur die objektive Sicherheit, sondern auch, wie sicher sich Radfahrende fühlen und wie die Akzeptanz in der Bevölkerung ausfällt“, betont Eva Aigner-Breuss vom Kuratorium für Verkehrssicherheit.
Die Teststrecken befinden sich in Vorarlberg, in Kärnten sowie im Burgenland:
Im Burgenland wird auf der P456 Weppersdorfer Straße zwischen Weppersdorf und Lackenbach eine Lücke im Radnetz geschlossen. Auf einer Länge von 1,1 Kilometern entsteht ein beidseitiger Mehrzweckstreifen mit einer Breite von jeweils 1,80 Metern und einer schmalen Kernfahrbahn mit drei Metern Breite. Zu Beginn und am Ende der Strecke weisen rote Bodenmarkierungen sowie Infotafeln auf die geänderte Infrastruktur hin.
In Kärnten wird auf der L96 Wörthersee Südufer Straße ein besonders stark frequentierter Abschnitt für den Radverkehr adaptiert. Auf rund einem Kilometer zwischen Auen und Oberdellach werden beidseitige Mehrzweckstreifen mit einer Breite von je 1,50 Metern markiert, während die Kernfahrbahn rund drei Meter breit bleibt. Zusätzliche Markierungen und Verkehrsschilder warnen im Bereich eines Strandcafés vor Gefahren durch öffnende Pkw-Türen.
In Vorarlberg wird auf der L50 Montfortstraße zwischen der Ortstafel Götzis und St. Arbogast ein bergaufführender Streckenabschnitt untersucht. Weitere Details zur Teststrecke in Vorarlberg befinden sich noch in Abstimmung.
Alle Teststrecken wurden bzw. werden im September bzw. Oktober 2025 neu markiert. Nach einer Eingewöhnungszeit von mindestens einem Monat wird mit den Sensorik-Messungen, Befahrungen und Befragungen begonnen. Die Testphase dauert jeweils bis August 2026. Die Ergebnisse werden nach Projektende im Herbst 2026 veröffentlicht.
Das Forschungsprojekt MZSFreiland untersucht erstmals in Österreich, ob sogenannte Mehrzweckstreifen mit schmaler Kernfahrbahn auch auf Freilandstraßen sinnvoll und sicher eingesetzt werden können, um einen Lückenschluss im Radnetz zu ermöglichen. Diese Infrastrukturform ist in Ländern wie den Niederlanden, Dänemark oder Frankreich bereits etabliert.
Getragen wird das Projekt von einem multidisziplinären Konsortium. Salzburg Research übernimmt die Projektkoordination sowie die Datenerhebung mittels Sensorik. Das Büro con.sens verkehrsplanung bringt seine Expertise in der Radverkehrsplanung und Richtlinienarbeit ein. Das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) führt sicherheitsrelevante Analysen durch und bringt langjährige Erfahrung aus der Verkehrssicherheitsforschung ein. Dieses Projekt wird aus Mitteln des Klima- und Energiefonds gefördert und im Rahmen des Programms Zero Emission Mobility plus 2024 durchgeführt.
Die Umsetzung der Pilotstrecken in den einzelnen Bundesländern erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Amt der Burgenländischen Landesregierung, Abteilung 5 – Baudirektion und der Mobilitätszentrale Burgenland, dem Amt der Kärntner Landesregierung, Abteilung 7 – Wirtschaft, Tourismus und Mobilität und dem Amt der Vorarlberger Landesregierung, Abteilung Straßenbau (VIIb).
Sven Leitinger, Projektleiter
Salzburg Research Forschungsgesellschaft mbH
+43 664 8142016 | sven.leitinger@salzburgresearch.at
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