Gespendeten Strom wirksamer gegen Energiearmut einsetzen
Salzburg Research entwickelt gemeinsam mit Partnerorganisationen neue technische, soziale und wirtschaftliche Lösungen für Energiespenden. Ziel ist es, überschüssigen Strom besser zu nutzen und armutsgefährdete Haushalte verlässlich und langfristig mit leistbarer Energie zu unterstützen.
Energieüberschüsse gezielt für Haushalte nutzen
Rund vier Prozent der österreichischen Haushalte können es sich laut einer aktuellen EU-SILC-Erhebung nicht leisten, ihre Wohnung angemessen warmzuhalten. Das entspricht etwa 360.000 Menschen. Besonders betroffen sind Personen mit geringem Einkommen und Menschen in vulnerablen Lebenslagen.
Energiespenden ermöglichen es, überschüssigen Strom aus Photovoltaik, Wind- oder Wasserkraft an unterstützungsbedürftige Haushalte weiterzugeben. Das bestehende Modell stößt jedoch an technische Grenzen: Erzeugung und Verbrauch werden in Zeitabschnitten von 15 Minuten miteinander verrechnet. Wird in diesem Zeitraum mehr Energie gespendet als verbraucht, kann der Überschuss derzeit nicht vollständig für die teilnehmenden Haushalte genutzt werden.
Salzburg Research entwickelt technische Lösungen
Im Projekt „Energiespenden 2.0“ konzipiert und erprobt Salzburg Research eine technische Lösung, mit der sich ungenutzte Energieüberschüsse bündeln lassen. Dadurch soll ein größerer Anteil des gespendeten Stroms tatsächlich bei den unterstützten Haushalten ankommen. Einheitliche technische Schnittstellen sollen zudem die beteiligten Plattformen und Abrechnungssysteme verbinden. Wiederkehrende Abläufe können dadurch automatisiert und auch bei steigenden Teilnahmezahlen zuverlässig abgewickelt werden.
„Die Bereitschaft, überschüssigen Strom zu teilen, ist bereits deutlich vorhanden. Entscheidend ist nun, die gespendete Energie technisch und organisatorisch so zu bündeln, dass möglichst wenig davon ungenutzt bleibt. Gleichzeitig müssen die Angebote für die betroffenen Menschen einfach und verständlich zugänglich sein. Unser Ziel ist ein Modell, das auch bei stark steigenden Teilnahmezahlen verlässlich funktioniert“, sagt Stefan Linecker, Projektleiter bei Salzburg Research.
Barrierearme Zugänge und tragfähige Modelle
Neben der technischen Entwicklung berücksichtigt das Projekt auch soziale und wirtschaftliche Anforderungen. Das Projektteam erarbeitet ein einheitliches Service-Design, standardisierte Prozesse und Maßnahmen für mehr Inklusivität. Verständliche und möglichst barrierearme Anmeldeverfahren sollen Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen und Lebenssituationen die Teilnahme erleichtern.
Darüber hinaus entstehen Modelle für die Abrechnung und Bereitstellung von Dienstleistungen für Gemeinden, Städte und andere Gebietskörperschaften. Das Konsortium untersucht außerdem neue Finanzierungswege für Energiespenden und die Voraussetzungen für ein soziales Energieversorgungsunternehmen.
Potenzial für mehrere zehntausend Haushalte
Langfristig sollen mehrere zehntausend Haushalte von Energiespenden profitieren können. Das mögliche jährliche Spendenvolumen liegt nach Einschätzung des Konsortiums im zweistelligen Gigawattstundenbereich. Im Projekt wird untersucht, in welchem Umfang sich dieses Potenzial mit den entwickelten technischen, sozialen und wirtschaftlichen Lösungen erschließen lässt.
Salzburg Research setzt das Projekt gemeinsam mit enixi, der OurPower Energiegenossenschaft und Robin Powerhood um. „Energiespenden 2.0“ wird vom Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur und dem Klima- und Energiefonds im Programm „Energieforschung 2025“ mit dem Schwerpunkt „Gesellschaftliche Transformation: Akzeptanz und Partizipation“ gefördert und von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG abgewickelt.
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