2026-07-24:
Energieüberschüsse besser nutzen und armutsgefährdete Haushalte verlässlich mit leistbarem Strom unterstützen: Daran arbeitet Salzburg Research gemeinsam mit enixi, OurPower und Robin Powerhood im Projekt „Energiespenden 2.0“. Das Vorhaben verbindet technische Entwicklungen mit sozialen und wirtschaftlichen Maßnahmen. Ziel ist es, den nutzbaren Anteil gespendeter Energie wesentlich zu erhöhen und Energiearmut in Österreich dauerhaft zu verringern.
Energiearmut betrifft rund 360.000 Menschen in Österreich
Laut einer aktuellen EU-SILC-Erhebung, einer EU-weiten Gemeinschaftsstatistik zu Einkommen und Lebensbedingungen, können es sich vier Prozent der österreichischen Haushalte nicht leisten, ihre Wohnung angemessen warmzuhalten. Das entspricht rund 360.000 Menschen. Besonders betroffen sind Personen mit geringem Einkommen und Menschen in vulnerablen Lebenslagen. Sie können häufig nur eingeschränkt an den Vorteilen der Energiewende teilhaben.
enixi (mit energiespenden.at) und Robin Powerhood sind Pioniere im Bereich der Energiespenden und haben bereits eine österreichweite Energiegemeinschaft etabliert, um überschüssige Energie an bedürftige Haushalte zu spenden. „Seit dem Start im Jahr 2023 wurden rund 750 Megawattstunden Strom gespendet. Dies entspricht einer Unterstützungsleistung im Wert von etwa 100.000 Euro“, sagt Valentin Neuhauser von Robin Powerhood. Innerhalb der vergangenen acht Monate hat sich die Zahl der spendenden Personen vervierfacht.
Das bisherige Modell stößt jedoch an technische und organisatorische Grenzen. Erzeugung und Verbrauch werden jeweils in Zeitabschnitten von 15 Minuten miteinander verrechnet. Wird in einem solchen Zeitraum mehr Strom gespendet als unmittelbar verbraucht, kann der Überschuss nicht vollständig für die unterstützten Haushalte genutzt werden. Benötigen diese mehr Energie als gleichzeitig gespendet wird, muss der Reststrom über den regulären Stromanbieter bezogen werden.
Technische und soziale Innovationen
Salzburg Research konzipiert und erprobt eine technische Lösung, mit der ungenutzte Energieüberschüsse gebündelt werden können. Damit soll ein größerer Anteil der gespendeten Energie tatsächlich bei den unterstützten Haushalten ankommen. Außerdem entstehen im Konsortium ein einheitliches Service-Design, standardisierte Prozesse und ein Maßnahmenkatalog für mehr Inklusivität. Ziel sind verständliche und möglichst barrierearme Zugänge für Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen und Lebenssituationen.
„Die Bereitschaft, überschüssigen Strom zu teilen, ist bereits deutlich vorhanden. Entscheidend ist nun, die gespendete Energie technisch und organisatorisch so zu bündeln, dass möglichst wenig davon ungenutzt bleibt. Gleichzeitig müssen die Angebote für die betroffenen Menschen einfach und verständlich zugänglich sein. Unser Ziel ist ein Modell, das auch bei stark steigenden Teilnahmezahlen verlässlich funktioniert“, sagt Stefan Linecker, Projektleiter bei Salzburg Research.
Energiespenden und Vollversorgung verbinden
Für die zuverlässige Versorgung der teilnehmenden Haushalte bringt die OurPower Energiegenossenschaft ihre Erfahrung mit einem digitalen Strommarktplatz in das Projekt ein. Die OurPower Energiegenossenschaft wurde 2018 mit dem Ziel gegründet, einen neuen Energiemarkt von und für Bürger:innen aufzubauen. Am OurPower Marktplatz können Produzierende von PV-Strom, Wind- und Wasserkraft ihren Strom direkt an Kund:innen in ganz Österreich verkaufen und die Preise dafür selbst festlegen.
Mit dem Family&Friends Angebot gibt es schon die Möglichkeit, Strom um nur 1 Cent/kWh an Freund:innen zu verkaufen. Im Projekt Energiespenden 2.0 wird OurPower gemeinsam mit Robin Powerhood und enixi ein neues Angebot entwickeln, bei dem das Spenden von Strom mit der Vollversorgung über den OurPower-Marktplatz kombiniert wird.
„Gemeinsam mit den beiden Partnern aus der Praxis und der Salzburg Research, sehen wir in dem Projekt einen wesentlichen Beitrag zu einer gerechten Energiewende“, bestätigt Hemma Bieser, Vorständin von OurPower.
Technische, soziale und wirtschaftliche Lösungen gemeinsam denken
Auf technischer Ebene untersucht das Projekt, wie zeitlich verteilte Energieüberschüsse gebündelt und besser verwertet werden können. Zusätzlich soll der verbleibende Strombedarf mehrerer Haushalte gemeinsam am Markt beschafft werden. Einheitliche technische Schnittstellen sollen die beteiligten Plattformen und Abrechnungssysteme verbinden und wiederkehrende Abläufe automatisieren.
Ebenso wichtig ist der soziale Zugang. Das Projektteam entwickelt barrierearme Anmeldeverfahren und Maßnahmen, mit denen betroffene Menschen besser erreicht und zur Teilnahme befähigt werden können. Dabei wird untersucht, welche Zugangswege verständlich, vertrauenswürdig und für unterschiedliche Lebenssituationen geeignet sind.
Auf wirtschaftlicher Ebene entstehen Modelle für die Abrechnung und Bereitstellung von Dienstleistungen für Gemeinden, Städte und andere Gebietskörperschaften. Darüber hinaus prüft das Konsortium neue Finanzierungswege für Energiespenden und die Voraussetzungen für ein soziales Energieversorgungsunternehmen.
Potenzial für mehrere zehntausend Haushalte
Das Projekt verfolgt das Ziel, den Verwertungsgrad gespendeter Energie wesentlich steigern. Langfristig sollen mehrere zehntausend Haushalte teilnehmen können. Das Konsortium sieht ein mögliches jährliches Spendenvolumen im zweistelligen Gigawattstundenbereich. Ob und in welchem Umfang dieses Potenzial erreicht werden kann, wird im Projekt anhand der entwickelten technischen, sozialen und wirtschaftlichen Modelle untersucht.
„Energiespenden können ihre Wirkung nur dann voll entfalten, wenn die Unterstützung für betroffene Menschen einfach zugänglich ist und gleichzeitig dauerhaft finanziert und organisatorisch abgesichert werden kann. Energiespenden 2.0 betrachtet deshalb nicht nur die technische Lösung, sondern die gesamte Kette von der Stromspende bis zur tatsächlichen Entlastung eines Haushalts“, sagt Matthias Nadrag von enixi.
Über das Projekt Energiespenden 2.0
„Energiespenden 2.0“ wird von Salzburg Research Forschungsgesellschaft gemeinsam mit enixi GmbH, OurPower Energiegenossenschaft SCE mbH und Robin Powerhood, der ökosozialen Energiegemeinschaft, umgesetzt. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur und dem Klima- und Energiefonds im Programm „Energieforschung 2025“, Schwerpunkt „Gesellschaftliche Transformation: Akzeptanz und Partizipation“, gefördert. Die Abwicklung erfolgt über die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft FFG.
Rückfragehinweis:
Stefan Linecker, Projektleiter
Salzburg Research Forschungsgesellschaft
+43 662 2288-441, stefan.linecker@salzburgresearch.at