Digitaler Produktpass – Chancen für die Abfallwirtschaft

Felix Strohmeier, Madhu Dasika, Roman Rainer, Klemens Winkler & Alexia Tischberger-Aldrian (2026): Digitaler Produktpass – Chancen für die Abfallwirtschaft Digital product passport—Opportunities for waste management. In: Österreichische Wasser- und Abfallwirtschaft

Der Digitale Produktpass (DPP) eröffnet neue Perspektiven für die Abfallwirtschaft, indem er Hersteller verpflichtet, gezielt Informationen zur Zerlegung von Bauteilen und Details zu deren Materialien zugänglich zu machen. Im Projekt KIRAMET zeigt das Konzept „Smart Waste“, wie KI und DPPs gemeinsam das Recycling komplexer Produkte verbessern. So können etwa bei Altfahrzeugen Metalle wie Stahl und Aluminium unter Einbezug der Materialdetails zu den Legierungselementen optimal rezykliert werden oder bei Elektrogeräten wertvolle Komponenten wie Kupferleitungen oder Leiterplatten systematisch ausgebaut werden. Der vorliegende Artikel stellt Ergebnisse aus KIRAMET vor und zeigt, wie QR-Codes und digitale Zwillinge in der Praxis eingesetzt werden können. Damit wird deutlich, welche Chancen sich für die Abfallwirtschaft ergeben – von höherer Qualität der Sekundärrohstoffe über geringere Materialverluste bis hin zu neuen Geschäftsmodellen in einer kreislauforientierten Wirtschaft.

Dieser Beitrag stellt ein Proof-of-Concept-System vor, welches das Recycling komplexer metallhaltiger Produkte wie Altfahrzeuge (End-of-Life Vehicles, ELVs) mittels digitaler Technologien unterstützt. Zentrale Herausforderungen in modernen Wertschöpfungsnetzwerken hinsichtlich detaillierter Teile-Rückverfolgbarkeit, fragmentierter Lieferkettendaten sowie automatisierter Konformitätsprüfung können damit adressiert werden. Das entwickelte System integriert digitale Zwillinge von Recyclingprozessen mit standardisierten Produktdaten aus bestehenden DPP-Frameworks. Es ermöglicht die Verfolgung von Bauteilen mit deren Materialzusammensetzungen und somit eine automatisierte Abfallklassifikation zur optimierten Gruppierung von Teilen für das Recycling. Das daraus entstehende digitale Abbild der Sekundärrohstoffe führt wiederum zu einer optimierten Rückführung in den Materialkreislauf. Die Software-Architektur nutzt bestehende Industriestandards und fördert so Interoperabilität und Nachhaltigkeit.

The Digital Product Passport (DPP) creates new perspectives for waste management due to the obligation for manufacturers to share information like disassembling instructions or materials used in their products. In the KIRAMET project, the “Smart Waste” concept shows how AI and DPPs can work together to improve recycling of complex products. For example, recycling of metals such as steel and aluminium in end-of-life vehicles can be improved by taking into account details on alloys, or valuable components such as copper wires or circuit boards can be systematically removed from electrical appliances. This article presents findings from KIRAMET and shows how product identifiers in QR codes and digital twins can be used in practice. This highlights the opportunities for waste management—from higher quality secondary raw materials and lower material losses to new business models in a circular economy.

We present a proof-of-concept system that supports the recycling of metal-containing products such as end-of-life vehicles (ELVs) using digital technologies. It addresses key challenges in modern value creation networks with regard to material traceability, fragmented supply chain data, and automated conformity testing. The developed system integrates digital twins of recycling processes with standardized product data from existing DPP frameworks. It enables the tracking of components with their material compositions to achieve an optimized grouping of parts for the recycling downstream. The resulting digital image of secondary raw materials in turn leads to optimized recycling into the material cycle. The software architecture is based on existing industry standards and promotes interoperability and sustainability.

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