Praxistest in Leipzig: Lastenräder und mobile Mikro-Hubs sollen urbane Lieferwege effizienter und nachhaltiger machen © Benjamin Gaunitz, Logistik Living Lab, Universität Leipzig
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Nachhaltige Lieferwege für Stadtrandgebiete praxistauglich gestalten

Wie kann klimafreundliche Stadtlogistik auch außerhalb dichter Innenstädte funktionieren? Das von Salzburg Research koordinierte Forschungsprojekt „SuCoLo“ zeigt mit Pilotprojekten in Salzburg, Leipzig und Meran, wie Lastenradlogistik, Mikro-Hubs und digitale Entscheidungshilfen urbane Lieferwege nachhaltiger und inklusiver machen können. Ein kostenfreies Toolkit unterstützt Städte und Unternehmen bei der Umsetzung.

Nachhaltige Stadtlogistik für Randlagen

Stadtrandgebiete stellen die urbane Logistik vor besondere Herausforderungen: größere Distanzen, geringere Versorgungsdichte und eine höhere Abhängigkeit vom Auto. Gleichzeitig wächst der Lieferverkehr und verursacht zusätzliche Emissionen, Staus und Lärm.

Salzburg Research koordinierte im Forschungsprojekt „SuCoLo – Fostering sustainable consumer behaviour with inclusive bicycle logistics infrastructure in urban outskirts“ die Entwicklung und Erprobung neuer Ansätze für nachhaltige Last-Mile-Logistik. Im Mittelpunkt standen drei Bausteine: digitales Nachfragemanagement, flexible Logistikinfrastruktur und lokale Partnerschaften.

Projektkoordinator Michael Thelen von Salzburg Research betont: „Innovative Lösungen für die Stadtlogistik entstehen nicht allein durch Technologie und Infrastruktur. Entscheidend ist vielmehr die enge Zusammenarbeit aller beteiligten Akteur. In den Pilotstädten hat sich dafür ein lokales Zusammenspiel von Kommunen, Logistik und Kurierdiensten, Handel sowie weiteren Partnern als besonders wichtig erwiesen.“

Pilotprojekte in Salzburg, Leipzig und Meran

In Salzburg untersuchte das Projektteam mit 1.101 Teilnehmenden in einem simulierten Online-Shop, wie digitale Entscheidungshilfen nachhaltige Lieferoptionen attraktiver machen können. Die Ergebnisse zeigen: Nachhaltigkeitskennzahlen und verständlich gestaltete Hinweise können die Entscheidung für klimafreundlichere Lieferformen beeinflussen.

In Leipzig testete das Konsortium einen mobilen Mikro-Hub mit Lastenrad-Lieferungen in einem weniger dicht besiedelten Randgebiet. Insgesamt wurden 289 Lastenrad-Lieferungen durchgeführt, zusätzlich stand eine Mietoption für Lastenräder zur Verfügung. Die Erfahrungen zeigen das Potenzial mobiler Hubs für Stadtrandlagen. Für einen tragfähigen Betrieb braucht es jedoch ausreichend Sendungsvolumen, stabile Partnerschaften und flexible Betriebsmodelle.

In Meran kombinierte das Projektteam Lastenrad-Sharing mit einem lokalen Kurierdienst für den Einzelhandel. Ein Schwerpunkt lag auf Barrierefreiheit. Sechs Fahrzeuge kamen zum Einsatz, darunter ein besonders leicht zugängliches Modell. Bis April 2026 wurden 620 Lieferungen durchgeführt, 120 Personen registrierten sich für die Sharing-Dienste, elf Partnergeschäfte beteiligten sich.

Kooperation und lokale Anpassung entscheiden über den Erfolg

Die Ergebnisse aus den drei Pilotstädten zeigen: Nachhaltige Stadtlogistik in Randlagen funktioniert, wenn digitale Anreize, flexible Infrastruktur und lokale Kooperationen zusammenspielen. Für den Dauerbetrieb sind verlässliche Zusammenarbeit, ausreichendes Sendungsvolumen und geeignete Betriebsmodelle zentral.

„Zugleich wurde klar, dass erfolgreiche Ansätze nicht einfach kopiert werden können. Unterschiedliche Regeln, knapper Raum und lokales Kaufverhalten erfordern Anpassungen an die jeweilige Stadt und ihre Rahmenbedingungen“, sagt Projektkoordinator Michael Thelen von Salzburg Research.

Auch Inklusion muss von Beginn an mitgedacht werden. Die Leipziger Fallstudie zeigt unterschiedliche Anforderungen je nach Lebenslage: Ältere Menschen benötigen kurze, sichere Wege und barrierefreie Zugänge. Haushalte im Erwerbsalter brauchen verlässliche Angebote entlang alltäglicher Wege. Jüngere Zielgruppen profitieren von schneller Abholung und einfacher digitaler Nutzung.

Digitale Hinweise fördern nachhaltige Lieferentscheidungen

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf Digital Nudging im Online-Handel. Dabei geht es um kleine digitale Hinweise, die nachhaltigere Entscheidungen erleichtern, ohne die Wahlfreiheit einzuschränken.

Projektleiter Michael Thelen von Salzburg Research erklärt: „E-Commerce-Plattformen können das Verhalten ihrer Kund in eine nachhaltigere Richtung lenken – nicht durch Druck, sondern durch die intelligente Gestaltung von Entscheidungsprozessen. Digital Nudging nutzt kleine digitale Hinweise, um gewünschte Verhaltensweisen zu fördern, ohne die Wahlfreiheit einzuschränken.“

Die Tests zeigten: Die Wirkung hängt stark von der Gestaltung ab. Elemente, die Zeitdruck erzeugen, führten eher dazu, dass Nutzer bei der gewohnten Standardzustellung blieben. Besser funktionierten transparente Kennzeichnungen wie ein grünes Blatt-Symbol, Treuepunkte oder die Voreinstellung einer nachhaltigeren Lieferoption.

Kostenfreies Toolkit unterstützt Städte und Unternehmen

Das SuCoLo-Toolkit bündelt die Erkenntnisse aus den Pilotprojekten in einer digitalen, interaktiven Plattform. Es bietet Städten, Unternehmen und weiteren Akteur:innen praxisnahe Entscheidungshilfen für nachhaltige Fahrradlogistik und Last-Mile-Lösungen.

Das Toolkit umfasst unter anderem digitale Planungs- und Entscheidungshilfen, Ansätze zum Nachfragemanagement, Instrumente zur Verbesserung der Barrierefreiheit sowie Transfer- und Hintergrundmaterialien. Ergänzend stehen Policy-Empfehlungen für nachhaltige städtische Fahrradlogistikstrategien zur Verfügung. Sie behandeln unter anderem strategische Ziele, klare Zuständigkeiten, datengestützte Planung, geeignete Fahrrad- und Abstellinfrastruktur sowie Maßnahmen zur besseren Sichtbarkeit nachhaltiger Lieferoptionen.

Weitere Informationen:


SuCoLo Logo

„SuCoLo – Fostering sustainable consumer behaviour with inclusive bicycle logistics infrastructure in urban outskirts“ lief von Jänner 2024 bis Juni 2026 und wurde von Salzburg Research Forschungsgesellschaft koordiniert. Projektpartner waren Salzburg Research Forschungsgesellschaft mbH, Fulmo Kurierunion, Handels- und Dienstleistungsverband Südtirol, independent L. ONLUS, Radlogistik Verband Deutschland, Stadt Gävle, Stadt Leipzig, Südtiroler Transportstrukturen AG, Sustainability InnoCenter, Universität Leipzig und VIABIRDS Technologies GmbH. Das Projekt wurde im Rahmen der Driving Urban Transitions Partnership von der Europäischen Union, der FFG, dem MIMIT, dem BMBF und Vinnova finanziert.

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