Nachhaltige Stadtlogistik: Praxiserprobte Lösungen für urbane Lieferwege

2026-07-08:

Wie kann die Last-Mile-Logistik außerhalb der Stadtzentren nachhaltiger gestaltet werden, ohne die Erreichbarkeit zu beeinträchtigen? Das Forschungsprojekt „SuCoLo – Fostering sustainable consumer behaviour with inclusive bicycle logistics infrastructure in urban outskirts“ unter der Leitung von Salzburg Research bündelt Erkenntnisse aus Pilotprojekten in Salzburg, Leipzig und Meran. Das SuCoLo-Toolkit macht die Ergebnisse für Städte und Unternehmen direkt umsetzbar.

Stadtrandgebiete zeichnen sich häufig durch größere Entfernungen, eine geringere Versorgungsdichte und eine höhere Abhängigkeit vom Auto aus. Gleichzeitig nimmt der Lieferverkehr zu, was zusätzliche Belastungen in Form von Emissionen, Verkehrsstaus und Lärm mit sich bringt. Im Rahmen des SuCoLo-Projekts wurde untersucht, wie sich Lastenradlogistik, Mikro-Hubs und digitale Maßnahmen kombinieren lassen, um den Lieferverkehr klimafreundlicher zu gestalten und den Zugang zu Waren und Dienstleistungen gerechter zu organisieren.

Projektkoordinator Michael Thelen von Salzburg Research betont: „Innovative Lösungen für die Stadtlogistik entstehen nicht allein durch Technologie und Infrastruktur. Entscheidend ist vielmehr die enge Zusammenarbeit aller beteiligten Akteur:innen. In den Pilotstädten hat sich dafür ein lokales Zusammenspiel von Kommunen, Logistik und Kurierdiensten, Handel sowie weiteren Partnern als besonders wichtig erwiesen.“

Ergebnisse aus den SuCoLo-Piloten: Nachfrage, Betrieb und Inklusion

Das SuCoLo-Konsortium testete in Salzburg, Leipzig und Meran Lösungen, die auf den drei zentralen Säulen – digitales Nachfragemanagement, flexible Logistikinfrastruktur und lokale Partnerschaften – basierten.

  • In Salzburg testete das Projektteam in einem simulierten Online-Shop mit 1.101 Teilnehmenden digitale Entscheidungshilfen für nachhaltige Lieferoptionen. Die Auswertung der Ergebnisse zeigt, dass Nachhaltigkeitskennzahlen sowie die Akzeptanz solcher Gestaltungselemente die Entscheidung für nachhaltige Lieferoptionen beeinflussen können.
  • In Leipzig kam in einem weniger dicht besiedelten Randgebiet ein mobiler Mikro-Hub mit Lastenrad-Lieferungen zum Einsatz. Das Pilotprojekt umfasste 289 Lastenrad-Lieferungen, außerdem wurde auch eine Mietoption für Lastenräder angeboten. Die Ergebnisse weisen auf das Potenzial mobiler Hubs zur Erschließung von Randgebieten hin. Jedoch sind ausreichendes Volumen, Partnerschaften und flexible Betriebsmodelle für einen nachhaltigen Betrieb entscheidend.
  • In Meran wurde das Lastenrad-Sharing mit einem lokalen Kurierdienst für den Einzelhandel kombiniert. Dabei wurde ein klarer Schwerpunkt auf Barrierefreiheit gelegt. Es wurden sechs Fahrzeuge eingesetzt, darunter eines, das für eine leichtere Zugänglichkeit konzipiert war. Bis April 2026 wurden 620 Lieferungen durchgeführt, 120 Personen hatten sich für die Sharing-Dienste registriert, es gab elf Partnergeschäfte.

Insgesamt zeigen die drei Pilotstädte: Nachhaltige Stadtlogistik in Randlagen funktioniert, wenn digitale Anreize, flexible Infrastruktur und lokale Partnerschaften zusammenspielen. Für den Dauerbetrieb braucht es verlässliche Kooperationen, genug Sendungsvolumen und flexible Betriebsmodelle.

„Zugleich wurde klar, dass erfolgreiche Ansätze nicht einfach kopiert werden können. Unterschiedliche Regeln, knapper Raum und lokales Kaufverhalten erfordern Anpassungen an die jeweilige Stadt und ihre Rahmenbedingungen“, wie Projektkoordinator Michael Thelen von Salzburg Research betont.

Kooperation und Inklusion: Was für die Umsetzung zählt

Die Pilotaktivitäten wurden gemeinsam mit Kommunen, Unternehmen, Logistik und Forschung umgesetzt. Adoption Plans aus weiteren Städten zeigen, welche Voraussetzungen für die Übertragung wichtig sind: Akzeptanz, langfristige Finanzierung und geeignete Flächen, besonders in dicht bebauten oder historisch geprägten Bereichen.

Gleichzeitig wurde deutlich, dass Inklusion aktiv mitgeplant werden muss. Die Leipziger Fallstudie zeigt unterschiedliche Anforderungen je nach Lebenslage: Ältere Menschen brauchen kurze, sichere Wege und barrierefreie Zugänge, Haushalte im Erwerbsalter vor allem verlässliche Angebote entlang von Alltagsrouten. Jüngere Zielgruppen profitieren von schneller Abholung und einfacher digitaler Nutzung.

Digitales Nudging im Online-Handel

Projektleiter Michael Thelen von Salzburg Research hebt die Vorteile praktischer, niederschwelliger Ansätze hervor, insbesondere im Online-Handel: „E-Commerce-Plattformen können das Verhalten ihrer Kund:innen in eine nachhaltigere Richtung lenken – nicht durch Druck, sondern durch die intelligente Gestaltung von Entscheidungsprozessen. Digital Nudging nutzt kleine digitale Hinweise, um gewünschte Verhaltensweisen zu fördern, ohne die Wahlfreiheit einzuschränken.“

Die Projektergebnisse zur konkreten Umsetzung von Digital Nudging zeigen, dass die Wirkung stark von der Gestaltung abhängt. Elemente, die Zeitdruck erzeugen, haben in den Tests eher dazu geführt, dass Nutzer:innen bei der gewohnten Standardzustellung bleiben. Besser geeignet waren transparente Kennzeichnungen wie ein grünes Blatt-Symbol, Treuepunkte oder die Voreinstellung der nachhaltigeren Lieferoption.

Toolkit und Policy-Empfehlungen: kostenfreie Entscheidungshilfen

Das SuCoLo-Toolkit bündelt Instrumente und Erkenntnisse aus den Pilotprojekten auf einer digitalen, interaktiven Plattform. Die Materialien bleiben über die Projektlaufzeit hinaus öffentlich und kostenfrei zugänglich.

Das Toolkit umfasst unter anderem folgende Inhalte und Komponenten:

  • Überblick über die im Rahmen des Projekts entwickelten Instrumente
  • Digitale Planungs- und Entscheidungshilfen
  • Praktische Ansätze zum Nachfragemanagement
  • Instrumente zur Verbesserung der Barrierefreiheit
  • Transfer- und Hintergrundmaterialien

Darüber hinaus werden Empfehlungen für nachhaltige städtische Fahrradlogistikstrategien bereitgestellt. Diese befassen sich unter anderem mit strategischen Zielen, koordinierten Zuständigkeiten, datengestützter Planung, geeigneter Fahrrad- und Abstellinfrastruktur, klaren Regeln im Straßenraum sowie Maßnahmen, die nachhaltige Lieferoptionen sichtbarer machen und die Akzeptanz erhöhen.

Hintergrundinformation

„SuCoLo – Fostering sustainable consumer behaviour with inclusive bicycle logistics infrastructure in urban outskirts“ lief von 01/2024 bis 06/2026 und wurde von Salzburg Research Forschungsgesellschaft koordiniert. Projektpartner: Salzburg Research Forschungsgesellschaft mbH (AT), Fulmo Kurierunion (DE), Handels- und Dienstleistungsverband Südtirol (IT), independent L. ONLUS (IT), Radlogistik Verband Deutschland (DE), Stadt Gävle (SE), Stadt Leipzig (DE), Südtiroler Transportstrukturen AG (IT), Sustainability InnoCenter (SE), Universität Leipzig (DE), VIABIRDS Technologies GmbH (AT). Das Projekt wurde im Rahmen des Driving Urban Transitions Partnership von der Europäischen Union, der FFG, dem MIMIT, dem BMBF und Vinnova finanziert.

Weitere Informationen: https://sucolo.eu/de/
Toolkit: https://sucolo.eu/de/sucolo-toolkit/

Rückfragehinweis

Michael Thelen, Projektleitung SuCoLo
Salzburg Research Forschungsgesellschaft mbH
michael.thelen@salzburgresearch.at | +43/662/2288-308

Bildmaterial

SuCoLo-Pilot in Leipzig:
Praxistest in Leipzig: Lastenräder und mobile Mikro-Hubs sollen urbane Lieferwege effizienter und nachhaltiger machen © Benjamin Gaunitz, Logistik Living Lab, Universität Leipzig
Mobiler Mikro-Hub in Leipzig: Im Projekt SuCoLo wurden Lieferungen gebündelt und klimafreundlich per Lastenrad weitertransportiert © Benjamin Gaunitz, Logistik Living Lab, Universität Leipzig
SuCoLo-Pilot in Meran
Lastenräder in Meran: Das SuCoLo-Projekt erprobte Sharing- und Lieferlösungen für eine nachhaltige Stadtlogistik © südtirolmobil
Projektleiter Michael Thelen © Salzburg Research


 
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