DIABgender – Genderspezifisches Diabetes-Selbstmanagement

Genderaspekte beeinflussen bei Diabetes-Patient/-innen wesentlich das Gesundheitsverhalten, die Entwicklung und den Verlauf der Erkrankung. DIABgender untersucht erstmals, welche gender-spezifischen Faktoren für DiabetikerInnen relevant sind sowie die Anforderungen an das medizinische Personal.

Diabetes gehört heute mit einer steigenden Prävalenz zu einer der größten Volkskrankheiten. Typischerweise wird in der Behandlung nach Diabetesformen wie Typ1 und Typ 2 Diabetes unterschieden, aber zumeist wird nicht auf genderspezifische Anforderungen eingegangen. Aus der Literatur ist bekannt, dass Genderaspekte bei dieser Erkrankung wesentlich das Gesundheitsverhalten, die Entwicklung und den Verlauf aller Diabetes-Formen beeinflussen. Eine differenzierte wissenschaftliche Analyse von biologischen und sozialen Einflussfaktoren ist notwendig, die sich nicht auf offensichtliche Differenzen zwischen den Geschlechtern beschränkt, sondern vielfältige Handlungsoptionen für alle entwickelt. Vor diesem Hintergrund setzt sich DIABgender erstmals mit der Frage auseinander, welche gender-spezifischen (biologischen und sozialen) Faktoren für DiabetikerInnen im Umgang mit ihrer Erkrankung im Alltag zur Unterstützung von Diabetes-Selbstmanagement relevant sind. Dazu werden DiabetikerInnen aus den unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten im Rahmen von Befragungen eingebunden. Zusätzlich untersucht DIABgender Anforderungen des medizinischen Personals, um gender-sensitives Diabetes-Selbstmanagement zu unterstützen.

Das Ergebnis ist eine Taxonomie von genderspezifischen Faktoren für Diabetes-Selbstmanagement (z.B. Erfassen von Vitaldaten, Sport, Ernährung). Darauf aufbauend werden gendersensitive Muster identifiziert und Empfehlungen für Diabetes-Selbstmanagement spezifiziert. Zur Einbindung der Taxonomie, Muster und Empfehlungen in potentielle IT-basierten Diabetes-Anwendungen wird im nächsten Schritt ein Wissensmodell mit der Modellierungssprache RDFS entwickelt. Darauf aufbauend werden Diabetes-Monitoring-Services als Proof-of-Concept entwickelt. Die so erfassten Daten werden an den im Forschungsprojekt EMPOWER entwickelten Action Plan exportiert, der DiabetikerInnen wöchentliche Rückmeldungen zu Diabetes-relevanten Tätigkeiten gibt. Dazu wird der EMPOWER Prototyp um ein Empfehlungssystem erweitert, dessen Basis das Wissensmodell ist und so durch individuelle Hinweise bzw. Rückmeldungen zu Diabetes-Selbstmanagement die Handlungsoptionen der DiabetikerInnen erweitert. Im nächsten Schritt wird das Wissensmodell auf Basis der Proof-of-Concept Services und der Empfehlungen mit 50-100 Diabetes-PatientInnen des AKH Wien (Frauen und Männer) evaluiert. Die Ergebnisse aus der Evaluierungsphase fließen im letzten Projektabschnitt zur Überarbeitung in das Wissensmodell ein. Projektergebnisse werden der wissenschaftliche Community wie auch IT-Anbietern und Gesundheitsdienstleistern aus dem Bereich Diabetes Disease Management zugänglich gemacht.

Das Forschungsprojekt DIABgender wird erstmalig gender-spezifische Anforderungen an eine technologische Lösung für Diabetes-Selbstmanagement aus den unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten von DiabetikerInnen erheben (z.B. Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten, Stressempfindlichkeit, Schlafgewohnheiten, etc.) und in einem Wissensmodell abbilden. DIABgender zielt dabei ab, den Grad an Personalisierung zu erhöhen und damit DiabetikerInnen im aktiven Selbstmanagement ihrer Erkrankung und in der Erreichung von optimalen Zuckerwerten zu unterstützen.

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