BlaulichtGIS – rascher vor Ort bei Notrufen und Krisen

Die von Salzburg Research entwickelte Geodatenplattform „BlaulichtGIS“ unterstützt seit März 2011 erfolgreich die Mitarbeiter des Roten Kreuzes Salzburg sowie die Berg- und Wasserrettung Salzburg in der Abwicklung von Einsätzen. Seitdem sind die Ersthelfer durch den Einsatz der neuen Technologie nicht nur schneller am Einsatzort, sie gewinnen auch wertvolle Zeit in der Versorgung und beim Transport der Patient/-innen.

Für schnelle Ersthilfe bei Notfällen, Unfällen und in Krisensituationen

Im täglichen Einsatz sind Rettungs- und Einsatzkräfte aller Art oft mit ungenauen Adressangaben oder Ortsbeschreibungen der Notrufenden sowie mit Problemen beim Auffinden des Einsatzortes vor Ort (z.B. schwierige Zufahrten) konfrontiert. Gerade in Notfallsituationen verlieren die Ersthelfer dadurch oftmals wertvolle Sekunden.
Um zukünftig diese Verzögerungen zu minimieren und bei Notfällen rascher am Einsatzort zu sein, entwickelten Salzburg Research Forscher/-innen eine webbasierte Geodatenplattform namens „BlaulichtGIS“. Über diese Plattform können mehrere Einsatzorganisationen des Bundesland Salzburg (Rotes Kreuz, Berg- und Wasserrettung) ortsbezogene Informationen erstellen und abrufen.
Nach einer mehrmonatigen Testphase wird diese neue interaktive Geodatenplattform seit März 2011 im Leitstellenbetrieb des Roten Kreuzes eingesetzt. „Die webbasierte Geodatenplattform verbessert nicht nur die Qualität, sondern auch die effizientere Abwicklung tagtäglicher Einsätze und Transporte. Dies kommt unmittelbar der Salzburger Bevölkerung, und vor allem dem verunfallten Patienten zu Gute!“, so Ernst Hagn, S2 Landesrettungskommandos Salzburg des Roten Kreuzes.

Neue Technologien für effizienteren Rettungseinsatz
Entwickelt hat sich das BlaulichtGIS aus einem früheren Forschungsprojekt, der sogenannten Vulgonamen-Datenbank. Dabei wurde gemeinsam mit dem Salzburger Roten Kreuz und der Bergrettung Salzburg Funktionen zur webbasierten Erfassung von wichtigen Punkten (sogenannten Points-of-Interests) entwickelt und getestet. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit wurden neue Problemfelder, vor allem im Bereich der einsatzorganisationsübergreifenden Nutzung von Geodaten, erkannt. „Für die doch sehr spezifischen Anforderungen, die bei Notfalleinsätzen entstehen, ist es für die Einsatzorganisationen nur schwer möglich mit handelsüblichen digitalen Kartenapplikationen optimale Rettungseinsätze und eine effiziente Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisten.  Zusätzlich sind gewisse Datenbestände, wie z.B. Luftbilder, in diesen Kartenapplikationen nicht integriert“, erklärt Salzburg Research Projektleiter Mag. Sven Leitinger. „Nach einer ersten Anforderungsanalyse mit den beteiligten Einsatzorganisationen, war für uns die Verwendung der derzeit zur Verfügung stehenden state-of-the-art-Technologie für Geowebapplikationen ein Qualitätsgarant für effektive Rettungseinsätze. Dies machte die Entwicklung der Plattform für die notwendige einsatzorganisationsübergreifende Beschaffung, Datenaufbereitung und Nutzung von Geodaten überhaupt erst möglich“, so Leitinger weiter.

Optimale Versorgung durch organisationsübergreifende Nutzung
Gerade in der täglichen Notrufabwicklung arbeiten die Mitarbeiter des Roten Kreuzes mit der Berg- und Wasserrettung sehr eng zusammen. Die Notrufe für alle drei Einsatzorganisationen werden von den Leitstellen des Roten Kreuzes entgegengenommen und bearbeitet. Um möglichst rasch am Einsatzort zu sein, vertrauen die Einsatzkräfte den sogenannten Disponenten in den verschiedenen Leitstellen des Roten Kreuzes. Die Disponenten nehmen die Notrufe entgegen und lokalisieren den Verunfallten – ab sofort auf der neuen Geowebapplikation BlaulichtGIS. Durch die Verbindung mit dem bestehenden Einsatzleitsystem des Roten Kreuzes können in weiterer Folge die notwendigen Einsatzkräfte rasch alarmiert werden. Zusätzlich werden über das BlaulichtGIS die Koordinaten des Einsatzortes zeitnah an die alarmierten Einsatzkräfte weitergegeben.
Ein möglicher Notruf, der in einer der Leitstellen des Roten Kreuzes eintrifft, könnte lauten: „Wanderunfall auf der Schmiedhofalm, wahrscheinlich gebrochener Fuß und Kopfverletzung“! – Trifft so ein Notruf in einer der Leitstellen des Roten Kreuzes ein, kann der Disponent mit einer einfachen Suche alle Objekte mit „Schmiedhof“ suchen und sich auf der neuen Geodatenplattform darstellen lassen. Zusätzlich kann er noch weitere Informationen zu den Objekten abrufen, wie z.B. spezielle Hinweise für den Zufahrtsweg für das Rettungsfahrzeug.
Ein Vorteil der neuen Geodatenplattform ist, dass nicht nur die Rettungskräfte des Roten Kreuzes die Geodatenplattform nutzen und aktiv um neue und aktuelle Informationen (z.B. Stationsverlegung der UK Medizin I in den SALK) und markante Punkte ergänzen können, sondern auch die Mitarbeiter der Berg- und Wasserrettung. So werden z.B. von den Mitarbeitern der Wasserrettung im BlaulichtGIS alle Einstiegsorte für Boote auf der Salzach, sogenannte Slipstellen, erfasst. Das gemeinsame Nutzen des Systems macht es möglich, dass auch im Rahmen eines Notfalls auf der Salzach sich die Mitarbeiter des Roten Kreuzes mit ihrem Einsatzfahrzeug an einer definierten Slipstelle bereit halten können und die verunfallte Person von der Wasserrettung schnell an das Rote Kreuz übergeben werden kann. „Dies verbessert die Zusammenarbeit zwischen den Einsatzkräften enorm und ermöglicht uns als Ersthelfer nicht nur zeit-, sondern auch ressourceneffizientes Handeln vor Ort“, ist Ernst Hagn von den Vorteilen der organisationsübergreifenden Geodatenplattform überzeugt.

Maßgeschneiderte Software ist einsatzbereit in allen Krisen und Notfällen
Ein weiterer Benefit gegenüber handelsüblichen Software-Lösungen: Eine Funktion zur Umrechnung von verschiedenen Koordinatensystemen. „Mit dieser Funktion können die Mitarbeiter des Roten Kreuzes ohne genaue Kenntnis des Referenzsystems GPS-Koordinaten in verschiedene gängige Koordinatensysteme umrechnen. Diese Umrechnung ist notwendig, da die Rettungshubschrauber teilweise ein anderes Koordinatensystem verwenden als die Einsatzfahrzeuge des Roten Kreuzes“, erklärt Leitinger eine der zahlreichen benutzerfreundlichen, interaktiven Funktionen des BlaulichtGIS. Zusätzlich wird der Standort und der Einsatzstatus aller Einsatzfahrzeuge in Echtzeit angezeigt. Bei Ausfall des Navigationsgerätes im Fahrzeug können die Disponenten mit Hilfe des BlaulichtGIS das Einsatzfahrzeug per Funk zum Einsatzort lotsen.

Angewandte Forschung für die Wirtschaft
Mit der im Rahmen des Projektes „BlaulichtGIS“ entwickelten Geodatenplattform geht Salzburg Research über die Entwicklung bisheriger Softwareprototypen hinaus und lieferte dem Roten Kreuz ein marktreifes Produkt für den unmittelbaren Notfalleinsatz. Dies beweist eindrucksvoll das Potenzial angewandter industrienaher Forschung, die von Salzburg Research tagtäglich in verschiedensten Forschungsprojekten gelebt wird.

BlaulichtGIS wurde vom Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend, Abteilung C1/9 Technisch-wirtschaftliche Forschung gefördert.