ANET – Analyse ortsbasierter Systeme

Im Projekt „Analyse ortsbasierter Systeme“ wurden die Grundlagen mobiler ortsbasierter Systeme und darauf aufbauender ortsbasierter Dienste (Location Based Services) untersucht. Ein ortsbasierter Dienst bietet ortsgebundene Information, die einem Benutzer speziell an diesem Ort zur Verfügung steht und an diesem Ort einen Mehrwert darstellt.

Ortsbasierte Dienste sind für touristische Anwendungen besonders geeignet: Zum einen sind Touristinnen und Touristen grundsätzlich mobile Menschen, weil der Ortswechsel ein inhärenter Bestandteil einer Reise ist. Zum anderen sind Tourist(inn)en in der Regel nicht ortskundig und daher potenzielle Nutzer von Informationen, die für einen bestimmten Ort relevant sind. Ortsbasierte Dienste wurden ursprünglich als „Killer Applikation“ der mobilen Telekommunikationsdienste gehandelt. Nach einer Ernüchterungsphase wird dieser Art von Diensten jedoch wieder großes Potenzial zugeschrieben.

Das Projekt verfolgte folgende Ziele:

  • Überblick über den Stand der Entwicklung im Bereich ortsbasierter Systeme
  • Analyse und Beschreibung der Komponenten von ortsbasierten Systemen und von Lokalisierungstechnologien
  • Entwicklung einer Taxonomie für Lokalisierungstechnologien
  • Entwicklung von touristischen Szenarien, in denen ortsbasierte Systeme eingesetzt werden können

Methoden
In der Analysephase wurden die Erkenntnisse aus bereits publizierten Forschungs- und Projektberichten im Internet und in wissenschaftlichen Journalen gesichtet und entsprechend den Anforderungen des Projektes ausgewertet. Ein wesentlicher Teil der Arbeit bestand in der Suche nach und Auswertung von zahlreichen Forschungsprojekten, in denen Location Based Services entworfen und (prototypisch) umgesetzt wurden. In der letzten Phase des Projektes wurde der Einsatz von ortsbasierten Diensten für touristische Zwecke anhand von unterschiedlichen Szenarien beschrieben und verdeutlicht.

Ergebnisse
Das Projekt gibt einen Überblick über Konzepte und Technologien zur Umsetzung ortsbasierter Systeme. Im ersten Arbeitspaket wurden unterschiedliche Komponenten und existierende Services beispielhaft untersucht. Zu den untersuchten Komponenten gehören unterschiedliche Datenübertragungstechnologien, die auf Grund der Reichweiten in Wide Area, Local Area und Personal Area Networks unterteilt wurden. Weiters wurden verschiedene Lokalisierungstechnologien ausgewertet, wobei unterschieden wurde in Übertragungstechnologien, die auch zur Lokalisierung eines Objektes verwendet werden können, und konkrete Technologien, die primär für den Zweck der Positionsbestimmung entwickelt wurden. Außerdem wurden unterschiedliche Endgerätetechnologien und Frameworks zur Entwicklung von mobilen Applikationen ausgewertet. Zu jeder beschriebenen Technologie wurden Vor- und Nachteile, Funktionsweise und Einsatzgebiete dargestellt. Im weiteren Verlauf wurden Lokalisierungsmethoden analysiert und eine Taxonomie für Lokalisierungstechnologien entwickelt, mit deren Hilfe es möglich ist, Technologien entsprechend den jeweils relevanten Kriterien zu untersuchen, untereinander zu vergleichen und zu evaluieren.

Die Vielzahl der untersuchten Lokalisierungstechnologien kann einer oder auch mehreren der folgenden vier Methoden bzw. Verfahren zugeordnet werden:

  1. Das am weitesten verbreitete Verfahren ist die Triangulation. Mittels vier bekannter Referenzpunkte lässt sich die exakte Position eines Objektes im Raum durch mathematisch-geometrische Verfahren ermitteln.
  2. Ein weiteres Verfahren zur Positionsbestimmung wird als Proximity-Bestimmung bezeichnet. Hier kann lediglich ermittelt werden, ob sich ein Objekt in der Nähe eines bekannten Referenzpunktes befindet oder nicht.
  3. Eine andere Methode zur Positionsbestimmung, allerdings mit sehr viel Vorbereitungsaufwand, ist die Lokalisierung mittels Scene Analysis. Dazu wird eine Umgebung nach bestimmten Kriterien vermessen und die jeweiligen Charakterzüge werden im System gespeichert.
  4. Die letzte Methode wird als Path Tracing (Pfadverfolgung) bezeichnet. Dabei wird versucht, den Weg, den ein Objekt oder eine Person zurücklegt, mitzuverfolgen bzw. zu beobachten.

Im Projekt werden exemplarisch einige konkrete ortsbasierte Systeme aus Forschungsprojekten und kommerziellen Produkten vorgestellt und anhand der Taxonomie bewertet. Die Ergebnisse dieser Bewertung wurden nicht nur schriftlich festgehalten, sondern über ein Web-Informationssystem abrufbar gemacht. Damit kann effizient auf die gewünschten Teilinformationen der Bewertung zugegriffen und in der Taxonomie navigiert werden. Mit den Erkenntnissen und Ergebnissen aus der Taxonomieentwicklung ist es möglich, Partnern bereits sehr früh im Entwicklungsprozess eines ortsbasierten Systems Hilfestellung bei der Technologieauswahl und bei Designentscheidungen anzubieten. Weiters wurden im Projekt touristische Szenarien entwickelt, in denen gezeigt wird, welche ortsbasierte Technologien – je nach Anforderungen – eingesetzt werden können.

Partner: Kooperationen mit der Universität Salzburg