2026-04-08:
Auf der L50 Walgaustraße zwischen der Ortstafel Götzis und St. Arbogast wird derzeit eine neue Bodenmarkierung aufgebracht. Im Rahmen eines nationalen Forschungsprojekts untersucht Salzburg Research gemeinsam mit con.sens verkehrsplanung und dem KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit) eine neue Straßengestaltung für kurze Streckenabschnitte, auf denen ein baulich getrennter Radweg nicht umsetzbar ist. Es wird geprüft, ob sogenannte Mehrzweckstreifen mit schmaler Kernfahrbahn auf Freilandstraßen die Sicherheit für Radfahrende verbessern können. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit sind im April und Mai 2026 Messfahrten und Befragungen geplant.
Hintergrund: Lückenschluss im Radnetz, wenn Standardlösungen nicht möglich sind
Entlang vieler Freilandstraßen bestehen Lücken in der Radinfrastruktur. Baulich getrennte Radwege gelten zwar als Standard, lassen sich aber nicht überall realisieren, etwa aufgrund der Topografie oder begrenzten Straßenraums. Mehrzweckstreifen sind speziell markierte Teile der Fahrbahn, die in erster Linie dem Radverkehr dienen, aber in bestimmten Situationen von Kraftfahrzeugen mitbenutzt werden dürfen, wenn dies unter besonderer Rücksichtnahme der Radfahrenden erfolgt. In Österreich kommt diese Lösung bislang nur innerorts zum Einsatz, in mehreren europäischen Ländern werden Mehrzweckstreifen darüber hinaus bereits im Freiland eingesetzt.
„Wir wollen belastbar prüfen, ob diese Markierungsform auf Freilandstraßen in Österreich dazu beitragen kann, das Miteinander zwischen Radfahrenden und Kfz-Verkehr sicherer zu gestalten. Für Vorarlberg ist die L50 ein wichtiger Praxisfall, weil hier eine beachtliche Steigung bewältigt werden muss und aktuell kein baulich getrennter Radweg umsetzbar ist“, sagt Sven Leitinger, Projektleiter bei Salzburg Research.
Ergänzend zur Teststrecke in Vorarlberg wurden im Rahmen des Forschungsprojekts auch in Kärnten und im Burgenland vergleichbare Teststrecken eingerichtet. Auch diese Abschnitte werden wissenschaftlich begleitet und ausgewertet. Dadurch lassen sich Erkenntnisse aus unterschiedlichen regionalen Rahmenbedingungen gewinnen und in die Gesamtbewertung der Markierungsform einfließen.
Die Teststrecke in Vorarlberg: Abschnitt, Gestaltung und Information vor Ort
Die Vorarlberger Teststrecke liegt auf der L50 Walgaustraße und beginnt auf Höhe der Geschwindigkeitsbegrenzung 60 km/h nach der Ortstafel Götzis bei Kilometer 0,58. Sie endet bei der Geschwindigkeitsbegrenzung 50 km/h auf Höhe St. Arbogast bei Kilometer 1,1. Bergauf wird ein Mehrzweckstreifen mit 1,75 Metern Breite markiert, die Kernfahrbahn ist 4,61 Meter breit. Am Beginn und in der Mitte der Teststrecke werden Infotafeln aufgestellt, die auf die empfohlene Verhaltensweise hinweisen.
Für den Verkehr gilt dabei ein einfaches Prinzip: Kraftfahrzeuge sollen grundsätzlich außerhalb des Mehrzweckstreifens fahren. In Situationen wie Gegenverkehr kann es erforderlich sein, den markierten Bereich kurz mitzubenutzen. Entscheidend ist, dass Radfahrende nicht bedrängt werden und beim Begegnen oder Überholen ein ausreichend großer Sicherheitsabstand eingehalten wird.
Wie wird untersucht: Messfahrten, Testpersonen und regionale Online-Befragung
Das Projektteam erhebt sowohl objektive Sicherheitsdaten als auch Erfahrungen und Wahrnehmungen. Geplant sind Testfahrten mit dem Forschungsfahrrad von Salzburg Research sowie Fahrten mit Testpersonen, darunter Radfahrende und Pkw-Lenkende. Zusätzlich wird eine Online-Befragung in den umliegenden Orten durchgeführt, um Rückmeldungen zur Markierung und zum Sicherheitsgefühl zu sammeln. Die Teilnahme an der Online-Befragung ist ab Ende April 2026 möglich.
Link zur Online-Befragung (ab 24. April 2026): http://r.kfv.at/befragung-rad-mehrzweckstreifen-vorarlberg
„Uns interessiert neben objektiven Messdaten auch, wie die neue Gestaltung im Alltag verstanden wird und ob sie das subjektive Sicherheitsgefühl beeinflusst. Rückmeldungen aus der Region sind dafür ein wichtiger Anhaltspunkt“, sagt Eva Aigner-Breuss vom KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit).
Zeitplan und Veröffentlichung von Ergebnissen
Die Markierungen werden Ende März bis Anfang April 2026 aufgebracht. Nach einer Eingewöhnungszeit finden im April und Mai 2026 die Testfahrten statt. Anschließend werden die Daten ausgewertet und mit internationalen und nationalen Expert:innen reflektiert. Die Ergebnisse werden nach Projektende veröffentlicht.
Über das Projekt MZSFreiland
MZSFreiland ist eine Studie zu Mehrzweckstreifen mit schmaler Kernfahrbahn auf österreichischen Freilandstraßen. Auftraggeber ist das Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI). Finanziert wird das Projekt im Rahmen des Klima- und Energiefonds, Ausschreibung „Zero Emission Mobility plus 2024“. Die Studie läuft bis August 2026. Die Markierungen und Beschilderungen in Vorarlberg werden vom Amt der Vorarlberger Landesregierung, Abteilung Straßenbau finanziert.
Rückfragehinweis
Sven Leitinger, Projektleiter
Salzburg Research Forschungsgesellschaft mbH
sven.leitinger@salzburgresearch.at | +43 664 8142016
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