Digitales Zeitalter bedroht kulturelles Gedächtnis

2002-10-24:

Leitstudie DigiCULT von Salzburg Research fließt in Empfehlungen des Europarates ein

Digital zu sein ist für viele europäische Kulturinstitutionen nicht länger nur Option, sondern Realität. Sie sind ?hybride Institutionen? geworden, die sowohl analoge als auch digitale Kulturressourcen bewahren. Die Umwandlung kultureller Inhalte in Bits und Bytes ermöglicht, neue Nutzergruppen in neuer Art und Weise anzusprechen. Gleichzeitig ist das Kulturerbe durch die neuen Technologien massiv bedroht.

Die Leitstudie DigiCULT der Salzburg Research Forschungsgesellschaft bietet eine Orientierungshilfe für die kommenden fünf Jahre. Die Urheber der Studie wurden nun eingeladen, in einem Expertenbeirat des Europarats mitzuarbeiten.

Hauptziel der DigiCULT-Studie war die Erarbeitung eines „Werkzeugkastens“ für kulturelle Institutionen, mit dem sie für technische, organisatorische und rechtliche Herausforderungen der digitalen Kulturökonomie gerüstet sind. Die Studie dient als Planungsinstrument für europäische Behörden und Kulturinstitutionen.
DigiCULT wird auf Einladung des Europarates Anfang Dezember in Straßburg präsentiert. Durch Mitarbeit im Expertenforum werden gemeinsam die Empfehlungen des Europarates zum digitalen kulturellen Erbe ausgearbeitet.

Die Rolle der Behörden als Fördergeber wird bei den konkreten Empfehlungen der DigiCULT-Studie hervorgestrichen, um die Digitalisierung voranzutreiben und kleinere Kulturinstitutionen einzubinden. Eine starke Vernetzung mit den Sektoren Bildung und Tourismus sei wünschenswert. Die Kulturstätten sollten erforderliche Mitarbeiterqualifikationen sicher stellen sowie die Aufmerksamkeit von Online-Besuchern nutzen, um eigene Dienstleistungen und Produkte zu vermarkten. Im Bereich der technologischen Entwicklung ist speziell die Langzeitarchivierung problem-behaftet. Hier wurden konkrete Empfehlungen für das 6. EU-Rahmenprogramm für Forschung und technologische Entwicklung gegeben.

Möglichkeiten durch neue Technologien: Kulturinstitutionen bieten einzigartige Lernressourcen für alle Bildungsebenen. IKT spielt eine wesentliche Rolle, neue Inhalte zu produzieren und zur Verfügung zu stellen. Neue Technologien ermöglichen, Museumsbesucher in virtuelle Welten zu entführen. Die Erfahrung zeigt, dass eine sachgerechte Nutzung neuer Medien das Interesse an den Originalen erhöht.

Gefahren durch neue Technologien: Technologien kommen und gehen mit derartiger Schnelligkeit, dass sie die Langzeitarchivierung von digitalen Inhalten in Frage stellen. Zusätzlich wächst das Volumen an Information in einem noch nie da gewesenen Tempo. Ein Großteil dieser Information ist ausschließlich digital vorhanden und hat also kein physisches Pendant.

Die Leitstudie DigiCULT – „Technological Landscapes for Tomorrow s Cultural Economy“ sowie Kurzfassungen in Englisch, Französisch, Deutsch und Italienisch stehen gratis zum Download bereit bzw. können online bestellt werden: www.digicult.info

Nachfolgeprojekt DigiCULT Forum: DigiCULT Forum ist als Nachfolgeprojekt der Leitstudie gewissermaßen ein ?Wachhund? für technologische Entwicklungen mit wesentlicher Bedeutung für den Kulturerbesektor. Unter der Leitung von Salzburg Research werden über dreißig Monate hinweg relevante Technologien beobachtet und evaluiert. Zahlreiche Publikationen stehen gratis zur Verfügung: www.digicult.info

Salzburg Research Forschungsgesellschaft mbH: Salzburg Research ist die Forschungsgesellschaft des Landes Salzburg. Sie betreibt Forschung für Anwender und Märkte in den Schwerpunktbereichen Neue Medien sowie Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT). Spezielle Anwendungsfelder sind eCulture, eTourism und eContent.

Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte:

Guntram Geser und Andrea Mulrenin, Salzburg Research

Tel 0662/2288-303 | guntram.geser@salzburgresearch.at,
andrea.mulrenin@salzburgresearch.at

Birgit Retsch, Corporate Communications

Tel 0662/2288-248 | birgit.retsch@salzburgresearch.at