Digital Sports: Potenziale und Hürden für die Sportbranche

2019-02-26:

Ebenso wie viele andere Lebensbereiche wird auch der Amateursport in den nächsten Jahren immer weiter digitalisiert werden. Ziel ist die Förderung der Qualität und somit die Freude an der Bewegung. Für Sportunternehmen bedeutet das, sich in dieser Hinsicht in großen Schritten weiterzuentwickeln. Salzburg Research hat in einer explorativen Studie die Potenziale, Chancen und Herausforderungen des neuen Wirtschafts- und Innovationsfelds „Digital Sports“  für Unternehmen der Sport-, Freizeit- und Wellnessindustrie im Alpenraum untersucht.

In den letzten Jahren zog die Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) bereits in den Profisport und in die internationale Sportindustrie ein. Als nächstes erreicht die Digitalisierung nun auch den Amateursport. „Durch die kostengünstige Verbreitung tragbarer Technologien und die Möglichkeit personalisierter Datenauswertung durch das Internet der Dinge entstehen ganz neue Anwendungsmöglichkeiten“, erklärt Elisabeth Häusler von Salzburg Research, Leiterin der Studie „Digital Sports“. „Die Sportbranche zeigt aktuell, wie die Digitalisierung bisherige Produkte und Dienste radikal verändert und neue Zielgruppen anspricht.“

Digital Sports eröffnet neue Möglichkeiten

Der Ausdruck „Digital Sports“ beschreibt die Digitalisierung von Prozessen und Produkten und deren Auswirkungen auf die Kundinnen und Kunden (Experience), Produzenten (Geschäftsmodelle) und Dienstleiter (Services). Im Fokus von Digital Sports stehen Menschen, die an einem aktiven und sportlichen Lifestyle interessiert sind, jedoch nicht unbedingt an kompetitiven Wettkämpfen oder professionellen Sportaktivitäten teilnehmen.

Das neue Wirtschafts- und Informationsfeld Digital Sports hat das Potenzial, auf geänderte Kundenbedürfnisse zu reagieren. Außerdem kann die traditionelle Wettbewerbsstärke produzierender Unternehmen der Sport-, Freizeit- und Wellnessbranchen im Alpenraum durch technologische Innovationen, neue digitale Sportdienstleistungen und Geschäftsmodelle gefestigt und ausgeweitet werden. „Die Entwicklung und Einführung technologischer Innovationen ist in der Regel von Zeiten der Unsicherheit und Risiko gekennzeichnet. In den letzten Jahren war dies auch im Innovationsfeld Digital Sports zu beobachten, wo manche Restrukturierungen oder Unternehmensübernahmen von Sportsoftwareentwickler durch Sportartikelerzeuger stattfanden“, sagt Häusler. Die Studie solle Sportunternehmen helfen, sich in diesem sich rasch wandelnden Umfeld zu orientieren und aktuelle Potenziale zur gemeinschaftlichen Erschließung zu identifizieren.

Die Studienergebnisse

Im Rahmen der Studie wurden eine umfassende Literaturanalyse, empirische Ehebungen sowie vertiefende Interviews mit Stakeholdern durchgeführt. Nach Einschätzung der befragten Experten und Expertinnen gibt es essentielle Voraussetzungen, um digitale Sportprodukte und -anwendungen erfolgreich zu entwickeln und in den Markt bringen zu können. Als allerwichtigste Voraussetzung für die Erschließung werden folgende Faktoren genannt: die Verfügbarkeit von Expert/innen an der Schnittstelle zwischen Produkt, Sensorik und Daten; sensorische Daten in nützliche Maßnahmen wie z.B. Trainingsprogramme mühelos übersetzen können, sowie die Verfügbarkeit von marktreifen Technologien und Komponenten für die Integration in die Produkte und Anwendungen.

Mit der Digitalisierung kommen auch organisatorische Herausforderungen auf die Unternehmen zu. So werden sich neue Berufsbilder herausbilden, wie etwa ein „Textilotroniker“. Auch der Datenschutz spielt eine wichtige Rolle: Durch Sportapplikationen werden die Unternehmen mit einem erheblichen Datenpool konfrontiert. „Der Umgang mit sensiblen Daten ist für viele der befragten Unternehmen – vor allem Sportartikelhersteller – noch Neuland und erfordert neue Strukturen und Methoden bzw. Know-how“, erläutert Elisabeth Häusler von Salzburg Research. Weiter sind für Digital Sports Investitionen notwendig, um die Produktion anzupassen und digitale Sportprodukte in Serie zu produzieren. Die Integration dieser Sensoren verursacht zusätzliche Kosten für die Unternehmen und führt zu einer Steigerung der Produktkosten bzw. der Marktpreise.

Problem- und Handlungsfelder

Als Fazit der Studie ergeben sich für Unternehmen und Standortentwickler drei Problemfelder und sieben entsprechende Handlungsfelder zur Entwicklung des Digital Sports-Wertschöpfungsnetzwerks im Alpenbereich. Zu jedem Handlungsfeld werden in der Studie konkrete Maßnahmen empfohlen:

  • Problemfeld 1: Noch unklares Marktverständnis
    Handlungsfeld 1: Kundennutzen besser verstehen und einschätzen
    Handlungsfeld 2: Neue Geschäftsmodelle entwickeln und testen
    Handlungsfeld 3: Marktaufbereitung fördern – Interesse für neues Angebot unter Kundinnen und Kunden schaffen
  • Problemfeld 2: Mangel an marktreifen Technologien und verfügbarer Expertise
    Handlungsfeld 4: Marktreife der erforderlichen Technologien vorantreiben – Risiken für die Entwicklung neuer Produkte abfedern
    Handlungsfeld 5: Mangel an erforderlicher Expertise reduzieren
    Handlungsfeld 6: Fortschritte bei Datengewinnung und Datenmanagement erzielen
  • Problemfeld 3: Komplexe Organisation und Prozessgestaltung in Wertschöpfungsnetzwerken
    Handlungsfeld 7: Organisation und Kooperation im Wertschöpfungsnetzwerk Digital Sports stärken

Informationen zur Studie

Elisabeth Häusler, Veronika Hornung-Prähauser, Bernhard Schrempf: Digital Sports. Welches Potenzial, Chancen und Herausforderungen stecken im Wirtschafts- und Innovationsfeld Digital Sports für Unternehmen der Sport-, Freizeit- und Wellnessindustrie im Alpenraum? Explorative Studie erstellt mit Unterstützung der Wirtschaftsabteilung Land Salzburg.

Link zur Studie: https://srfg.at/digital-sports

Salzburg Research Forschungsgesellschaft mbH

Salzburg Research erforscht und entwickelt intelligente, vernetzte und mobile Systeme im Internet der Dinge (IoT). Das anwendungsorientierte Forschungsinstitut unterstützt Unternehmen, Industrie und Verwaltung bei der Digitalisierung. Die Bandbreite reicht von innovativen Geschäftsmodellen bis zur Umsetzung in Form von Prototypen und Pilotanwendungen. Einer der Schwerpunkte ist die sensorbasierte Analyse komplexer Bewegungen im Bereich Sport und Fitness.

Rückfragehinweis:

DI(FH) Elisabeth Häusler
Salzburg Research Forschungsgesellschaft mbH
0662/2288-424 | elisabeth.haeusler@salzburgresearch.at