Digitaler Zwilling warnt vor Aquaplaning bei Starkregen
Starkregen erhöht das Aquaplaning-Risiko auf Autobahnen. Im österreichischen Forschungsprojekt WETSAFE entwickelte Salzburg Research gemeinsam mit Partnern ein System, das Wasserfilme auf Fahrspuren simuliert und Gefahrensituationen frühzeitig für Verkehrsmanagement und automatisierte Fahrzeuge nutzbar macht.
Starkregen als Risiko für die Verkehrssicherheit
Der Klimawandel führt zu häufigeren Extremwetterereignissen. Besonders Starkregen kann auf Autobahnen innerhalb kurzer Zeit gefährliche Wasserfilme bilden. Je nach Niederschlagsmenge, Fahrbahngeometrie, Geländeform und Entwässerungskapazität steigt dadurch das Risiko für Aquaplaning deutlich. Für Verkehrsteilnehmende ist das besonders kritisch, weil Fahrzeuge auf Autobahnen mit hohen Geschwindigkeiten unterwegs sind.
Im Forschungsprojekt WETSAFE entwickelte ein österreichisches Konsortium ein System, das potenzielle Gefahrenstellen bei Starkregen frühzeitig erkennt. Grundlage dafür ist ein hochgenauer digitaler Zwilling der Fahrbahn und ihrer Umgebung. In Kombination mit prognostizierten Niederschlagsmengen simuliert das System, wo sich Wasser auf einzelnen Fahrspuren sammelt und wo Aquaplaning-Gefahr entstehen kann.
Digitale Verkehrsbeeinflussung und kooperative Systeme
Salzburg Research brachte im Projekt Know-how zu vernetzten Mobilitätssystemen, digitalen Verkehrsinformationen und kooperativen intelligenten Verkehrssystemen ein. Ziel war es, die Simulationsergebnisse so aufzubereiten, dass sie in bestehende Technologien zur Verkehrsinformation bzw. Verkehrsbeeinflussung integriert werden können.
Dazu zählen digitale Verkehrsbeeinflussungsanlagen sowie C-ITS-Anwendungen, also Systeme, die den Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen und Infrastruktur ermöglichen. Auf dieser Basis können Verkehrsteilnehmende, Einsatzkräfte und künftig auch automatisierte Fahrzeuge frühzeitig vor Aquaplaning-Risiken gewarnt werden. Das Fahrverhalten lässt sich dadurch besser an die aktuelle Gefahrensituation anpassen.
Prävention für Infrastruktur und Fahrverhalten
Das System liefert nicht nur Informationen für akute Warnungen. Die realitätsnahe Simulation von Starkregenereignissen kann auch dabei helfen, Engpässe in der Fahrbahnentwässerung zu erkennen. Betreibende von Straßeninfrastruktur erhalten damit eine Grundlage, um präventive Maßnahmen abzuleiten und besonders gefährdete Abschnitte gezielt zu bewerten.
Im Projekt wurde das System exemplarisch auf einem Autobahnabschnitt mit bekannter Gefährdung angewendet, demonstriert und evaluiert. Die Erkenntnisse sind langfristig auf weitere Abschnitte des Autobahnnetzes übertragbar.
Der Ergebnisbericht steht hier zum Download zur Verfügung: projekte.ffg.at
Das Projekt wurde von JOANNEUM RESEARCH koordiniert; Projektpartner waren GeoSphere Austria, flussbau iC GesmbH und Salzburg Research Forschungsgesellschaft. Beauftragt wurde WETSAFE vom Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur sowie von der ASFINAG.
