Hass im Netz – was tun gegen Hetze und Mobbing online? - Salzburg Research Forschungsgesellschaft
Anja Hagenauer, Ingrid Brodnig, Gerhard Rettenegger, Ingrid Rieser

Hass im Netz – was tun gegen Hetze und Mobbing online?

2018-10-19:

Fake-News werden sechsmal schneller und breiter verbreitet als sachliche Neuigkeiten, die der Wahrheit entsprechen. Menschen werden online beschimpft, bedroht und angegriffen. Sie werden gemobbt und falsch informiert. Das Internet ist ein verbales Schlachtfeld geworden. Täglich tauchen gefälschte Bilder, manipulierte Zitate und vorgebliche „Fakten“ auf. Die Sprache in den sozialen Medien wird immer radikaler. Hetzerische Online-Kommentare fördern die Aggression und sie haben schwerwiegende Folgen für die Betroffenen. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Digital Leben“ baten wir am 18. Oktober im ORF-Landesstudio Salzburg drei Expertinnen um mögliche Lösungen:

Ingrid Brodnig, Journalistin und Autorin, zeigte, dass Hass und Aggression im Netz nicht nur Prominente trifft. Vielen sei gar nicht bewusst, dass sie eine strafbare Äußerung machen. Denn es reden angeblich doch alle so … Die „Unsichtbarkeit im Netz“ verleitet Menschen dazu, online etwas zum Ausdruck zu bringen, das man offline niemals jemandem ins Gesicht sagen würde. Das zeigen auch zahlreiche wissenschaftliche Studien: Schon das Vorhandensein einer Webcam verändert die Kommunikation, weil der Augenkontakt einen großen Unterschied macht. Ein weiterer Fakt ist, dass Rüpel mehr Aufmerksamkeit bekommen: Je härter und emotionaler formuliert und je mehr Schimpfwörter, desto mehr Likes bekommt ein Posting. Die Salzburger Vizebürgermeisterin Anja Hagenauer berichtete aus der Sicht von Betroffenen: Ohne eigenes Verschulden wurde sie Angriffspunkt für Hasskommentare. Nur mit Hilfe eines Mitarbeiters hat sie dieses heiße Phase gut überstanden – sie selbst hat aus Eigenschutz die Kommentare erst sehr, sehr viel später gelesen. Ingrid Rieser vom Kriseninterventionsteam des Roten Kreuzes erläuterte, was unüberlegtes Posten bei Opfern und deren Angehörigen auslösen kann.

Mögliche Lösungen

Die Expertinnen fanden eine ganze Reihe von Lösungsmöglichkeiten: Zum einen sollten Gesetze überprüft werden, denn hierzulande sind viele nicht an die digitale Herausforderung angepasst. Die Zivilcourage ist auch in der digitalen Welt gefragt und wird dort oft auch bitter vermisst. Laut Brodnig würde ein „Ich finde nicht OK, dass hier so mit Person XY umgegangen wird“ statt eines pointierten, ausgefeilten Kommentars schon sehr viel helfen, denn meist bleibt das Opfer allein. In einzelnen Fällen könnte laut Brodnig auch Humor helfen. Denn wer humorvoll reagiert, liegt nicht am Boden.

Auch die Selbstkontrolle der Sozialen Medien ist ein wichtiger Punkt im Umgang mit Fake News und Hasspostings. Allerdings gibt es da noch sehr wenig Einblick, in welchem Ausmaß das von den unterschiedlichen Betreibern umgesetzt wird. Die Schulung der Medienkompetenz nimmt einen wichtigen Stellenwert ein, was an vielen Schulen u.a. in Zusammenarbeit mit der Polizei bereits sehr gut umgesetzt wird. Allerdings wäre auch eine Schulung der Eltern von Nöten. Ingrid Rieser wies auf die Wichtigkeit der Würde hin. Denn Würde kann gelernt werden. Und ein Jugendlicher mit einer guten Selbstwürde kann auch die Würde von anderen Menschen achten.

Veranstaltungsreihe „Digital Leben“

„Digital Leben“ ist eine Veranstaltungsreihe der Plattform Digitales Salzburg. Diese Veranstaltungsreihe will Bewusstsein schaffen für neue Herausforderungen in der immer digitaler werdenden Zeit. Die Plattform Digitales Salzburg ist ein gemeinsames Vorhaben der Universität Salzburg, Fachhochschule Salzburg und der Landesforschungsgesellschaft Salzburg Research. Mehr Informationen zur Plattform finden Sie hier.