2026-08-12:
Wie können Städte Künstliche Intelligenz so nutzen, dass sie Klimaziele messbar unterstützt, ohne neue Risiken bei Datenschutz, Sicherheit und Governance zu schaffen? Die Studie cityclimAIte analysierte dafür kommunale KI-Anwendungen, bewertet deren Wirkung, Machbarkeit, Komplexität und Technologiereife und leitet Empfehlungen für Entscheidungstragende in Städten und Gemeinden ab. Ein zentrales Ergebnis ist ein kostenfrei nutzbares, webbasiertes KI-Empfehlungstool in Form eines Technologieradars, das Technologien und Anwendungsfälle übersichtlich einordnet und für die Praxis auffindbar macht.
Städte stehen unter zunehmendem Klimadruck, etwa durch Hitze und Starkregen, während gleichzeitig Digitalisierung und Regulierung rasch voranschreiten. KI kann in Bereichen wie Mobilität, Energie und Stadtplanung neue Möglichkeiten für Prognose, Steuerung und Optimierung eröffnen. Die Studie macht aber auch deutlich, dass der Nutzen nicht allein von Algorithmen abhängt, sondern von Datenqualität, Interoperabilität, Kompetenzen und klaren rechtlichen Leitplanken, unter anderem im Kontext der DSGVO und des EU-AI-Act.
„Viele Kommunen wissen, dass KI helfen kann, Klimaziele schneller zu erreichen. Was oft fehlt, ist eine belastbare Orientierung, welche Anwendungen wirklich passen, welche Daten und Kompetenzen nötig sind und wo rechtliche Leitplanken zu beachten sind“, so Senior Research Engineer und Projektleiter Christian Kogler vom AIT Austrian Institute of Technology.
29 KI-Lösungen in fünf kommunalen Anwendungsfeldern
Die „cityclimAIte-Studie“ kombinierte systematisches Screening, Use-Case-Analyse, rechtliche Einordnung sowie Machbarkeits- und Folgenabschätzung und band Stakeholder über Workshops und Interviews ein. Insgesamt wurden 29 KI-Lösungen identifiziert und entlang ihres Beitrags zu Klimaneutralität und Klimawandelanpassung, ihrer Machbarkeit und möglicher Folgewirkungen analysiert.
Die Studie beinhaltet fünf kommunale Anwendungsfelder, in denen sowohl Effizienzgewinne als auch strukturelle Wirkhebel erwartet werden. Dazu zählen Mobilität und Logistik, Strom- und Wärmenetze, energieeffiziente Gebäude, städtisches Klima und Klimawandelanpassung sowie energieeffiziente Rechenzentren und Abwärmenutzung. Die Anwendungsfälle werden einheitlich nach Technologiereifegrad, Wirkung, Machbarkeit, Komplexität und rechtlichem Rahmen beschrieben, um Vergleichbarkeit und Priorisierung für Kommunen zu ermöglichen.
Technologieradar als Entscheidungshilfe
Kern der Praxisunterstützung ist das cityclimAIte KI-Empfehlungstool, das mit der Methodik eines Technologieradars entwickelt wurde und online kostenfrei zugänglich ist. „Das Technologieradar macht KI für Städte vergleichbar. Er zeigt auf einen Blick, was bereits marktreif ist, was gerade erprobt wird und wo noch Forschung nötig ist. Damit können Entscheidungstragende Prioritäten nachvollziehbar setzen und Pilotprojekte gezielt vorbereiten“, so Veronika Hornung-Prähauser, Innovationsforscherin für digitale Technologien bei Salzburg Research.
Das KI-Technologieradar hilft, technologische Trends frühzeitig zu erkennen, Chancen und Risiken systematisch zu bewerten und Anforderungen an Kompetenzen und Umsetzung realistisch einzuschätzen. Es soll Verantwortliche in Städten und Gemeinden dabei unterstützen, den Nutzen von KI im Klimakontext evidenzbasiert zu beurteilen und Entscheidungen über Prioritäten vorzubereiten.
Das KI-Technologieradar ordnet Technologien und Best-Practice-Anwendungsfälle nach Technologiereifegrad und Marktnähe in drei konzentrischen Bereichen ein, von Forschung und Entwicklung über Erprobung bis zur Technologieadoption im Markt. Zusätzlich wird der Komplexitätsgrad als technischer und organisatorischer Aufwand visualisiert und durch Icons für hoch, mittel und niedrig dargestellt.
Neben der radarförmigen Darstellung gibt es eine Listenansicht mit vollständigen Informationen zu jedem Anwendungsfall sowie Factsheets als PDF zum Download. Die Inhalte sind unter anderem nach Machbarkeit und Wirkung sortierbar.
Publikation und Empfehlungstool
Interaktives KI-Technologieradar: https://methodenpool.salzburgresearch.at/ki-technologieradar
Christian Kogler, Pia Weinlinger, Jasmin Lampert, Isabella Hinterleitner und Veronika Hornung-Prähauser (2026). cityclimAIte – KI für klimafreundliche Städte, erschienen in der Reihe „Berichte aus Energie- und Umweltforschung 1/2026“ des Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI). Kostenfreier Download über die Website des KI-Technologieradars: https://methodenpool.salzburgresearch.at/ki-technologieradar
Hintergrundinfo
Die Studie „cityclimAIte – KI-Anwendungen zur Erreichung und Unterstützung klimaneutraler Städte“ (2024-2026) entstand im Auftrag des Klimafonds / Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft FFG. Projektkonsortium: AIT Austrian Institute of Technology GmbH, Salzburg Research Forschungsgesellschaft mbH, Tech Meets Legal GmbH.
- https://klimaneutralestadt.at/de/projekte/tiks/city-climaite-studie-zu-ki-anwendungen-zur-erreichung-und-unterstuetzung-klimaneutraler-staedte.php
- https://projekte.ffg.at/projekt/6e0e433e-f36b-1410-8620-00d3c07d99bb
Rückfragehinweise:
- Anwendungsfälle:
Christian Kogler, Projektleiter, AIT Austrian Institute of Technology
christian.kogler@ait.ac.at | T +43(0) 50550-6225 | M +43(0) 664 620 78 32 - KI-Technologieradar:
Veronika Hornung-Prähauser, Salzburg Research Forschungsgesellschaft mbH
veronika.hornung@salzburgresearch.at | +43(0) 662 2288-405
Bildmaterial zum Download:
