Smart Edge Devices und die Magie der Daten: Ein Nachbericht zu den IoT-Talks im Januar 2017 - Salzburg Research Forschungsgesellschaft

Smart Edge Devices und die Magie der Daten: Ein Nachbericht zu den IoT-Talks im Januar 2017

IoT Salzburg LogoDas Thema der 7. IoT-Talks am 24.01.2017 bildeten Industrielle Anwendungen des Internets der Dinge. Die Abend-Veranstaltung im Techno-Z wurde – wenn man von der Moderation durch Georg Güntner (Salzburg Research) absieht – ausschließlich von Vertretern aus der Wirtschaft bespielt: Kapsch BusinessCom, National Instruments und znt Richter boten spannende Einblicke in die Welt der Digitalen Transformation der Fertigungsindustrie durch das Internet der Dinge: Es ist zu erwarten, dass Sensoren (und Aktuatoren – also Steuerungen) auch in den Produktionsbereichen verstärkt über Internet-Technologien angebunden werden. Dadurch werden eine Reihe von technologischen und organisatorischen Fragen aufgeworfen: Ist das Produktionsnetzwerk noch „sicher“ vor Angriffen und Schadsoftware, wenn es ans Internet angebunden wird? Welche Standards („Kommandosprachen“) und Übertragungsmöglichkeiten (oft gibt es dort starke elektromagnetische Felder) eignen sich in Produktionsumgebungen? Welche Daten sollen in welcher Qualität gesammelt werden und welche Schlüsse lassen sich durch die Auswertungen erkennen? Können drohende Ausfälle von Maschinen und derern Bauteilen zuverlässig erkannt werden (Stichwort „Predictive Maintenance“ – vorausschauende Instandhaltung)? Wem gehören die Daten?

Wie üblich beschlossen wir die IoT-Talks mit einem „Diskussions-Imbiss“. Als Sponsor für die IoT-Talks konnten wir die Kapsch BusinessCom AG gewinnen – herzlichen Dank!

Smart Austria

IoT-Talks Salzburg: Publikum

Die Teilnehmenden erhielten spannende Einblicke in dei Welt der Digitalisierung

Stefan Podhajksi von Kapsch BusinessCom AG ging in seinem Referat auf die Fragestellungen zum Thema Smart Factory („intelligente Fabrik“) und Smart Products ( „vernetzte Produkte“) ein. Durch sinkende Kosten für Sensorik, Datenübertragung und Speicherplatz kommen im Produktionsbereich und in den Produkten selbst immer mehr Sensoren zum Einsatz: Die von diesen Sensoren übertragenen Daten bilden die eigentliche Magie: durch Analyse der Daten gewinnt man wertvolle Informationen über das Optimierungspotenzial. Als Beispiel führt Podhajski die Erfassung von Daten in den Straßenbahnen der Linz AG an: Die Analyse der gesammelten Daten führte dort zu einer deutlichen Verbesserung von Steuerungsprozessen und zu einer erheblichen Energieeinsparung (10,2 %).

Analytik („Big Data“) führt zur Vorhersage von Stillständen und zur Verbesserung der Produktqualität durch Optimierung der Produktionsparamter (wie etwa durch IPN – Intelligent Predictive Networks angeboten). Assistenzsysteme (z.B. Datenbrillen, Virtual und Agmented Reality) unterstützen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch Bereitstellung von Dokumentation, Schaltplänen, Anleitungen und durch das Angebot einer Unterstützung  durch Spezialisten, die für die Erteilung von Anleitungen per Datenbrille nicht direkt vor Ort sein müssen, weil sie gleichsam mit den Augen des Technikers vor Ort auf die Komponenten blicken („Ich sehe, was du siehst“ – ohne selbst vor Ort zu sein).

Industrielle Instandhaltung im IoT

IoT-Talks Salzburg: Demo-Koffer von National Instruments

Günther Stefan (NI) erklärt Felix Strohmeier (Salzburg Research) die Funktionalität seines Demo-Koffers

Die amerikanische börsennotierte National Instruments mit Hauptsitz in Austen (Texas) zielt auf die Entwicklung von Smart Edge Devices, das sind intelligente industrielle Sensoren (Prüf-, Mess-, Steuerungs- und Regelungssysteme). Den technische Grundlage dafür bilden sogenannte Field Programmable Gate Arrays (FPGAs), die aufgrund ihrer leistungsfähigen Mikropozessoren sehr hohe Sampling-Raten ermöglichen. Aber „Messen“ darf natürlich nicht zum Selbstzweck werden: Im Instandhaltungsbereich geht es letztlich immer um die Reduktion des Risikos von Produktionsausfällen oder Qualitätsmängeln und um die Steigerung der Effizienz der Produktionsprozesse. Ein Erfolgskriterium für erfolgreiche Messtechnik ist lt. Günther Stefan, Business Development Manager IIoT & Condistion Monitoring) bei National Instruments, das interdisziplinäre Zusammenspiel von Experten aus den Bereichen Netzwerk, Sensorik, Software und Analytik. National Instruments entwickelt gegenwärtig Verbindungskomponenten („Connectors“) zu wichtigen IoT-Plattformen (z.B. IBM Bluemix, SAP Hana, PTC ThingWorx) und setzt dabei konsequent auf Standards (z.B. MQTT, OPC-UA).

Dass Mess- und Regelungstechnik mit Übertragung an nachgeordnete Visualisierungs- und Analysekomponenten nicht nur „auf Papier“ besteht, sondern gelebte Industrie-Praxis ist, zeigte Günther Stefan anhand eines mitgebrachten Demonstrations-Koffers. Eine ebenfalls vorgesehene Live-Präsentation mit der Steuerung einer Klimaanlage im NI-Haupsitz in Austen (Texas) kam aufgrund von Übertragungsproblemen nicht zustande, kann aber online nachgeholt werden.

Der Beginn der Shop-Floor Integration

Hatte Günter Stefan schon die Bedeutung von Standards hervorgehoben, so wurde dieser Aspekt im Referat von Hans Mayer von znt Richter noch zusätzlich betont: Das auf die Entwicklung von „industrieller Middleware“ spezialiserte Unternehmen mit Hauptsitz in München, und Standorten in Burghausen, Villach, Singapore u.a. sitzt mit seinem MES (Machine Execution System) an einer für die Grundgedanken von Industrie 4.0 zentralen Schaltstelle zwischen der Welt der Unternehmens-IT-Netzwerke (z.B. die Produktionsplanungs-Systeme) und der Automatisierungswelt bzw. der Produktionsnetzwerke (Steuerungen). Um in der vernetzten Produktion der Zukunft semantisch hochwertige Informationen austauschen zu können, setzen die Bayern konsequent auf Standards: die beginnt bereits auf der Ebene der Software Architektur, wo man sich am Referenzarchitekturmodell Industrie 4.0 (RAMI 4.0) orientiert. Auf der Ebene der Mess- und Steuerungsdaten bilden lt. Mayer OPC Universal Architecture (OPC-UA) und die dort entsteheneden Companion-Standards eine vielversprechende Grundlage. Dennoch bestehe gerade im Bereich der semantischen Integrationsstandards in vielen Branchen noch großer Aufholbedarf.

Die Referenten der 7. IoT-Talks Salzburg (v.l.) Hans Mayer (znt Richter), Georg Güntner (Salzburg Research), Günther Stefan (National Instrumens), Stefan Podhajski (Kapsch BusinessCom)

Bei den IoT-Talks im Januar konnte Moderator Georg Güntner ca. 30 TeilnehmerInnen im Techno-Z Salzburg begrüßen. Die Präsentationen sind auf der Veranstaltungsseite bei Salzburg Research abrufbar.

Die IoT-Talks Salzburg sind eine regelmäßige Veranstaltung, in der Lösungsansätze, Praxis-Beispiele, Anwendungen, Standardisierungsaktivitäten und Geschäftsideen rund um das Internet der Dinge vorgestellt und diskutiert werden. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Nächste Termine: 4. Mai 2017 (Anmeldung und Information), 19. September 2017.

Georg Güntner

Georg Güntner ist Leiter des Kompetenzschwerpunkts „Industrial Internet“ und stellvertretender Leiter der Forschungslinie „Internet of Things“ bei der Salzburg Research Forschungsgesellschaft. Die Schwerpunkte seiner Forschungstätigkeit liegen im Bereich der Begleit- und Akzeptanzforschung von Internet-Technologien und des Internets der Dinge in Produktions- und Instandhaltungsunternehmen. Er koordiniert die Meetup-Gruppe "IoT Salzburg" und das "Maintenance Competence Center", ein Anlaufstelle für Forschung, Entwicklung und Innovation in der Instandhaltung. In seinen jüngsten Projekten beschäftigte er sich mit den Auswirkungen von Industrie 4.0 auf die Instandhaltungsbranche ("Instandhaltung 4.0") sowie mit der digitalen Transformation durch Industrie 4.0 und neue Geschäftsmodelle ("I40-Transform"). Zudem koordiniert er das Innovationsnetzwerk „i-Maintenance“.


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Salzburg Research Forschungsschwerpunkt(e): Publiziert am 25. Jan 2017

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