Wie viel Energie liefert die Sonne eigentlich? Wie viele Photovoltaik-Module werden weltweit installiert? Und womit kommt man weiter – mit einem Barrel Öl oder einem Solarmodul?
Bei der Langen Nacht der Forschung laden wir Besucher:innen ein, genau solche Fragen zu schätzen. Die Antworten überraschen oft – und zeigen, wie stark sich unser Energiesystem gerade verändert.
In diesem Beitrag erklären wir die Hintergründe zu den Quizfragen, liefern Einordnungen und verweisen auf die zugrunde liegenden Quellen.
[1] Reicht Sonnenenergie für unseren gesamten Bedarf?
Kurzantwort: Ja – und zwar deutlich.
Die Sonne liefert der Erde eine enorme Energiemenge: Rund 170.000 Terawatt treffen kontinuierlich auf die Erdoberfläche. Zum Vergleich: Die gesamte Menschheit verbraucht pro Jahr etwa 180.000 Terawattstunden Energie.
Das bedeutet: In nur etwa einer Stunde erreicht uns so viel Sonnenenergie, wie wir weltweit in einem ganzen Jahr verbrauchen.
Natürlich kann diese Energie nicht vollständig genutzt werden – etwa wegen Nacht, Wetter oder technischer Verluste. Trotzdem zeigt diese Zahl eindrucksvoll: Das Potenzial der Sonnenenergie ist riesig.
Quellen: https://de.wikipedia.org/wiki/Sonnenenergie, https://www.iea.org/reports/global-energy-review-2025/global-trends
[2] Wie schnell wächst Photovoltaik weltweit?
Kurzantwort: Sehr schnell – etwa 150.000 neue Module pro Stunde.
Im Jahr 2025 wurden weltweit rund 647 Gigawatt Photovoltaik-Leistung neu installiert. Bei einer durchschnittlichen Leistung von etwa 450 Watt pro Modul entspricht das rund 1,44 Milliarden Modulen pro Jahr.
Das entspricht: Mehr als 150.000 neue PV-Module pro Stunde.
Der Ausbau der Photovoltaik gehört damit zu den dynamischsten Entwicklungen im globalen Energiesystem und ist längst in der Breite angekommen.
[3] Wie viele Haushalte versorgt ein Windrad?
Kurzantwort: Etwa 1.500 Haushalte.
Moderne Windkraftanlagen können im Durchschnitt rund 1.500 Haushalte mit Strom versorgen.
Die genaue Zahl hängt stark von Standort und Windverhältnissen ab, verdeutlicht aber die hohe Leistungsfähigkeit einzelner Anlagen: Ein einzelnes Windrad kann ganze Gemeinden mit Strom versorgen.
Quellen: https://energy.ec.europa.eu/topics/renewable-energy/eu-wind-energy_en, https://businessnorway.com/articles/wind-turbines-and-energy-production
[4] Öl oder Solarmodul – womit kommt man weiter?
Kurzantwort: Mit einem Solarmodul – und zwar deutlich weiter.
- Barrel Öl: reicht für etwa 2.000 km Fahrleistung
- PV-Modul: erzeugt über seine Lebenszeit Strom für etwa 60.000 km
Ein Barrel Öl kostet derzeit etwa gleich viel wie ein Photovoltaik-Modul mit rund 450 Watt Leistung.
Aus einem Barrel Öl lassen sich etwa 75 Liter Benzin und 40 Liter Diesel gewinnen. Bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 6 Litern pro 100 Kilometer ergibt das eine Reichweite von rund 2.000 Kilometern.
Ein Photovoltaik-Modul produziert über seine Lebensdauer etwa 12.000 Kilowattstunden Strom. Bei einem Verbrauch von 20 Kilowattstunden pro 100 Kilometer entspricht das etwa 60.000 Kilometern Fahrleistung.
Der Unterschied beträgt damit etwa den Faktor 30. Der entscheidende Punkt: Ein Solarmodul erzeugt über viele Jahre hinweg Energie, während Öl nur einmal genutzt werden kann.
Quelle: https://energyeducation.ca/encyclopedia/In_a_barrel_of_oil
[5] Wie gut lassen sich Energietechnologien recyceln?
Kurzantwort: Erneuerbare Technologien erreichen hohe Recyclingquoten, fossile Energieträger praktisch keine.
Bei Windkraftanlagen liegen die Recyclingquoten heute bei etwa 80 bis 90 Prozent, bei Photovoltaik-Modulen teilweise sogar bei bis zu 95 Prozent.
Quellen: https://www.umweltbundesamt.de/themen/abfall-ressourcen/produktverantwortung-in-der-abfallwirtschaft/windenergieanlagen/rotorblattaufbereitung-recycling-von, https://www.fachagentur-wind-solar.de/fileadmin/Veroeffentlichungen/Wind/Rueckbau/FA_Wind_Solar_Rueckbau-und-Recycling-von-WEA.pdf, https://www.circularsynergy.org/post/circular-energy-in-numbers-95-of-pv-panels-can-be-recycled
Fossile Energieträger hingegen werden verbrannt. Die dabei entstehenden Emissionen werden nur zu einem sehr kleinen Teil technisch aufgefangen. Weltweit werden jährlich rund 40 Gigatonnen CO₂ emittiert, während etwa 64 Millionen Tonnen durch Carbon Capture gespeichert werden – das entspricht etwa 0,16 Prozent.
Quellen: https://www.carbonbrief.org/analysis-fossil-fuel-co2-emissions-to-set-new-record-in-2025-as-land-sink-recovers/, https://www.globalccsinstitute.com/wp-content/uploads/2025/10/Global-Status-of-CCS-2025-report-9-October.pdf
Der Unterschied ist grundlegend: Erneuerbare Systeme sind Teil eines Kreislaufs, fossile nicht.
[6] Was wird stärker gefördert?
Kurzantwort: Fossile Energieträger werden deutlich stärker subventioniert.
Weltweit werden fossile Energien aktuell etwa 10-mal so stark subventioniert wie erneuerbare:
- 70 Milliarden US-Dollar für erneuerbare Energien
- 620 bis 725 Milliarden US-Dollar für fossile Energieträger
Berücksichtigt man zusätzlich Umwelt- und Klimaschäden, steigen die Kosten fossiler Energien auf mehrere Billionen Dollar pro Jahr. Heißt: Das Energiesystem ist wirtschaftlich noch stark auf fossile Energien ausgerichtet.
Quellen: https://www.un.org/sites/un2.un.org/files/un-energy-transition-report_2025.pdf, https://www.imf.org/-/media/files/publications/wp/2025/english/wpiea2025270-source-pdf.pdf
[7] Welche Energie ist am günstigsten?
Kurzantwort: Photovoltaik und Windenergie.
Aktuelle Stromgestehungskosten zeigen klare Unterschiede:
- Photovoltaik: etwa 5 Cent pro Kilowattstunde
- Windenergie: etwa 7 Cent
- Gas: etwa 15 Cent
- Braunkohle: etwa 20 Cent
- Kernenergie: etwa 30 Cent (ohne Endlagerung und Rückbau)
Damit gehören erneuerbare Energien heute zu den kostengünstigsten Formen der Stromerzeugung.
[8] Wo bleibt die Wertschöpfung?
Kurzantwort: Bei erneuerbaren Energien deutlich stärker im Inland.
In Österreich bleiben:
- 96 Prozent der Wertschöpfung bei erneuerbaren Energien
- 55 Prozent bei fossilen Energieträgern
Der Grund liegt vor allem darin, dass fossile Energieträger importiert werden, während erneuerbare Energie vor Ort erzeugt wird. Erneuerbare stärken nicht nur das Klima, sondern auch die regionale Wirtschaft.
Fazit: Energie verstehen heißt Zukunft verstehen
Die Ergebnisse des Quiz zeigen, wie stark sich unser Energiesystem verändert und wo große Potenziale liegen. Erneuerbare Energien sind heute nicht nur klimafreundlicher, sondern oft auch günstiger und wirtschaftlich sinnvoll. Gleichzeitig bleiben Herausforderungen bestehen, etwa beim Ausbau der Infrastruktur, bei der Speicherung und bei politischen Rahmenbedingungen.
Die zentrale Erkenntnis lautet: Die Energiezukunft ist gestaltbar – und sie betrifft uns alle.







