QODEC – Qualitätsanforderungen an den Datenaustausch für Energiegemeinschaften
Vom manuellen Aufwand zur automatisierten Transparenz: Diese Sondierung untersucht notwendige Systemadaptierungen für einen reibungslosen Datenaustausch im österreichischen Energiesystem.
Energiegemeinschaften sind ein wesentlicher Pfeiler in der Dekarbonisierung des österreichischen Energiesystems und auf dem Weg zu einer international beneideten Erfolgsgeschichte zu werden. Neben dem zivilgesellschaftlichen Engagement sind auch privatwirtschaftliche Akteurinnen und Akteure ein wesentlicher Grund dieses Erfolges. Ein kleines, aber feines Ökosystem an Dienstleistungsunternehmen unterstützt die österreichischen Energiegemeinschaften mit Beratung und Werkzeugen. Viele dieser Werkzeuge stützen sich auf bestehende Schnittstellen zum Datenaustausch. Die wesentlichste Schnittstelle ist dabei die Energiewirtschaftliche Marktkommunikation über die sogenannte EDA-Plattform (EDA steht hier für Energiewirtschaftlicher Datenaustausch) und die wesentlichste Datenquelle ist der Smart Meter im Kundenhaushalt. Beide (Smart Meter und EDA) wurden ursprünglich nicht dediziert für Energiegemeinschaften konzipiert und stoßen mit deren schneller Adaptierung an ihre Grenzen. Bezüglich der Smart Meter ist für die Teilnahme an einer Energiegemeinschaft (um die Abrechnung ausführen zu können) der IME (Intelligentes Messgerät Extended) Opt-In erforderlich. Mit erfolgtem Opt-In werden einmal pro Tag die Viertelstundenwerte des letzten Tages übertragen. Typischerweise kommt für den Datentransport vom Haushalt zum Verteilnetzbetreiber Powerline Communication (PLC) zum Einsatz. Die verbauten Systeme kommen dabei mit der zunehmenden Ausrollung von Smart Metern und dem IME Opt-In an ihre Grenzen. Auch die Last auf die EDA-Plattform, die ursprünglich für gelegentliche Verwaltungsprozesse angewandt wurde, nimmt mit den Datenabfragen von Energiegemeinschaften und Dienstleistungsunternehmen stetig zu.
In Österreich gibt es über hundert Verteilnetzbetreiber. Bei dieser Kleinteiligkeit und den steigenden Anforderungen ist es nicht verwunderlich, dass die Datenqualität und Verlässlichkeit der Datenlieferung nicht homogen sind. Anekdotische Erzählungen aus der Praxis, die den Wunsch nach einer „Marktkommunikation, die reibungslos funktioniert“ zum Ausdruck bringen, legen nahe, dass es bezüglich der Dienstgüte der Marktkommunikation eine Lücke gibt. Ob diese Lücke technische Ursachen hat oder fehlende Transparenz widerspiegelt, ist aus aktueller Sicht schwer zu fassen. Ergeben sich für die Energiegemeinschaften oder Dienstleistungsunternehmen Probleme, ist oft nicht nachvollziehbar, was die Ursache für das Problem ist. Das führt dazu, dass telefonische Anfragen beim zuständigen Verteilnetzbetreiber ausgelöst werden und Personalaufwand entsteht.
Diese Sondierung will untersuchen:
- was genau die Probleme sind und wie verbreitet sie sind,
- welche bestehenden Initiativen welche Probleme bereits lösen,
- ob es nicht adressierte Probleme und/oder zukünftige Anforderungen gibt und letztlich
- welche technischen Adaptierungen und Systeme notwendig sind um den Soll-Zustand (minimaler manueller Ressourcenaufwand, hohe Transparenz und klare Roadmap) zu erreichen.
Salzburg Research koordiniert das Projekt, analysiert bestehende Lösungen und schlägt organisatorische Adaptierungen vor.