From Lab to Field: mit dem am Misthaufen erprobten Sensor-Setup am Ski auf der Piste © Salzburg Research
From Lab to Field: mit dem am Misthaufen erprobten Sensor-Setup am Ski auf der Piste © Salzburg Research

Wie ein Misthaufen zur präziseren Skitechnik beiträgt

Ein ungewöhnlicher Versuchsaufbau im oberösterreichischen Mühlviertel unterstützt die Forschung zum idealen Carving-Schwung: Salzburg Research validierte ein neu entwickeltes Sensor-Setup auf einem Misthaufen – und legte damit die Basis für präzise Messungen direkt auf der Skipiste.

Die Suche nach dem optimalen Carving-Schwung findet nicht nur im Labor oder auf der Skipiste statt. Forschende von Salzburg Research, der Universität Salzburg und Atomic Austria wählten für ihre Vorarbeiten einen besonderen Ort: den Misthaufen eines Bauernhofs im Mühlviertel. Dort wurde ein speziell entwickeltes Zentrifugalgerät aufgebaut, das realitätsnahe Carving- und Rutschbewegungen des Skis exakt simulieren kann.

Der Fokus der Untersuchung liegt auf dem sogenannten Anstellwinkel (Angle of Attack). Er beschreibt den Winkel zwischen der Orientierung des Skis und seiner tatsächlichen Bewegungsrichtung. Wird er zu groß, rutscht der Ski seitlich weg – ein wesentlicher Faktor für Kontrolle, Geschwindigkeit und Sicherheit.


Sensorfusion zur präzisen Winkelerkennung

Statt aufwendiger Videoanalysen kommt ein neues sensorbasiertes System zum Einsatz:

  • Inertialmessgeräte (IMUs) erfassen die Ski-Orientierung,
  • ein RTK-GNSS-System liefert hochpräzise Geschwindigkeitsdaten.

Die Kombination dieser Daten ermöglicht eine präzise Bestimmung des Anstellwinkels direkt im Feld – also während der Fahrt.

Bevor es jedoch auf die Piste ging, musste das Setup unter kontrollierten Bedingungen getestet werden. Das Zentrifugalgerät der Firma Wöss Ladenbau GmbH erlaubte eine präzise Steuerung der Bewegungen sowie eine zuverlässige Wiederholbarkeit. Damit konnten sowohl nahezu perfektes Carving (θ ≈ 0°) als auch starkes Rutschen (θ > 20°) nachgestellt und selbst subtile Winkelveränderungen im Bereich von 1° bis 1,5° analysiert werden. Aus Platzgründen wurde ein Misthaufen eines Mühlviertler Bauernhofs als Aufstellplatz für das Zentrifugalgerät gewählt.


Vom Misthaufen in den Schnee

From Lab to Field: mit dem am Misthaufen erprobten Sensor-Setup am Ski auf der Piste © Salzburg Research
From Lab to Field: mit dem am Misthaufen erprobten Sensor-Setup am Ski auf der Piste © Salzburg Research

Nach der erfolgreichen Validierung folgten Feldtests auf der Skipiste. Die Testperson trug einen Rucksack mit Laptop, der direkt an den GNSS-Sensor angebunden war. Die erfassten Daten zeigten deutlich unterscheidbare Muster für verschiedene Fahrtechniken – vom parallelen Skisteuern über Carving bis zu Übergangsbewegungen.


Potenzial für Sport, Sicherheit und Materialentwicklung

Die Ergebnisse eröffnen vielfältige Anwendungsbereiche. Eine zuverlässige Messung des Anstellwinkels kann helfen, Skimaterial optimal auf die Bedürfnisse von Athlet:innen abzustimmen oder Freizeitsportler:innen in Bezug auf Sicherheit und Komfort besser zu beraten.

„Diese Technologie könnte nicht nur im Spitzensport, sondern auch bei der Produktentwicklung und der Auswahl des idealen Skis für Freizeitsportler:innen eingesetzt werden“, betont Dr. Christoph Thorwartl von Salzburg Research.


Anerkennung für innovative Forschung

Die Forschungsarbeit wurde beim 10. International Congress on Science and Skiing in Val di Fiemme (2025) mit dem zweiten Platz des Young Investigator Award ausgezeichnet – ein bedeutender Erfolg für das Projektteam.

Die Forschungsarbeit entstand im Rahmen des Forschungsprojekts „DiMo-NEXT – Next Level of Digital Motion in Sports, Fitness and Well-being“, gefördert im Rahmen des Programms „COMET – Competence Centers for Excellent Technologies“ durch das österreichische Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI), das österreichische Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus (BMWET), der österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) sowie durch die Bundesländer Salzburg, Tirol und Oberösterreich.

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CHRISTOPH THORWARTL
Salzburg Research Forschungsgesellschaft mbH
T: +43/662/2288-407 |
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