Technologie für selbstbestimmtes Leben im Alter

2013-11-15:

Sinkende Geburtenzahlen und steigende Lebenserwartung prägen die demografische Entwicklung in den Industrieländern. Parallel dazu nehmen altersassoziierte Krankheiten immer weiter zu. Dies führt zwangsläufig zu einem erhöhten Bedarf an Assistenz und Betreuung, welcher Analyst/-innen zu Folge zunehmend schwerer zu bewältigen sein wird.

Die fünfte Auflage des e-Health Network Day Salzburg widmete sich am 14. November 2013 dem Thema „Mobilität im Alter: Innovative Assistenzdienste und -systeme“.

Das Handy schlägt Alarm

Ältere Menschen wollen ihren verdienten Lebensabend selbstbestimmt und möglichst eigenständig verbringen. Sie sollen gleichzeitig in Bewegung bleiben, um Lebensqualität und Gesundheit zu fördern.  Informationstechnologie (IT) kann hier helfen: Die Forschungsgesellschaft Salzburg Research arbeitet gegenwärtig gemeinsam mit dem Hilfswerk Salzburg, Gesundheitsnetzwerk.at und der ilgos mobile software GmbH an zukunftsweisender Technologie für ältere Menschen.

Um Die Salzburger Wissenschafter nutzen den Siegeszug der mobilen Endgeräte: mit Hilfe von Beschleunigungssensoren in handelsüblichen Smartphones und maßgeschneiderter Software wird das Gerät zum potenziellen Lebensretter: Bestimmte Erkrankungen im Alter bringen ein erhöhtes Sturzrisiko mit sich. Das am Körper getragene Handy erkennt, wenn die Person stürzt bzw. sich über längere Zeit nicht bewegt und schlägt Alarm. Zum erhöhten Sturzrisiko kommen, vor allem bei Demenzkranken, teilweise auch Orientierungsprobleme hinzu. Auch hier kann Informationstechnologie unterstützend eingesetzt werden: Verlässt die Person eine vorher abgestimmte Bewegungszone für eine bestimmte Zeit und in einer bestimmten Entfernung, wird alarmiert und die Person kann – wenn im Vorfeld mit ihr abgestimmt – lokalisiert werden. Das System ist so konzipiert, dass es diskret im Hintergrund arbeitet und nur in Notfällen unterstützend eingreift. Die jeweiligen Bewegungszonen, Zeitfenster und Entfernungen werden mit den Betroffenen und ihren Betreuungspersonen – Angehörige oder Gesundheitsdienstleister – individuell abgestimmt. Im Unterschied zu bestehenden Lösungen können Angehörige bzw. Pflegekräfte den Alarmierungsprozess abhängig von der jeweiligen Lebens- und Gesundheitssituation mit flexiblen Zuständigkeiten und stufenweiser Alarmierung adaptierbaren.

Technologie ist kein Ersatz für Betreuung

Vertreterinnen und Vertretern aus Forschung und Praxis, von mobilen sozialen Diensten, vom Land Salzburg und von der Datenschutzkommission diskutierten beim 5. Salzburger E-Health Day das Thema „Ambient Assisted Living“ (AAL) – also das technologie-unterstützte Leben im Alter – auch in Bezug auf zentrale Versorgung, Beratung, Ethik und Datenschutz sowie Business-Modelle. Die Expertinnen und Experten waren sich einig: Die neuen Technologien bieten Komfort und Sicherheit, speziell im Präventionsbereich. Technik wird Studien zufolge jetzt schon von betroffenen Personen angenommen – in den künftigen Jahren wird diese Akzeptanz weiter steigen: Wer heute ein Smartphone nutzt, wird es auch im Alter tun. Pflegeperson, pflegender Angehöriger und betroffene Person müssen in einem partnerschaftlichen Miteinander stehen, und alle Partner müssen hinter dem technologischen System stehen.

Allen Sorgen der Angehörigen zum Trotz hat aber ein hilfebedürftiger Mensch das Recht zu bestimmen, was er/sie möchte – und was nicht. Die Datenschutzkommission hat auch im Bereich AAL ein strenges Auge auf derartige technologische Entwicklungen: Da viel möglich ist, liegt die Verlockung nahe, auch Funktionen in Systeme hineinzupacken, die die Privatsphäre von Betroffenen verletzt. Nicht zuletzt muss jede Technologie immer individuell an die jeweilige Lebenssituation des Betroffenen angepasst sein und darf niemals den menschlichen Kontakt ersetzen. Technologie ist kein Ersatz für menschliche Betreuung, sondern nur Unterstützung.

Das vorgestellte Forschungsvorhaben „SafeMotion“ wurde im Programm „benefit – Intelligente Technologie für ältere Menschen“ des BMVIT und der FFG gefördert.

e-Health Network Day Salzburg

Der „team-up! E-Health Network Day Salzburg unter Schirmherrschaft des Kompetenzschwerpunkts e-Health bei Salzburg Research bietet eine regelmäßige Plattform für e-Health-relevante Themen in Salzburg und vernetzt Wirtschaft, Forschung und Gesundheitswesen.