SNML-Talk „Das Daten-Web nützen“

2013-06-24:

Das Daten-Web und seine Nutzungsmöglichkeiten standen im Mittelpunkt des 6. SNML-Talks am 17. Juni 2013. Experten aus Wirtschaft und Forschung stellten in einem spannenden Nachmittag die nächste Generation des World Wide Web (WWW) vor. Diese verbesserte Version ist nicht nur für Menschen lesbar, es stehen vor allem strukturierte Daten und ihre Verknüpfungen im Mittelpunkt.

Prof. Dieter Fensel (Universität Innsbruck/ STI) spannte in seiner Keynote („Steps Towards a Data Value Chain“) den Bogen von den großen Daten („Big Data“) über offene Daten („Open Data“) und verknüpfte Daten („Linked Data“) bis hin zu einer „Data Economy“: Dabei  fallen Teilaspekte und Grundsätze beim Publizieren sowie Konsumieren von Daten unterschiedlich stark ins Gewicht. Beispielsweise sind bei der Veröffentlichung von Daten bestimmte Regeln zu beachten, um sie leicht integrierbar verwenden zu können.

snml-talk

Sebastian Schaffert, wissenschaftlicher Leiter des SNML-TNG, stellte im Anschluss die Beiträge des Kompetenzzentrums zu einem Arbeitsablauf vor, der eine Verwertungskette für Daten unter Einbeziehung des Daten-Webs ermöglicht. Der Prozess beginnt mit der Bereitstellung von Hintergrundwissen (z.B. Branchen-Wissen) über unstrukturierte Daten. Darauf folgt ein Schritt zur Extraktion und Verknüpfung von Fakten, welche im Anschluss für die Erschließung (Suche, Annotation, Empfehlung) nach den Prinzipien des Daten-Webs bereitgestellt werden und damit die Daten in aktivierbares Wissen überführen. Der Beitrag von SNML-TNG zu diesem Ablauf besteht in der Konzeption und Entwicklung zweier Open Source Frameworks: Apache Marmotta (Linkes Data Platform) und Linked Media Framework, welches weitere Open Source-Komponenten integriert (Apache Stanbol, Apache Lucene/Solr).

Nach diesen beiden Vorträgen über Grundlagen und Visionen im Daten-Web gehörte der Rest des Nachmittags in der Stiegl-Brauwelt den „Anwendern“:

  • Jan Königstätter, technischer Projektmanager bei derStandard.at, stellte die Frage, was eine gute Suche ausmacht, und zeigte aus einem Anwendungsszenario des SNML-TNG, wie die Prinzipien des Daten-Webs genutzt werden können, um Job-Suchende beim Finden geeigneter Jobangebote zu unterstützen.
  • Andrea Volpini, Geschäftsführer von InsideOut10 und Mitbegründer von Redlink, berichtet über Anwendungen beim italienischen Energieversorgungsunternehmen ENEL (u.a. Data Publishing) und bei der World Health Organisation (WHO).
  • Martin Mayrhofer-Reinhartshuber von der Netzmühle GmbH berichtete über seine Erfahrungen bei der Nutzung des Daten-Webs in einer eCommerce-Lösung: Als „Early Adopter“ beteiligte er sich an einem europäischen Forschungsprojekt für die Konzeption und Entwicklung semantischer Komponenten für Content Management Systeme (IKS – Interaktive Knowledge Stack).
  • Christoph Bauer, Projektmanager und Archivar in der Hauptabteilung „Dokumentation und Archive“ des ORF, zeigte ausgehend von den geänderten Anforderungen an ein Rundfunk-Archiv und vom Umstieg auf File-basierte Produktionsabläufe, wie sich das Daten-Web zur Unterstützung der Redakteure einsetzen lässt: Er berichtete aus den Erfahrungen bei der Umsetzung eines Szenarios aus dem SNML-TNG, das den zentralen Such-Client des ORF-Archivs (mARCo) mit Fakten des Daten-Webs anreichert.

Georg Güntner, Leiter des Salzburg NewMediaLab – The Next Generation, fasste zusammen, dass die verfügbaren Werkzeuge eine praktische Nutzung des Daten-Webs auf drei Arten ermöglichen:

  1. die Verwendung des Daten-Webs als Hintergrundwissen
  2. als Plattform für die Bereitstellung eigener Daten und
  3. als Prinzip für die unternehmensinterne Datenintegration.

All diese Nutzungsarten setzt eine neue Grundhaltung zum Umgang mit Daten, nämlich die Bereitschaft zur „Öffnung“ von Daten-Silos, voraus.

Ansprechperson

Georg Güntner
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