Mangel an Fachkräften vs. Arbeitsplatzbeschaffung

Hannes Selhofer (2000): Mangel an Fachkräften vs. Arbeitsplatzbeschaffung Eine Interpretation von empirischen Ergebnissen zum Thema Informations- und Kommunikationstechnologie und Beschäftigung In: Vierteljahreshefte zur Wirtschaftsforschung, 69. Jahrgang, Heft 4/2000, S. 510 - 526.

Der Beschaffung neuer Beschäftigungschancen wird in der politischen Agenda und in der Rhetorik der Europäischen Union ein hoher Stellenwert eingeräumt. Die boomenden Märkte der Informations- und Kommunikationsindustrie werden als vielversprechendster Bereich für zukünftige Beschäftigung gehalten. Die Hoffnung auf neue Arbeitsstellen wird durch die positiven Wachstumsprognosen in diesen Sektoren genährt. Des weiteren ergeben Studien über das Defizit an informationstechnischen Qualifikationen, beispielsweise der eklatante Mangel an informationstechnischen Spezialisten in Ländern und Sektoren, dass neue Stellen auf einem signifikanten Niveau geschaffen werden können. Der vorliegende Aufsatz trägt zu dieser Beschäftigungsdebatte bei. Es wird gezeigt, dass empirische Befunde die Theorie, dass Informations- und Kommunikationstechnologien das „Versprechen der Informationsgesellschaft“ ausreichend neue Beschäftigungschancen zu schaffen, nicht unterstützen, obwohl die starke Nachfrage nach Spezialisten offensichtlich ist. Der Beitrag stellt aber auch heraus, dass eine defensive oder zögernde Strategie hinsichtlich der Politik für digitale Informations- und Kommunikationstechnologien nicht förderlich ist. Es stellt sich die sehr wichtige und praktische Frage, wie Europa sein Erziehungs- und Ausbildungssystem verbessern und anpassen kann, um die digitale Ökonomie mit dem gewünschten Profil und der erforderlichen Menge an qualifiziertem Personal zu versorgen.