Studie Industrie 4.0 in Österreich: 7 Handlungsempfehlungen für Unternehmen - Salzburg Research Forschungsgesellschaft

Studie Industrie 4.0 in Österreich: 7 Handlungsempfehlungen für Unternehmen

2017-07-28:

Salzburg Research hat gemeinsam mit Evolaris und Syngroup die digitale Transformation durch Industrie 4.0 in Österreich durchleuchtet. Insgesamt 68 österreichische Unternehmen wurden mittels qualitativer Interviews befragt. Die Ergebnisse wurden nun in vier Studienberichten veröffentlicht und beinhalten eine empirisch basierte Bestandserhebung, mögliche Geschäftsmodelle sowie Handlungsempfehlungen für Unternehmen und die Politik.
Alle Studienberichte stehen kostenlos zum Download bereit.

Industrie 4.0 wird immer mehr zum bestimmenden Standard für die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen. Die zunehmende digitale Transformation wird im deutschsprachigen Raum häufig als „vierte industrielle Revolution“ beschrieben. Die Studie „Digitale Transformation durch Industrie 4.0 und neue Geschäftsmodelle“ zeigt Herausforderungen und Erfolgsmodelle in Österreich. 68 namhafte Unternehmen wie Siemens, Strabag oder Geberit wurden ausführlich befragt. Das Ergebnis ist ein umfassendes und aktuelles Bild von Industrie 4.0 in Österreich.

Die Ergebnisse sollen zu einem besseren Verständnis der digitalen Transformation ‚Industrie 4.0‘ in Österreich beitragen und Unternehmen eine Hilfestellung bei der Entscheidungsfindung über ihre I40-Strategie geben. „Viele Unternehmen betrachten die digitale Transformation als rein evolutionären Prozess im Sinne eines logischen technischen Fortschritts, den sie als Teil des Tagesgeschäfts operativ managen. Wir warnen vor einer solchen verkürzten Einschätzung“, sagt Markus Lassnig, Studienleiter und Innovationsforscher bei Salzburg Research. „In der Studie analysieren wir Herausforderungen und Lösungswege für erfolgversprechende Digital-Strategien. Wir zeigen die Dringlichkeit des Themas, fordern die Aufmerksamkeit des obersten Managements und empfehlen die Einbettung aller Aktivitäten in eine umfassende Digitalisierungsstrategie für jedes Unternehmen.“

68 Unternehmen geben Einblick

Insgesamt 68 namhafte Unternehmen geben in der Studie Einblicke in ihre digitale Strategie und beantworten damit Fragen wie: Welche konkreten Aktivitäten in Hinblick auf die digitale Transformation setzen oder planen österreichische Unternehmen? Welche Auswirkungen hat die digitale Transformation auf die Geschäftsmodelle? Welche erfolgversprechenden Geschäftsmodelle gibt es für produzierende Unternehmen, um die digitale Transformation in Richtung Industrie 4.0 zu vollziehen und davon zu profitieren? Was sind die größten Barrieren und Herausforderungen? Welche Rahmenbedingungen braucht es, um im digitalen Wandel erfolgreich sein zu können?

„Diese Interviews bilden die empirische Basis für die Handlungsempfehlungen, wie österreichische Unternehmen die digitale Transformation für sich möglichst gewinnbringend in Angriff nehmen beziehungsweise umsetzen können“, sagt Michael Stummer, Senior Manager bei Syngroup.

7 Handlungsempfehlungen für Unternehmen

In der Studie wurden sieben zentrale Handlungsempfehlungen für Unternehmen basierend auf Sekundär-Recherche plus den 68 qualitativen Unternehmensinterviews identifiziert und von externen Experten validiert:

  1. Digitale Transformation in Unternehmensstrategie integrieren:
    Die digitale Transformation sollte nicht nur operativ im Rahmen des Tagesgeschäfts gemanagt, sondern systematisch in die Unternehmensstrategie integriert werden. Die Vorreiter unter den Unternehmen machen dies bereits, aber die Mehrheit der österreichischen Unternehmen sieht Industrie 4.0 bislang primär als operatives Thema – auch basierend auf der verkürzten Sicht, dass die digitale Transformation ein rein evolutionärer Prozess ohne disruptives Potenzial sei. Die Analyse zeigt, dass diese Sichtweise sehr riskant ist und mögliche Wettbewerbsvorteile verspielt. Die empfohlene Integration der digitalen Transformation in die Unternehmensstrategie hingegen reduziert die Gefahr von operativen Schritten in die falsche Richtung, erleichtert eine klare und transparente Kommunikation mit den Mitarbeitern und verdeutlicht die Verankerung im obersten Management.
  2. Mit Stakeholdern im Wertschöpfungsnetzwerk technisch-inhaltlich abstimmen:
    Unternehmen sollten sich möglichst frühzeitig und proaktiv mit den relevanten Stakeholdern in ihrem Wertschöpfungsnetzwerk technisch-inhaltlich abstimmen, damit das eigene Unternehmen die Etablierung technischer Standards für sich möglichst vorteilhaft beeinflussen kann und in jedem Fall keine Entwicklung in seinem Wertschöpfungsnetzwerk verpasst. Die Aktivitäten zur Gänze anderen Playern zu überlassen, birgt die Gefahr in seinem Wertschöpfungsnetzwerk durch andere Akteure substituiert zu werden.
  3.  IT- und Datensicherheit proaktiv sicherstellen:
    Eine pro-aktive Strategie zur Sicherstellung der eigenen IT- und Datensicherheit ist ein Muss für Unternehmen, die sich ihren Platz in erfolgreichen Wertschöpfungsnetzwerken sichern wollen. Die Bedeutung von IT- und Datensicherheit steigt in Zeiten des Industrial Internet of Things weiter an und hat nicht nur technische, sondern auch direkte wettbewerbliche Auswirkungen. Schließlich ist Datensicherheit kein ausschließlich unternehmensinternes Thema, sondern muss auch unternehmensextern hin zu Lieferanten und Kunden sichergestellt werden. Vertiefte Kooperationen werden nur mit Partnern eingegangen, die ihre Hausaufgaben in IT- und Datensicherheit erledigt haben – somit entscheidet das Thema über den Platz eines Unternehmens im Wertschöpfungsnetzwerk.
  4. Eigene Datenstrategie entwickeln:
    Wider besseres eigenes Wissen mangelt es vielen Unternehmen an einer eigenen Datenstrategie. Dabei kann nur mit einer klaren Datenstrategie der Mehrwert von Datenanalysen bis hin zu Big Data Analytics realisiert werden. Jedes Unternehmen sollte eine solche Datenstrategie für sich selbst entwerfen und verfolgen und bei Bedarf mit Partnern im Wertschöpfungsnetz abstimmen.
  5. Aktive Kommunikation mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern:
    Jedem Unternehmen muss bewusst sein, dass das Thema Industrie 4.0 Unsicherheit und Ängste auf Seiten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hervorruft. Dem kann am besten mit Transparenz und aktiver Kommunikation begegnet werden. Mitarbeiter/-innen müssen in Industrie 4.0 Projekten „mitgenommen“ werden, dann können sie auch ihre Anforderungen sinnvoll einbringen und zum Erfolg der digitalen Transformation beitragen.
  6. Weiterbildungsmaßnahmen für Mitarbeiter/-innen:
    Unternehmen sollten selbst möglichst aktiv werden, um ihre Mitarbeiter/-innen bei einer fundierten Aus- und Weiterbildung in für Industrie 4.0 relevanten Themen zu unterstützen. Vorzeigebetriebe gehen Kooperationen mit Bildungseinrichtungen ein, um in möglichst wirtschaftsnah abgestimmten Lehrplänen und Kursen bestehende und künftige Mitarbeiter für Industrie 4.0 fit zu machen.
  7. Neue Geschäftsmodelle als Intra-Entrepreneurships treiben:
    Ein neues disruptives Geschäftsmodell lässt sich aufgrund von Zielkonflikten nicht einfach innerhalb des alten Geschäftsmodells aufbauen. Stattdessen sollten Unternehmen besser vom Kerngeschäft getrennte Geschäftseinheiten schaffen, die sich nur auf die Wachstumschancen des disruptiven Geschäfts konzentrieren – wie ein Start-Up innerhalb eines etablierten Unternehmens.

Best Practice Case Studies

Zur praktischen Veranschaulichung zeigen fünf aktuelle Best Practice Case Studies von österreichischen Unternehmen, wie verschiedene Aspekte der skizzierten Handlungsempfehlungen konkret umgesetzt werden können.

  • Atomic Austria GmbH: Produktionsoptimierung mit digitaler Sensorik in Richtung Losgröße Eins mit individualisiertem Skidesign durch den Endkunden.
  • Schlotterer Sonnenschutz-Systeme GmbH: Beherrschung der Variantenvielfalt durch digital gestützte Produktion mit automatisierter Auftragserfassung.
  • AVL List GmbH: Neue Geschäftsmodelle durch Internet of Things – Entwicklung von „Smart Services“ auf Basis von Betriebsdaten.
  • Zumtobel Group AG: Mit Sensor-basiertem Lichtmanagement Kosten (Energie, Wartung) sparen und neue Geschäftsmodelle etablieren.
  • Curecomp Software Services GmbH: Smartes Lieferantenmanagement durch Optimierung des gesamten Supply Relationship Management-Prozesses.

Vier Studienberichte

Alle Ergebnisse im Detail liegen in vier Studienberichten vor:

  1. Band 1: Der „Studienkatalog zur digitalen Transformation durch Industrie 4.0 und neue Geschäftsmodelle“ gibt einen Überblick über Studien in deutscher und englischer Sprache zu den Themenfeldern Industrie 4.0, Industrial Internet, Internet of Things/Internet der Dinge, Neue Geschäftsmodelle und Digitale Transformation.
  2. Band 2: Der zweite Studienbericht „Industrie 4.0 in Österreich“ soll unter anderem ein generelles Bewusstsein zur digitalen Transformation wecken, eine Einschätzung der konkreten Auswirkungen der digitalen Transformation auf Unternehmen ermöglichen und Barrieren, Risiken und Herausforderungen aufzeigen.
  3. Band 3: Der dritte Bericht „Analyse von Geschäftsmodellinnovationen durch die digitale Transformation“ veranschaulicht die sieben Geschäftsmodellmuster Smart Automation, Digitale Zusatzservices, Condition Monitoring, Object Self Service, X as a Service, Digital Lock in und Pay per X.
  4. Band 4: Der letzte der vier Studienberichte spricht unterschiedliche Handlungsempfehlungen für Unternehmen und Politik aus und beinhaltet die fünf Best Practice Case Studies mit den Unternehmen Schlotterer Sonnenschutzsysteme GmbH, Atomic GmbH, Zumtobel Group, AVL List GmbG und CureComp Software Services GmbH.

Alle vier Studienberichte stehen zum kostenlosen Download zur Verfügung: https://i40transform.salzburgresearch.at/

Studie

Die Studie „Digitale Transformation durch Industrie 4.0 und neue Geschäftsmodelle“ wurde von der Salzburg Research Forschungsgesellschaft mbH, der Syngroup Management Consulting GmbH und Evolaris next level GmbH im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT) erstellt. Gefördert von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) im Programm „Produktion der Zukunft“.

Rückfragehinweis:

Dr. Markus Lassnig, Studienleiter
Salzburg Research Forschungsgesellschaft mbH
markus.lassnig@salzburgresearch.at | 0662/2288-302 | 0664/814 2000

Bildmaterial

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