B2B-Supply-Chain-Plattform fördert Online-Zusammenarbeit von Unternehmen

2020-06-30:

Europäische Forschungsinitiative bietet Open Source Software zum Management von Lieferketten

Eine europäische Forschungsinitiative unter der Leitung von Salzburg Research bietet mit einer neuen B2B-Onlineplattform intelligentes Management von Lieferketten für Betriebe. Vom Auffinden neuer Partner in der Lieferkette, über das Aushandeln von Verträgen bis hin zur Lieferlogistik kann alles sicher und zuverlässig über die Plattform abgewickelt werden. Die im Rahmen der Forschungsarbeit intensiv mit über 250 Betrieben getestete Plattform steht nun in ihrer finalen Release frei zur Verfügung. Die quelloffene Plattform-Software eignet sich zur Stärkung der Zusammenarbeit von Unternehmen in einer Region oder innerhalb eines Wirtschaftssektors.

In der europäischen Forschungsinitiative NIMBLE (Collaboration Network for Industry, Manufacturing, Business and Logistics in Europe) wurde unter der Leitung der Salzburg Research Forschungsgesellschaft mbH die Infrastruktur für eine Cloud-basierte, IoT-fähige B2B-Plattform entwickelt. Auf einer derartigen Plattform können sich Unternehmen registrieren, maschinenlesbare Kataloge für Produkte und Dienstleistungen veröffentlichen, nach geeigneten Partnern für die Lieferkette suchen, Verträge aushandeln und die Lieferlogistik abwickeln. Durch den sicheren Austausch von Business-to-Business- sowie Maschine-zu-Maschine-Information können die Zusammenarbeit zwischen den Unternehmen forciert und der Business-Workflow optimiert werden.

Potenzielle Plattform-Betreiber, wie z.B. Standesvertretungen, Interessenverbände oder gewinnorientierte Unternehmen, können die Software entweder direkt verwenden oder mit wenig Aufwand für einen Sektor adaptieren.

Föderativ statt monopolistisch: Maßgeschneiderte Plattform für Regionen und/oder Branchen

Die Software erlaubt den Aufbau von unterschiedlichsten Plattformen: „Plattform-Business stärkt die Zusammenarbeit von Unternehmen innerhalb einer bestimmten Branche oder Branchen-übergreifend, etwa innerhalb einer Region. COVID-19 hat gezeigt, dass ein professionelles und integriertes Supply-Chain Management das Überleben der Unternehmen sichert. Transparente Lieferketten mit einem ausgewogenen Mix zwischen Regionalität und Internationalität minimieren das unternehmerische Risiko“, sagt der Leiter von NIMBLE, Wernher Behrendt vom Salzburger Forschungsinstitut Salzburg Research.

Im Gegensatz zu großen kommerziellen Plattformen sind Plattformen auf NIMBLE-Basis föderativ organisiert und bringen Verkäufer- und Käufergemeinschaften bedarfsorientiert zusammen. „Es gibt keinen marktdominierenden – oft globalen – Player, der den Kleinunternehmen Vorgaben macht. Stattdessen können sich bedarfsgerechte, oft auch regionale Netzwerke etablieren. Es kann mit Hilfe der frei verfügbaren NIMBLE-Technologie also mehrere, vielleicht in manchen Bereichen auch konkurrierende Netzwerke geben. Mit anderen Worten: Es kann sich ein Ökosystem aus mittelständischen Plattformen entwickeln“, so Behrendt weiter.

Bereit für den Einsatz: frei verfügbare Software

Erste Adressaten sind potentielle Plattform-Provider, die Betriebe einer Region oder eines Wirtschaftssektors durch eine B2B-Plattform unterstützen möchten. Plattform-Unternehmen steht nun eine Technologie zur Verfügung, die den sofortigen Start ermöglicht. In zweiter Linie profitieren die Industriebetriebe, die eine solche Plattform für ihre B2B-Geschäfte nutzen können.

Für Unternehmen, die den Aufbau einer eigenen Plattform in die Hand nehmen wollen, ist die NIMBLE B2B-Plattformtechnologie als Open Source Software auf Basis der sogenannten Apache 2.0 Lizenz frei verwendbar. Für Fragen zur Umsetzung steht Salzburg Research gerne zur Verfügung.

Bereits während der Entwicklung wurde mit zahlreichen Early Adopters mit der NIMBLE-Plattformtechnologie gearbeitet. „Wir haben auf Basis der NIMBLE-Technologie vier sektorspezifische B2B-Plattformen umgesetzt“, sagt Projektleiter Wernher Behrendt von Salzburg Research. „Eine davon entwickelte sich dabei zum bisher ausgereiftesten B2B Supply Chain Use Case mit derzeit bereits über 250 spanischen Möbelherstellern auf der Plattform. Betreiber ist ein Joint-Venture der spanischen Forschungsgesellschaft für die Holz- und Metallindustrie, sowie des Verbandes der spanischen Möbelhersteller.“

Ausprobieren: Demo-Plattform

Salzburg Research stellt zu Demonstrationszwecken eine NIMBLE-Plattform-Instanz zur Verfügung, mit der Interessierte experimentieren können: Von Registrierung, Hochladen von Produktbeschreibungen, Suche und Finden eines Anbieters, Verhandlung über die Kauf- und Lieferoptionen können alle Prozessschritte ausprobiert werden. Am Ende der Verhandlung wird ein Vertragsdokument der Übereinkünfte automatisch erstellt. https://nimble-platform.salzburgresearch.at/

Über NIMBLE: Collaboration Network for Industry, Manufacturing, Business and Logistics in Europe

Die technische Entwicklung stammt von Salzburg Research (zugleich NIMBLE-Konsortialführer), IBM Research – Haifa (Israel), SRDC (Türkei) und der Universität Bremen/BIBA. Die Validierung wurde geleitet von der Technischen Universität Lulea (Schweden), Geschäftspläne wurden von Innova (Italien) erstellt.

Mit folgenden Unternehmen wurden vier Anwendungsfälle umgesetzt:

  • Logistik beim Bau von Öko-Holzhäusern: Lindbäcks, Podcomp, Balance
  • Lieferketten für Luxustextilien: Piacenza, Domina, ENEA
  • Möbelherstellung: Micuna, AIDIMME, FEVAMA
  • Dienstleistungserbringung für Weißware: Whirlpool, Holonix

NIMBLE wurde durch das europäische Forschungsprogramm Horizon 2020 im Rahmen der „Factories of the Future“-Initiative mitfinanziert (Grant Agreement Nr. 723810).

Ressourcen:

Rückfragehinweis:
Wernher Behrendt, Senior Researcher und NIMBLE-Projektleiter
Salzburg Research Forschungsgesellschaft mbH
wernher.behrendt@salzburgresearch.at | 0664/3427253