2026-10-09:
Ein Forschungsprojekt begleitete über 32 Monate den Umstieg von Dieselbussen auf batterieelektrische Busse im öffentlichen Linienverkehr in Salzburg. Ein intelligentes Lademanagement reduzierte Lastspitzen deutlich und lieferte konkrete Erkenntnisse für die weitere Elektrifizierung des öffentlichen Personennahverkehrs. Der vollständige Ergebnisbericht steht online kostenfrei zur Verfügung.
Wie lassen sich wachsende E-Bus-Flotten zuverlässig, wirtschaftlich und energieeffizient betreiben? Dieser Frage widmete sich das Forschungsprojekt „OptiChargE“. Über mehr als zwei Jahre begleiteten Salzburg Research, EQOS Energie Österreich GmbH und Consilio Information Management GmbH die Umstellung und Skalierung des elektrischen Busbetriebs bei der Albus Salzburg Verkehrsbetrieb GmbH.
Im Mittelpunkt stand ein integriertes Lademanagement, das Fahrzeug-, Lade-, Betriebs- und Infrastrukturdaten aus verschiedenen bestehenden Systemen zusammenführt und für die gemeinsame Steuerung und Optimierung der Ladevorgänge nutzbar macht. Die entwickelte Lösung wurde in einem 13-monatigen Pilotbetrieb unter realen Bedingungen getestet und laufend weiterentwickelt. In dieser Zeit wuchs die elektrische Flotte von sieben auf 58 batterieelektrische Busse. Zugleich wurden die Zahl der Ladepunkte von 20 auf 56 erhöht und die installierte Photovoltaikleistung von 480 auf 1.420 kWp ausgebaut. Damit konnte eine reale Skalierung direkt im laufenden Betrieb untersucht werden.
„Die Forschungsergebnisse zeigen, dass die Elektrifizierung von Busflotten weit mehr ist als der Austausch des Antriebs. Fahrzeuge, Ladeinfrastruktur, Energieversorgung, Daten, Software und betriebliche Abläufe müssen als Gesamtsystem betrachtet werden“, sagt Cornelia Zankl von Salzburg Research, die das Projekt leitete.
Deutlich geringere Lastspitzen durch intelligentes Lademanagement
Ein wesentliches Ziel war, die verfügbare elektrische Leistung effizient auf die Fahrzeuge zu verteilen, Lastspitzen zu vermeiden und gleichzeitig sicherzustellen, dass alle Busse rechtzeitig mit ausreichendem Ladestand einsatzbereit sind.
Im Vergleich zu einer ungesteuerten Referenzstrategie, bei der jeder Bus sofort mit maximaler Leistung geladen würde, sank die Spitzenlast je nach Monat um rund 55 bis 75 Prozent. Über den Pilotzeitraum entsprach dies einer rechnerischen Einsparung von rund 80.000 Euro an leistungsabhängigen Netzleistungskosten. Auch gegenüber einer einfachen zeitgesteuerten Ladestrategie reduzierte das aktive Lastmanagement die Spitzenlast meist nochmals um etwa 15 bis 35 Prozent.
„Ein leistungsfähiges Lademanagement muss Betriebssicherheit und wirtschaftliche Optimierung verbinden“, erklärt Markus Klein, stellvertretender Leiter der Business Unit Energietechnik bei EQOS Energie. „Das Projekt hat gezeigt, dass intelligente Steuerung Lastspitzen deutlich reduzieren und vorhandene Infrastruktur effizient nutzen kann.“
Betriebssicherheit steht an erster Stelle
Eine zentrale Anforderung war die Integration bestehender IT-Systeme, etwa für Disposition und Abrechnung. Gleichzeitig zeigte sich: Betriebssicherheit hat oberste Priorität. Monitoring, automatisierte Alarmierungen und manuelle Eingriffsmöglichkeiten sind entscheidend, damit die Fahrzeuge zuverlässig einsatzbereit bleiben.
Auch betriebliche Abläufe beeinflussen die Energieeffizienz. Durch angepasste Disposition und gezielte Zwischenladungen lassen sich etwa Ladefenster schaffen, in denen eigener Photovoltaikstrom tagsüber besser genutzt werden kann.
„Für uns war entscheidend, dass sich das Lademanagement unter realen Betriebsbedingungen bewährt“, sagt Hermann Häckl, Geschäftsführer der Albus Salzburg Verkehrsbetrieb GmbH. „Die Erfahrungen aus OptiChargE helfen uns, die weitere Elektrifizierung unseres Linienverkehrs praxistauglich und betriebssicher umzusetzen.“
Daten und Schnittstellen als Schlüssel
Für ein leistungsfähiges Lademanagement müssen Informationen aus unterschiedlichen Systemen zusammengeführt werden – darunter Fahrzeug- und Ladezustandsdaten, Dispositionsinformationen sowie Energie- und Wetterdaten.
Im Projekt wurden detaillierte Telematikdaten für Verbrauchsmodelle und Prognosen genutzt. Dabei zeigte sich, wie wichtig standardisierte Schnittstellen und ein verlässlicher Datenzugang sind.
„Verlässliche Fahrzeug- und Telematikdaten sind eine zentrale Grundlage für ein intelligentes Lademanagement“, betont Klaus Satz von Consilio Information Management GmbH. „Datenzugang, Schnittstellen und Datenqualität sollten deshalb bereits bei der Beschaffung und Planung zukünftiger E-Busflotten mitgedacht werden.“
Energieverbrauch: Wetter und Verkehr wichtiger als der Fahrstil
Die Analysen zeigten zudem, dass Wetter und Verkehrslage den Energieverbrauch der E-Busse stärker beeinflussten als der individuelle Fahrstil. Zwar gab es geringe Unterschiede zwischen einzelnen Lenkerinnen und Lenkern, ein signifikanter Einfluss unterschiedlicher Fahrstile ließ sich jedoch nicht feststellen. Aus den gemessenen Unterschieden ließ sich kein ausreichendes Einsparpotenzial ableiten, das zusätzliche Schulungen wirtschaftlich begründen würde.
Elektrifizierung als integrierter Planungsprozess
Die Erfahrungen aus OptiChargE zeigen, dass Flotte, Ladeinfrastruktur, Energieversorgung, Software, Daten und betriebliche Prozesse gemeinsam weiterentwickelt werden müssen und dass betriebliches Know-how aufgebaut werden muss.
Bewährt hat sich ein stufenweises Vorgehen: Vor jeder Ausbaustufe gilt es, Prozesse zu stabilisieren, standortspezifische Erfahrungen zu sammeln und den nächsten Schritt gezielt vorzubereiten. Gleichzeitig sollte das langfristige Zielbild vor Beginn der Flottenumstellung entwickelt werden – insbesondere bei Netzanschluss, Ladeinfrastruktur und Energieversorgung.
Das Projekt liefert damit praxisnahe Handlungsempfehlungen für Verkehrsunternehmen, die ihren Busbetrieb elektrifizieren oder bestehende E-Bus-Flotten weiter ausbauen möchten.
Über OptiChargE
Das kooperative Forschungs- und Entwicklungsprojekt „OptiChargE – Optimised and automated charging management for battery electric bus fleets“ lief von Februar 2024 bis September 2026 und wurde im Rahmen von Zero Emission Mobility durch den Klima- und Energiefonds gefördert und von der FFG abgewickelt. Projektpartner waren Salzburg Research Forschungsgesellschaft mbH (Projektleitung), Albus Salzburg Verkehrsbetrieb GmbH, EQOS Energie Österreich GmbH und Consilio Information Management GmbH.
Der vollständige Ergebnisbericht ist hier verfügbar: https://www.salzburgresearch.at/projekt/opticharge/
Rückfragehinweise:
Cornelia Zankl, Salzburg Research
+43 662 2288-317 | cornelia.zankl@salzburgresearch.at
Hermann Häckl | Albus Salzburg Verkehrsbetrieb GmbH
+43 662 424 000 5000 | hermann.haeckl@albus.at
Philipp Höfer | EQOS Energie | PR & Marketing
+49 162 5620731 | Philipp.Hoefer@eqos-energie.com
Klaus Satz | Consilio Information Management GmbH
+43 699 1890 6291 | ksatz@consilio.at
Bildmaterial:
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