Der selbstfahrende Digibus® fährt erstmals fahrerlos

2019-09-19:

Österreich-Premiere: Am 19. September 2019 fuhr der selbstfahrende Digibus® erstmals fahrerlos ohne Operator/-in, nur überwacht von einem Supervisor in der Leitzentrale. 16 freiwillige Testpersonen nahmen an dem wissenschaftlichen Experiment von Salzburg Research teil.

Ein Lenkrad sucht man im Digibus®, dem automatisierten Minibus, vergeblich. Bei allen Testfahrten mit selbstfahrenden Fahrzeugen auf öffentlichen Straßen ist verpflichtend ein Operator an Bord, der jederzeit eingreifen kann. Am 19. September schickte Salzburg Research den Digibus® am Salzburgring nun erstmals alleine auf die Reise. Auf die Sicherheit achtete dabei ein Supervisor in einer Leitzentrale. Weltweit ist das erst der zweite Fahrerlos-Test mit einem selbstfahrenden Shuttle von EasyMile.

Die wissenschaftliche Studie von Salzburg Research hatte zum Ziel, das subjektive Sicherheitsgefühl der Testpersonen sowie die Information und Kommunikation zwischen den Fahrgästen und dem fahrerlosen Fahrzeug sowie mit der Leitzentrale zu testen. Die Probandinnen und Probanden absolvierten unterschiedliche Testszenarien und wurden auch mit unangenehmen Situationen konfrontiert: In einem Szenario saßen sie ganz alleine im selbstfahrenden Shuttle, bei einem anderen zu zweit, aber mit einem pöbelnden Mitfahrer. Außerdem wurde untersucht, wie sich die Testpersonen organisieren, wenn die höchstzulässige Fahrgastzahl überschritten wird. Auch ein technisches Gebrechen wurde simuliert.

Automatisiertes Fahren als Chance für ländliche Gebiete

„Selbstfahrende Shuttles zur Überbrückung der ersten bzw. letzten Meile bringen für den öffentlichen Personennahverkehr im Land Salzburg viele Chancen mit sich. Vor allem im ländlichen Raum könnten Ortszentren verstärkt an den öffentlichen Personennahverkehr angebunden werden“, sagt Verkehrslandesrat Stefan Schnöll.

„Für die Forschung ist es wichtig, Innovationsprozesse frühzeitig zu öffnen. In einem Real-Labor wie hier im Digibus® werden Benutzerinnen und Benutzer frühzeitig eingebunden. Forschungsergebnisse werden dadurch effizienter und marktfähiger, ehrliches Feedback von Nutzer/-innen wird in die Forschung einbezogen“, sagt Siegfried Reich, Geschäftsführer Salzburg Research Forschungsgesellschaft m.b.H.

Mit dem Hinweis auf die Wichtigkeit einer lokalen Infrastruktur wie den Salzburgring ergänzt Ernst Penninger, Geschäftsführer IGM Salzburgring: „Als Test- bzw. Veranstaltungsgelände im Eigentum des Landes Salzburg ist der Salzburgring unter anderem ideal für den Test fahrerloser Fahrzeuge geeignet. Auch für die Leitzentrale konnte die vielseitige Infrastruktur genutzt werden“.

Für Forschungsleiter Karl Rehrl wurde mit den Testfahrten ein weiterer Meilenstein im Leitprojekt Digibus® Austria erreicht: „Langfristig soll die bis dato gesetzlich vorgeschriebene Begleitperson im Shuttle von einer Überwachung in einer Leitzentrale abgelöst werden. Ein Supervisor könnte dort mehrere selbstfahrende Shuttles betreuen. Ehe dies vom Gesetzgeber erlaubt wird, sind von der Forschung noch viele Fragen zu beantworten. Die fahrerlosen Testfahrten liefern wichtige Erkenntnisse für weitere Entwicklungen in Richtung eines sicheren, fahrerlosen Betriebs und zur Kommunikation zwischen Passagieren und selbstfahrendem Fahrzeug“.

Die Proband/-innen fühlten sich sicher im Bus

Nach den Testfahrten wurden die Testpersonen befragt, wie sicher sie sich alleine im selbstfahrenden Bus fühlten, welche Informationen sie während der Fahrt benötigen oder wie sie reagiere, wenn das Shuttle nicht wie erwartet funktioniert.

Erste Ergebnisse: Gut zwei Drittel der Probandinnen und Probanden hatten kein Vorwissen zur automatisiertem Fahren oder nur davon gehört. Fast alle sind noch nie mit einem automatisierten Shuttle gefahren. Die Hälfte der Befragten könnte sich vorstellen, dass in Zukunft ein automatisierter Bus den (Zweit-)PKW ersetzt.

Als die Personen alleine im Bus fuhren, haben sich 81 Prozent sich sehr sicher gefühlt, 19 Prozent haben sich sicher gefühlt. Drei Viertel der Testpersonen können sich vorstellen, in Zukunft im Realbetrieb alleine (also ohne Operator/-in) in einem Shuttle zu fahren. Eine zweite „unangenehme“ (pöbelnde) Person im Fahrzeug minderte das subjektive Sicherheitsempfinden nicht (93 Prozent haben sich sehr sicher gefühlt).

Beim simulierten technischen Zwischenfall haben sich etwa zwei Drittel der Testpersonen mit dem Leitstand in Verbindung gesetzt. Das subjektive Sicherheitsempfinden ist nur minimal gesunken (56 Prozent haben sich sehr sicher gefühlt, 44 Prozent sicher).

Beim Kapazitätstest, als die höchstzulässige Personenzahl im Bus überschritten wurde, würden 41 Prozent der Teilnehmer/-innen eine Vorab-Online-Sitzplatzreservierung bevorzugen.

Während allen Testszenarien hat sich niemand wenig sicher oder unsicher gefühlt.

Leitprojekt Digibus® Austria

Im österreichischen Leitprojekt „Digibus® Austria“ erforscht und erprobt ein hochkarätiges Konsortium unter der Leitung von Salzburg Research den zuverlässigen und sicheren Betrieb von automatisierten Kleinbussen im öffentlichen Personennahverkehr. Selbständigkeit und Fahrsicherheit von autonomen Fahrzeugen sollen weiter verbessert werden.

Das Leitprojekt „Digibus® Austria“ läuft bis März 2021 und wird im Rahmen des Forschungsprogramms „Mobilität der Zukunft“ vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie gefördert. Führende Unternehmen und Forschungsinstitute entlang der gesamten Wertschöpfungskette des Öffentlichen Personen-Nahverkehrs (ÖPNV) vom Fahrzeuganbieter bis zum Mobilitätsdienstleister tragen zu den Ergebnissen bei:

Forschungspartner: Salzburg Research (Projektleitung), Virtual Vehicle Research Center, AIT Austrian Institute of Technology GmbH, Universität Salzburg – Center für Human-Computer Interaction, Universität für Bodenkultur – Institut für Verkehrswesen, apptec ventures GmbH.
Unternehmenspartner: Kapsch TrafficCom AG, PRISMA solutions EDV-Dienstleistungen GmbH, Commend International GmbH, Fluidtime Data Services GmbH, HERRY Consult GmbH, ÖBB-Holding AG, EasyMile SAS. Assoziierte Partner: Land Salzburg, Land Niederösterreich, ÖAMTC Fahrtechnik GmbH, A1 Telekom Austria AG

www.digibus-austria.at

Rückfragehinweis:

Projektleitung Digibus® Austria: Cornelia Zankl oder Karl Rehrl, Salzburg Research
cornelia.zankl@salzburgresearch.at | +43-662-2288-317
karl.rehrl@salzburgresearch.at | +43-662-2288-416 | +43-664-14 40 368

Bildmaterial:
Verwendung honorarfrei bei Nennung des Urhebers.

Für hochauflösendes Bild bitte auf die Vorschau klicken:

Digibus Fahrerlostest am Salzburgring, v.l.n.r: Verkehrslandesrat Stefan Schnöll, Cornelia Zankl (Projektleitung Digibus Austria, Salzburg Research), Siegfried Reich (GF Salzburg Research), 20190919 Foto: wildbild, Herbert Rohrer

Digibus Fahrerlostest am Salzburgring, 20190919 Foto: wildbild, Herbert Rohrer

Digibus Fahrerlostest am Salzburgring, 20190919 Foto: wildbild, Herbert Rohrer

Digibus Fahrerlostest am Salzburgring, 20190919 Foto: wildbild, Herbert Rohrer

Digibus Fahrerlostest am Salzburgring, 20190919 Foto: wildbild, Herbert Rohrer

Digibus Fahrerlostest am Salzburgring, 20190919 Foto: wildbild, Herbert Rohrer

Digibus Fahrerlostest am Salzburgringg, 20190919 Foto: wildbild, Herbert Rohrer

Digibus Fahrerlostest am Salzburgring, 20190919 Foto: wildbild, Herbert Rohrer

Digibus Fahrerlostest am Salzburgring, 20190919 Foto: wildbild, Herbert Rohrer

Digibus Fahrerlostest am Salzburgring, 20190919 Foto: wildbild, Herbert Rohrer

Digibus Fahrerlostest am Salzburgring, 20190919 Foto: wildbild, Herbert Rohrer

Digibus Fahrerlostest am Salzburgring: Supervisor Simon Gröchenig (Salzburg Research) achtet auf die Sicherheit der Fahrgäste, 20190919 Foto: wildbild, Herbert Rohrer

Busfahrt ohne Fahrer

Mit dem Klick auf das Bild werden durch den mit uns gemeinsam Verantwortlichen Youtube (Google Ireland Limited) das Video abgespielt, auf Ihrem PC Skripte geladen und Cookies für die Dauer von bis zu 2 Jahren gespeichert sowie personenbezogene Daten erfasst. Mit Hilfe der Cookies ist Youtube in der Lage, die Aktivitäten von Personen im Internet zu verfolgen und Werbung zielgruppengerecht auszuspielen. Datenschutzerklärung von Youtube