Smartes Betreutes Wohnen: Nutzung, Akzeptanz und Wirkungen von Technologien für die Generation 60+ - Salzburg Research Forschungsgesellschaft

Smartes Betreutes Wohnen: Nutzung, Akzeptanz und Wirkungen von Technologien für die Generation 60+

2018-02-09:

 

Studie:
Smartes Betreutes Wohnen: Nutzung, Akzeptanz und Wirkungen von Technologien für die Generation 60+

Erkenntnisse der AAL-Forschung

Viele Menschen möchten so lange wie möglich selbstbestimmt und unabhängig in ihren eigenen vier Wänden leben. Active Assisted Living Technologien (kurz: AAL) können dabei helfen. Im Rahmen der Salzburger Testregion für AAL-Technologien „ZentrAAL“ wurde ein AAL-System für das „Betreute Wohnen“ entwickelt und in einem Feldexperiment mit jeweils 60 Personen in Test- und Kontrollgruppe über 15 Monate evaluiert. Die Ergebnisse wurden nun in einem Sammelband veröffentlicht.

Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels wurde in den letzten Jahren eine Vielzahl an Technologien und Services für ältere und pflegebedürftige Menschen entwickelt. Anspruch dieser sogenannten „Active and Assisted Living“-Technologien (kurz: AAL) ist, älteren Menschen möglichst lange ein unabhängiges Leben zu ermöglichen. Im Forschungsprojekt „ZentrAAL – Salzburger Testregion für AAL-Technologien“ wurden entsprechende Technologien über 15 Monate hinweg getestet. „Die Technologien sollten die Testpersonen sowohl zuhause wie auch unterwegs unterstützen, ihnen jedoch nichts abnehmen, was sie noch leicht selbst bewältigen können“, sagt Projektleiterin Cornelia Schneider von Salzburg Research. „Die Testpersonen wurden schrittweise an verschiedene Technologien herangeführt und über 15 Monate hinweg betreut.“

Insgesamt 63 Testpersonen wurden mit innovativer AAL-Technologie ausgestattet und intensiv betreut, 59 Nutzerinnen und Nutzer waren bis zum Schluss dabei. Zusätzlich wurde eine Kontrollgruppe mit 61 Personen eingerichtet. Zielgruppe waren in beiden Fällen jüngere aktive Senioren und Seniorinnen (60 bis 75 Jahre) mit ersten Anzeichen eines Unterstützungs- und Sicherheitsbedarfs.
Getestet wurden unter anderem Tablets, digitale Türspione, Herdüberwachungssysteme, Kontakte bei Fenstern und Türen, Funklichtschalter, digitale Waagen und Fitness- und Notrufuhren. Diese Einzelkomponenten wurden eingebettet in der seniorengerecht gestalteten Plattform „meinZentrAAL“. Die Ergebnisse des Forschungsprojekts wurden nun im Band Smartes Betreutes Wohnen – Nutzung, Systemakzeptanz und Wirkungen von ‚mein ZentrAAL‘ veröffentlicht.

Die wichtigsten Erkenntnisse

Nach der Testlaufzeit wurde das System „meinZentrAAL“ umfassend evaluiert. Erfasst wurden Systemakzeptanz, Nutzungsverhalten und die Analyse der Wirkungen. Die Ergebnisse wurden aus automatisierten Aufzeichnungen und Auswertungen von Nutzungsdaten sowie Befragungen gewonnen. „Es ist uns gelungen, das AAL-System in den Alltag der Nutzerinnen und Nutzer zu integrieren und anfängliche Skepsis abzubauen“, sagt Cornelia Schneider von Salzburg Research. „Speziell die Verwendung des mobilen Tablets lag deutlich höher als erwartet: Im Schnitt wurde das Gerät 1,3-mal pro Person und Tag verwendet.“

„Das Sicherheitsgefühl konnte mit dem AAL-System nachweislich verbessert werden“, so Birgit Trukeschitz von der Wirtschaftsuniversiät Wien. In ZentrAAL wurde aus einer handelsüblichen Smartwatch eine Fitness- und Notrufuhr. Mit der Möglichkeit auch außerhalb der eigenen vier Wände einen Notruf per Knopfdruck abzusetzen, ohne ein Smartphone mitführen zu müssen, wurde ein Element eingebaut, das herkömmlichen Rufhilfe-Systemen in Österreich derzeit fehlt. In der Testgruppe konnte durch die mobile Notruffunktion auf der Fitness-/Notrufuhr eine signifikante Verbesserung des Sicherheitsempfindens festgestellt werden. „Durch ein verbessertes Sicherheitsempfinden kann wiederum die Mobilität im Alltag älterer Menschen gefördert und somit zu mehr Lebensqualität beigetragen werden“, so WU-Forscherin Trukeschitz. „Die Uhr funktionierte zuverlässig auch beim Bergwandern und im Ausland. Neben Testnotrufen konnte während der 15-monatigen Testphase auch bei 29 „echten“ Notrufen Hilfe geleistet werden“, ergänzt Cornelia Schneider.

Mit Hilfe von Smart-Home-Komponenten wurden im Anwendungsbereich „Meine Wohnung“ unter anderem Informationen zum Wohnungsstatus angezeigt: Sind Fenster oder Türen offen oder geschlossen, ist der Herd abgeschaltet? Die Herdabschaltung hat über die gesamte Laufzeit verlässlich funktioniert. Vereinzelt konnte sie jedoch aufgrund der örtlichen Gegebenheiten nicht eingebaut werden bzw. einige Haushalte verzichteten auf einen Einbau. Über die gesamte Testlaufzeit wurde die Herdabschaltung mehrfach aktiv, weil tatsächlich vergessen wurde, den Herd auszuschalten.

Das Forschungsprojekt: ZentrAAL – Salzburger Testregion für AAL-Technologien

Projektleitung: Salzburg Research Forschungsgesellschaft mbH. Weitere Partner: FH Kärnten, ilogs mobile software, Salzburg AG, Salzburg Wohnbau, Salzburger Hilfswerk, Universität Salzburg und Wirtschaftsuniversität Wien – Forschungsinstitut für Altersökonomie.

Die Salzburger Testregion für AAL-Technologien ZentrAAL wurde im Rahmen des „benefit“ Programms der FFG mit Mitteln des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie sowie aus Eigenbeiträgen der Konsortialpartner finanziert. Das Forschungsinstitut für Altersökonomie der WU Wien wurde zudem aus Mitteln des Fonds Soziales Wien gefördert.

Die Publikation:

Birgit Trukeschitz, Cornelia Schneider, Susanne Ring-Dimitriou (Hrsg.) (2018): Smartes Betreutes Wohnen: Nutzung, Systemakzeptanz und Wirkungen von „meinZentrAAL“. Erkenntnisse der AAL-Forschung. BoD Book on Demand, Norderstedt, Deutschland. ISBN 978-3-744-88233-0

Download: https://www.salzburgresearch.at/publikation/smartes-betreutes-wohnen/

Rückfragehinweis:

Cornelia Schneider
Salzburg Research Forschungsgesellschaft mbH
Jakob-Haringer-Straße 5 | 5020 Salzburg
0662/2288-418 | cornelia.schneider@salzburgresearch.at

Bildmaterial (für hochauflösende Datei auf die Vorschau klicken):

Tablet mit der Oberfläche „mein ZentrAAL“

Titelblatt Sammelband Smartes Betreutes Wohnen: Nutzung, Systemakzeptanz und Wirkungen von „meinZentrAAL“. Erkenntnisse der AAL-Forschung.

Projektleiterin Cornelia Schneider (Salzburg Research)