2012-08-17: Ein Supercomputer für die Wirtschaft

Salzburg Research nützt den von der Universität Salzburg entwickelten Hochleistungsrechner „Doppler“ für praktische Anwendungen in der Wirtschaft.

Der Hochleistungsrechner „Doppler“, benannt nach dem Salzburger Physiker Christian Doppler, sieht auf den ersten Blick unscheinbar aus, dabei steckt geballte Rechenpower in dem Gerät. Möglich macht das eine zukunftsweisende Hybridtechnologie, die auch beim Bau der derzeit weltweit stärksten Rechner zum Einsatz kommt.
Es werden nicht nur herkömmliche Prozessoren verwendet, sondern auch wesentlich leistungsfähigere Grafikprozessoren, die man von Computerspielen kennt. Die Herausforderung dabei ist, die Rechenprozesse mit der Software so auf die jeweiligen Prozessoren zu verteilen, dass der Rechner möglichst effizient arbeitet.

Ein Superhirn für komplexe Probleme

Während ein handelsüblicher Computer über zwei bis vier parallele Recheneinheiten verfügt, besteht das Gehirn von „Doppler“ aus mehr als 600 Rechenkernen. Die Software muss also so entwickelt werden, dass die Rechenprozesse für diese 600 Recheneinheiten zerlegt werden.
„Berechnungen, für die man früher zwei Tage benötigt hat, können mit dem Hochleistungsrechner nun in einer halben Stunde durchgeführt werden“, erklärt Dr. Günter Kiechle, Forschungsleiter im Bereich der Transportoptimierung bei Salzburg Research. Die Forschungsgesellschaft des Landes hat einen Teil des Hochleistungscomputers, der von der Universität Salzburg gebaut wurde, mitfinanziert und kann das Gerät für die eigenen Forschungen nützen. Und dabei ergeben sich zahllose Anwendungen für die Wirtschaft.
Etwa wenn es um die Optimierung von Logistikprozessen geht. Auf diesem Gebiet haben die Experten von Salzburg Research auch ohne „Doppler“ bereits erfolgreiche Lösungen entwickelt. „Besonders in Bereichen, wo komplex Rahmenbedingungen bestehen. Wenn etwa viele Fahrzeuge und unterschiedliche Zielorte zu koordinieren sind. Das konnte man früher oft nicht mehr errechnen, dabei braucht man in diesen Fällen schnelle Antworten, um reagieren zu können“, gibt Kiechle zu bedenken.

Viele Anwendungen für die Wirtschaft

So wurden Softwarelösungen für die Müllentsorgung, die Disposition von Servicetechnikern, in der Hauskrankenpflege oder bei Krankentransporten entwickelt. „Das Einsparungspotenzial liegt bei 10 bis 15%, im Müllmanagement konnten wir sogar eine Prozessoptimierung um 25% erreichen. Wenn ein Unternehmen sagt unsere Software ist zu langsam, können wir sie nun um den Faktor 10 oder sogar um den Faktor 100 beschleunigen“, sagt Kiechle.
Der „Doppler“-Computer, mit dem die Arbeit demnächst beginnt, wird vor allem für dynamische Prozesse viele Vorteile bringen. „Denken Sie nur an die Disposition von Servicetechnikern. Das ist ein sich ständig ändernder Prozess. In der Früh weiß man noch nicht wo, wann, welche Störungen tagsüber auftreten werden. Da braucht man rasche Entscheidungen, die „Doppler“ wesentlich schneller errechnen kann“, erläutert Kiechle.
Die Programme laufe im Echtbetrieb allerdings nicht auf dem Hochleistungsrechner. Der dient nur zur Entwicklung und Simulation der Software. Das Unternehmen kann die Algorithmen im Echtbetrieb über Cloud-Services im Internet, wo man entsprechende Rechenleistung erwerben kann, oder im eigenen Firmennetzwerk errechnen lassen. „Wir helfen den Unternehmen nicht nur bei der Entwicklung der Software, sondern auch bei der Installation und der Errechnung der benötigten Rechnenleistung“, merkt Kiechle an.

Spitzenforschung für heimische KMU

„Die Anzahl der Unternehmen, die sich an uns wenden, ist derzeit noch überschaubar. Wir würden uns wünschen, dass sich vor allem wesentlich mehr Salzburger Klein- und Mittelbetriebe bei uns melden, weil wir uns gerade für diese Gruppe als Innovationspartner verstehen“, sagt Kiechle und verweist auf den Innovationsscheck.
Am Beginn der Zusammenarbeit mit KMU stehe meist der geförderte Innovationsscheck in der Höhe von 5.000 €, der oft den Einstieg in eine erfolgreiche Forschung und Entwicklung bedeute. Eines dieser Unternehmen ist etwas die Salzburger Bäckerei Flöckner, die dank Salzburg Research die Anlieferung von Brot und Gebäck optimieren konnte.

Quelle: S.W. Salzburger Wirtschaft