Erfolgsstory „Kompetenzzentrum e-Motion“

In 12 Jahren Forschungsgesellschaft Salzburg Research entstand in uns eine einzigartige Unternehmenskultur. Repräsentiert in unseren vier Kerncharakteristika – verbindend, unkonventionell, visionär und professionell. Diese Charakteristika bestimmen unser Denken und Handeln und sind treibende Kraft bei der Umsetzung unserer Visionen. Hinter jedem unserer zentralen Werte stehen Personen, Geschichten, Herausforderungen und Erfolge.

Eine solche Erfolgsgeschichte beschreibt das von 2008 bis 2011 betriebene Kompetenzzentrum e-Motion unter der Leitung von Dr. Markus Lassnig.

Zu Beginn stand das ANET

Den Grundstein für die Expertise im Bereich der Tourismus-, Sport- und Freizeitwirtschaft legte das Vorgängerkompetenzzentrum ANET (Austrian Network for e-Tourism). „Wir konnten uns viele grundlegende Erfahrungen und Erkenntnisse über den Betrieb eines Kompetenzzentrums aneignen und hatten die glückliche Situation, dass aus ANET eine ganze Reihe Wirtschaftspartner, die mit der Kooperation sehr zufrieden waren, weitermachen wollten. Es ergaben sich aus diesem Projekt für die Wirtschaftspartner eine Vielzahl an Fragestellungen, die den Partnern zuvor nicht in dieser Form bewusst waren“, so Markus Lassnig.

Aus diesen Fragestellungen ging hervor, dass einige der kooperierenden Wirtschaftspartner großes Interesse an unseren Forschungsleistungen hatten. Im Anschluss folgten weitere Treffen, in denen die Problemstellungen gemeinsam präzisiert wurden.

Markus Lassnig: „Wirklich gemeinsam – dies war sicherlich ein idealtypisches Arbeiten. Wir konnten die Wirtschaftspartner von Anfang an in das neue Kompetenzzentrum e-Motion involvieren.  Dadurch war es uns möglich von Beginn an alles auf die Bedürfnisse der Wirtschaftspartner auszurichten“.

Einreichungsphase!

2007 wurde dann in der ersten COMET Ausschreibungsrunde eingereicht. Ein voller Erfolg!

„Wir erhielten die Genehmigung ohne die geringste Auflage, ohne Reduktionen, alles zu 100 % genehmigt, genauso wie wir es beantragt hatten!“, erinnert sich Lassnig.

„Und 2008 konnte das Kompetenzzentrum e-Motion nahtlos – das war auch ein schöner Erfolg – im Anschluss nach Auslaufen des ANET  aufgebaut werden“.

Konkret bedeutet dies, dass ANET im März 2008 ausgelaufen und im April 2008 das Kompetenzzentrum e-Motion gestartet worden ist. In der Endlaufzeit des ANET wurde e-Motion beantragt.

„Da gab es dann feierlich Leberkäse und Bier“, so Lassnig augenzwinkernd – Erfolg muss schließlich gefeiert werden – auch in Forscherkreisen!

Herausforderung Name

Doch zurück zum Start – auch die Benennung des Kompetenzzentrums gestaltete sich als nicht einfach…

„Auf den Begriff e-Motion bin ich nach einigem Grübeln gekommen. Zu Beginn habe ich selbst für mich einmal überlegt, dann wurde in der Gruppe diskutiert. Die Schwierigkeit ist etwas Knackiges, Griffiges, Einprägsames zu entwickeln. Ich habe im Anschluss versucht Themenschwerpunkte aus den gemeinsam gebildeten Begriffen herauszuarbeiten, Schlagwörter zu finden, wodurch sich in meinem Prozess dann e-Motion entwickelte“.

Erfolg bedeutet gemeinsamer Austausch

In der Umsetzung von Kompetenzzentren findet mindestens 2 mal pro Jahr eine Art Generalversammlung statt. In e-Motion waren das die „Strategy Board Meetings“. Gemeinsam wurde an neuen Strategien gearbeitet, Resümee über das letzte halbe Jahr gezogen und neue Themen für das bevorstehende Jahr diskutiert. Im Zentrum dabei stand immer der Austausch zwischen allen Partnern. Hieraus entwickelten sich bei e-Motion insgesamt sieben Teilprojekte.

Einige der ANET- Partner konnten in e-Motion mitgenommen werden. Zum Beispiel Atomic und SalzburgerLand Tourismus. Andere wiederum wurden mit dem Start von e-Motion ins Konsortium geholt. Und dies war vor allem eines – zeitintensiv, da es vorrangig Kaltkontakte waren, d.h. Unternehmen zu denen vorher noch kein Kontakt bestand. Zu diesen Unternehmen gehörten u.a. die Firmen tripwolf (ein Start-Up, das 2008 gegründet wurde), Silbergrau, c.c.com und das Steirische Thermenland. „In der gesamten Laufzeit gab es jedoch auch noch andere Unternehmen, die eine Kooperation mit uns wollten und dann jedoch aus verschiedensten Gründen (Wirtschaftskrise, etc.) wieder aus dem Projekt aussteigen mussten. Dies ist in der Koordination immer wieder eine große Herausforderung. Schließlich müssen die Bestimmungen im Förderreglement auch umgesetzt werden, wenn am Ende das gesamte Forschungsprogramm umgesetzt werden soll“, so Lassnig.

Als wissenschaftliche Partner wurden Joanneum Research, die Universität Linz und die Universität Salzburg gewonnen.

Partner gewinnen – die wirtschaftliche Herausforderung

Die Partner gut auszuwählen war entscheidend für den Erfolg von e-Motion. Es gibt Partner, die viel investieren, die selbst offen sind, die Probleme, Ideen und Fragestellungen aufbringen, die sie gelöst haben möchten. Die stellen zu Beginn den Kern dar. Intensive Diskussionen über Ideen und unternehmensrelevante Konzepte inbegriffen. „Da gab es Themen für die drei Wirtschaftspartner sich interessiert zeigten, für andere hatte vielleicht nur einer, bei manchen hatten alle Interesse, aber es gab auch Themen für die sich keiner der Wirtschaftspartner interessierte. Dann sagt man sich ok, für dieses Thema interessiert sich keiner der bestehenden Wirtschaftspartner, für dieses Thema muss man rausgehen, hier müssen wir neue Partner gewinnen“. Und hier wartet gerade in der Anfangsphase eine schwierige Herausforderung:

Erkenntnisgewinn – die wissenschaftliche Herausforderung

Aus dem Know-how im Bereich Tourismus-, Sport-, Freizeitindustrie sammelten die Forscher Ideen – in klassischen Brainstormings.

Im Hinterkopf immer die Frage: Welchen Nutzen hat dies für die Wirtschaft? Dann folgte die Suche nach passenden Wirtschaftspartnern. „Ursprünglich sind wir mit sieben bis acht Themenkreisen rausgegangen und am Ende haben wir das Forschungsprogramm dann auf drei Kernideen fokussiert“

In ihrer Benennung folgten die drei Themenkreise dem e-Motion-Stil: e-Innovation, e-Accessibility und e-Mobility.

„Diese drei großen Blöcke haben sich aus der Analyse so ergeben, das passt auch genau zu dem wie das Kompetenzzentrum unterteilt ist – es können in COMET-K-Projekten bis zu drei sogenannte Research Areas konzipiert werden. Das war von Anfang an der Plan – ein Ziel, das wir auch erreichten!“

Idealtypisches Erfolgsbeispiel – mobiler Reiseführer für tripwolf

„Ich bin an einem Sonntagmorgen beim Frühstück über einen Zeitungsartikel auf die Firma aufmerksam geworden. Berichtet wurde über ein in Wien ansässiges erfolgreiches Start-Up, namens tripwolf. Im Artikel ging es um ihre Geschäftsidee, ein webbasierter digitaler Reiseführer, ein innovatives Produkt. Ich dachte mir beim Lesen – hey, das klingt spannend, passt inhaltlich genau zu unserem Themenfeld…“ Das war der Anfang, es folgte ein Anruf bei den „tripwölfen“ und der Rest ist wie es so schön heißt Geschichte…

Das besondere daran: tripwolf hatte anfangs den Fokus klar auf Webaktivitäten gelegt. Vereinfacht dargestellt hatten wir Forscher die Idee den webbasierten Reiseführer um ein mobiles Service zu ergänzen – auch mit dem Argument, dass dies tripwolf von bestehenden Konkurrenten abheben könnte. „tripwolf war nicht von Anfang an Feuer und Flamme von dieser Idee, wir mussten sie zuerst überzeugen. Wesentlich half uns dabei das die Finanzierungsmodell im Kompetenzzentrum. D.h. Teilfinanzierung aus der Wirtschaft und Teilfinanzierung über die öffentliche Förderung. Eine Firma wie tripwolf hätte sich vermutlich nicht darüber getraut, das zur Gänze selbst zu finanzieren, dafür war die Investition für ein kleines Start-Up einfach zu riskant. „Man muss sich vor Augen führen, dass das im Jahr 2008 war, als das iPhone erst relativ kurz am Markt war und die öffentliche Diskussion sich darum drehte, was denn Apple da plötzlich am Handymarkt will. Von der Smartphone-Welle, wie wir sie heute haben, war damals noch keine Rede“, so Lassnig.

Gemeinsam entwickelte das e-Motion Team im Anschluss eine mobile App des digitalen Reiseführers. Ein halbes Jahr später wurde er am Markt lanciert. Das Echo war beeindruckend: „Es stellte sich heraus, dass das mobile Service kein Nice to Have als Zusatz zum Webservice war, sondern neben der Webplattform ein zentrales Produkt für tripwolf“. Mit jedem Launch einer neuen Version der mobilen App und mit jedem Launch eines weiteren Reiseführers für’s Smartphone haben die Nutzungszahlen auf der tripwolf-Plattform massiv zugenommen.

Forschung als strategisches Element

tripwolf hat durch die neue Idee ihre Unternehmensstrategie auch an den Markt angepasst. Durch den Innovationsanstoß der e-Motion Forscher konnte das Unternehmen ein zweites wichtiges Standbein etablieren. „Die von uns umgesetzte mobile Anwendung ist Teil ihres Kernproduktes geworden. Die App erfreut sich mittlerweile über 3 Mio. Downloads (Stand 1/2012)“.

Weiterentwicklung durch interdisziplinäre Kompetenz

Die Erstversionen wurden von den e-Motion Forschern als Softwareprototypen gebaut. Dann wurde an das Team von tripwolf übergeben. Im Laufe des Projektes konnten Markus Lassnig und sein Team auch mit dem Einsatz neuer Technologien in der Weiterentwicklung helfen. Wie beispielsweise Augmented Reality. Zu Projektstart waren die hardware-technischen Möglichkeiten für den Einsatz dieser Technologie noch nicht gegeben. Während der Projektdauerwar die technische Weiterentwicklung der Smartphones jedoch so rasant, dass ein Einsatz von Augmented Reality Technologie für den mobilen Reiseführer möglich wurde. „Unsere sozialwissenschaftliche Kompetenz nutzten wir während des Projektes auch dazu, dass wir Foren und Communitys nicht nur technisch beobachteten um herauszufinden, wie es den Usern mit der App geht, sondern auch um neue von den Usern gewünschte Trends zu erkennen, die mit dem Know-how unserer Entwickler gezielt umgesetzt werden konnten.

Ein schöner Erfolg, der sich mit dem Projekt für barrierefreies Reisen in ähnlicher Form für das e-Tourismus Forscherteam in Kooperation mit der SalzburgerLand Tourismus GmbH wiederholte. Die SalzburgerLand Tourismus GmbH entwickelte aus mehrstufigen Projekten zur Barrierefreiheit im Tourismus eine eigene Angebotsgruppe für barrierefreie Unterkunftsbetriebe im Salzburgerland.

Angewandte Forscher – Grenzgänger zwischen den Welten

Forschung und in der Forschung Tätige stoßen immer wieder an Grenzen. Zum einen an ihre eigenen persönlichen Grenzen – was die große notwendige Kreativität (insbesondere für neue Projektideen, etc.) und die eigene Leistungsfähigkeit anbelangt, aber auch die Fähigkeiten des diplomatischen, zwischenmenschlichen Geschicks (Wirtschaftskontakte knüpfen und zu halten). Zum anderen auch an die marktwirtschaftlichen Grenzen – ständig wechselnde Situationen am Markt und in den Unternehmen (variierende Budgets und Ansprechpartner etc.).

Der Druck und die Erwartungen an die Forscher sind mitunter enorm. Angewandte Forschung bedeutet immer eine Gratwanderung zu schaffen zwischen wissenschaftlichem Anspruch und wirtschaftlicher, lukrativer Verwertung. Immer mit dem Anspruch zu anderen, mitunter sogar konkurrierenden wissenschaftlichen Partnern in fairem partnerschaftlichem Wettbewerb zu stehen.

Verbindende Forschungskooperation – gelebte Unternehmenskultur

Das Kompetenzzentrum e-Motion ist eine Erfolgsgeschichte, die beweist wie erfolgreich die Zusammenarbeit zwischen Forschung und Wirtschaft sein kann. Die Nachfolge von e-Motion tritt u.a. das Research Studio „Innovation Signals“ an, das sich mit der frühen Wahrnehmung von Konsumentenmeinungen und deren Innovationspotenzial für die Tourismus-, Sport- und Freizeitwirtschaft beschäftigt. Darüber hinaus beweisen unsere Wissenschaftler/-innen in jährlich ca. 100 regionalen, nationalen und internationalen Forschungsprojekten was „verbindend“ für Salzburg Research bedeutet. Forschungskooperationen werden so zu gelebter Unternehmenskultur.

Moral der Geschichte…

Wie jede Geschichte, hat auch die Erfolgsgeschichte e-Motion eine Moral – Nur durch die Verbindung von Wissenschaft und Wirtschaft wird Forschung die Brücke zur Zukunft!

Fortsetzung folgt…